Überraschendes Ende, aber die Handlung nicht immer ganz schlüssig
Mir hat dieser Band wieder besser gefallen als der vorherige, von dem ich etwas enttäuscht war.Dieses Mal spielt die Handlung in einem ehemaligen, verlassenen Krankenhaus in London. Dort werden an unterschiedlichen Stellen insgesamt 4 Leichen gefunden, bei denen es teilweise nach Folter aussieht. Bei der Suche nach dem Mörder und der identifizierung der Leichen scheint die Polizei kaum voranzukommen. Darum hetzt ein Anwalt die Öffentlichkeit auf die Polizei und kritisiert deren wenig überzeugende Ermittlungsarbeit und Kommunikation. Gleichzeitig macht der Abrissunternehmer Druck, der endlich das verlassene Krankenhaus vernichten will. Dann gibt es noch eine ältere Dame, die Hunter einige Male besucht. Schnell gerät deren bettlägeriger Sohn ins Visier der Polizei.Und zuletzt erscheint wieder Grace auf dem Radar, die Hunter in einem vorherigen Band fast umgebracht hat.Die Story gefällt mir ganz gut. Zwischendurch passiert leider relativ wenig, weil die Polizei kapitellang nach weiteren Leichen sucht. Bei dem Einsatz des Leichenspürhunds glaube ich, dass das nicht ganz korrekt geschildert wird. Ich mache selbst mit unserem Hund gerade eine Ausbildung zum Trümmersuchhund. Dabei sucht der Hund zwar lebende Menschen, dennoch müssen Grundsätze beachtet werden, die vermutlich auch für Leichenhunde gelten. Zum einen gibt es bei Trümmersuchhunden den Grundsatz "von unten nach oben". Das heißt, man fängt im Keller an zu suchen und arbeitet sich nach oben durch. In dem Buch ist es aber genau umgekehrt, da wird oben angefangen, obwohl das Gebäude ja teilweise schon eingestürzt ist, folglich handelt es sich um ein Trümmergelände. Außerdem kommt es mir so vor, als würde der Leichenhund den ganzen Tag tagelang in dem Gebäude zum Einsatz kommen. Beckett schreibt sogar, dass der Hund schon gar keine Lust mehr hat auf seine Belohnung, den Tennisball. Kein Wunder, das ist Schwerstarbeit und kein Hund würde so lange durchhalten. Ich wünschte, Beckett hätte hier etwas gründlicher recherchiert. Zuletzt vermisse ich Rettungshunde bei der Suche nach der verschütteten Kommissarin. Nicht nur aufgrund ihrer Schwangerschaft ist es wichtig, sie so schnell wie möglich aus den Trümmern zu bergen. In der Realität würden hier sofort Rettungshunde angefordert werden, weil die einfach viel schneller und effektiver suchen. In dem Buch hört man erstaunlicherweise metertiefes Klopfen der Verschütteten. Nun ja.Abgesehen davon fand ich manche Handlungen nicht schlüssig. Warum besucht Hunter mehrere Male die ältere Dame, obwohl sie so barsch ist? Warum hilft Hunter dem unsympathischen und überforderten Taphonomen und leistet noch nicht mal Widerrede, wenn dieser die Realität verdreht und ihn schlecht dastehen lässt? Warum sagt Hunter einem umstrittenen Treffen mit dem Anwalt zu und wartet nicht den Abschluss der Ermittlungen ab? Warum vereinbart Hunter einen Termin in seiner Wohnung mit einem aufdringlichen Journalisten, den er nicht kennt und dessen Ambitionen er nicht kennt?Entschädigt wird man mit einem überraschenden Ende. Ich hätte es toll gefunden, wenn sich die Spannung nicht im Schlussteil potenziert, sondern auch in den Hauptteil eingeflossen wäre.