Den ersten Band aus der Kunstsprung-Reihe kenne ich nicht. Trotzdem habe ich das nicht als nachteilig empfunden und kam sehr gut in die Geschichte rein.
Im Mittelpunkt steht die 16jährige Freya, die auf einer Klassenfahrt nach Paris unglaubliche Erlebnisse machen darf. Gleich nach der Ankunft entdeckt sie im Foyer der Jugendherberge ein Bild, das sie in seinen Bann zieht. Die düstere Darstellung der Tänzerin Salome, gemalt vor ca. 150 Jahren von Gustave Moreau übt eine unheimliche Faszination auf die Schülerin aus. Durch den sogenannten Kunstsprung gelingt es Freya durch das silberfarbene Portal in eine andere Welt zu springen.
In dieser mystischen Parallelwelt trifft sie auf ihren Freund Mo, der bei der Klassenfahrt nach Paris nicht dabei sein konnte. In altertümlicher Kleidung erleben sie auf dem Friedhof einer einsamen Toteninsel die ersten Abenteuer. Hier wird zum ersten Mal die Vermischung Phantasie- und Kunstgeschichte deutlich.
Nachdem Freya sich wieder kurz in der realen Welt aufhält, wird sie beim Besuch des Geburtshauses des Gnostikers und Symbolisten Gustave Moreau plötzlich wieder in die Parallelwelt zu Mo katapultiert. Bald darauf trifft sie auf ihr ehemalige Katze FREA, jetzt ein fuchsähnliches weises Wesen, das ihr hilfreich zur Seite steht. Bei ihrem Versuch, die Kunstwelt zu retten, gerät Freya bald wieder an ihren alten Widersacher RES. Beim Kampf der Freunde mit ihren gefährlichen Gegnern wird letztendlich auch ihre Freundschaft und Loyalität zueinander auf den Prüfstand gestellt.
Hinter einem Fenster aus Silber verbindet ein aufregendes Abenteuer, bei dem es etliche Rätsel zu lösen gilt, mit der mystischen Fantasy-Welt des Symbolismus. Immer wieder werden nicht nur Informationen zu Gustave Moreau sondern auch zu anderen Malern und deren Gemälde eingeflochten. Der Ausflug in das magische, geheimnisvolle Reich der Tänzerin Salome ermöglicht interessante Einblicke.
Der Autorin gelingt es sehr gut, durch bildhafte und detaillierte Beschreibungen die mysteriöse unergründliche Anderswelt in meinem Kopf entstehen zu lassen. Auch die Charaktere sind sehr gut ausgearbeitet und werden mit ihren unterschiedlichen Gefühlen und Eigenschaften zum Leben erweckt.
Als einzigen Kritikpunkt möchte ich einige Längen zwischendurch erwähnen. Eventuell hätten dem Erzähltempo der Geschichte hundert bis hundertfünfzig Seiten weniger gutgetan.
Da mir das Buch trotzdem viele angenehme Lesestunden bereitet hat und der flüssige Schreibstil gut zu lesen ist, bekommt es von mir eine Leseempfehlung und vier Sterne.