Im Jahr 1951 scheint es für Minna und ihre Tochter Hanne möglich zu sein, die Folgen des Krieges zumindest ein wenig zu überwinden. Die kleine Wohnung am Markt in Minden liegt zentral, die Finanzen sind eng, aber ausreichen und die elfjährige Hanne ist ein liebes Kind. Doch dann erkrankt Minna an Tuberkulose und auch Hanne erkrankt einige Zeit später. Immer wieder muss das junge Mädchen in eine Lungenheilanstalt. Vor der Krankheit konnte Minna ihr Kind nicht bewahren, aber ansonsten behütet sie Hanne so gut sie kann. Dabei übergeht Minna manche Themen, was sich später als folgenschwer erweist.Bei Hanne - Die Leute gucken schon handelt es sich um den zweiten Band der Mütter Reihe. Minna hat es sich mit Hanne ganz gut in Minden eingerichtet. Sie hat ihren Bruder Karl und ihre Freundinnen Fannie und Anni. Hanne jedoch scheint keine gleichaltrigen Freunde zu haben. Besser versteht sie sich mit den Nachbarn im Haus oder am Markt. Nur in der Lungenheilstätte hat sie eine echte Freundin gefunden. Wegen der Erkrankung hat ihre Mutter einiges von ihr fern gehalten. Und es sind die 1950er. Da spricht man über gewisse Dinge einfach nicht. Leider rächt sich diese Einstellung.Mit ihrer Mütter Trilogie erzählt die Autorin auch einen Teil ihrer eigenen Familiengeschichte. Und in dieser hatten es die Frauen nicht leicht. Geprägt durch die Kriegsjahre müssen sie ihren Weg finden. Einige im Bekanntenkreis haben Energie und nach viel Leid ein wenig Glück. Bei Minna wirkt es so als habe sie ihr Glück vor dem Krieg gehabt und nachher versucht sie das Beste aus allem zu machen. Doch schafft sie es nicht das so an Hanne weiterzugeben. Diese wirkt zunächst ein wenig naiv und etwas verbittert. Natürlich sind die Zeiten authentisch und lebendig geschildert. Es war eben eine schwere Zeit und das ist schon nicht leicht zu ertragen. Trotzdem fühlt man sich in dem Roman wie zu Hause. Und mit Spannung erwartet man den dritten Band, da der vorliegende Band mit einem echten Cliffhanger endet.3,5 Sterne