Trotz einiger Kritikpunkte ein guter Roman: das Setting stimmt, die Sprache stimmt, der Protagonist überzeugt.
David Hunter ist eigentlich nicht mehr im Geschäft. Er arbeitet als forensischer Anthropologe. Angestellt ist er bei der Uni, aber er arbeitet meistens mit der Kriminalpolizei zusammen. Dort ist er aber in einem seiner letzten Fälle in Ungnade gefallen. Er dümpelt also so vor sich hin und fürchtet sogar um seine Anstellung bei der Uni, als er eben doch wieder in einen Fall hineinschlittert. Er wird so halb und halb hinzugezogen als man die Überreste einer Leiche in der Themsemündung, den Estuary, findet. Er macht sich auf zu der Obduktion, aber als er mit dem Auto die Senke eines Damms überqueren muss, der gerade dabei ist überflutet zu werden, bleibt er stecken. Missmutig schleppt ihn Andrew Trask mit seinem Landrover ab, der des Weges kommt und der in der Nähe wohnt. Schon ist Hunter mittendrin, denn Trask ist ein Verdächtiger und Betroffener. Der Kommentar und das Leseerlebnis:Es stellt sich heraus, dass der Roman der letzte Band einer Reihe mit dem Forensiker David Hunter ist, Vorbände - Die Chemie des Todes, Kalte Asche, Leichenblässe, Verwesung - was sein makabres Ende erklären dürfte. Es ist meine erste literarische Begegnung mit dem Autor und somit mit David Hunter. Sowohl David Hunter wie auch Simon Beckett sagen mir zu. Der Stil des Romans ist eloquent, flüssig, für einen Kriminalromanschreiber ungewöhnlich. Ich bin angetan. Der Held ist genug heldisch, aber auch genug deprimiert und normal, dass man ihm als Icherzähler gerne zuhört. Und das Setting rund um die Themsemündung, die Backwaters, eine verlassene Gegend, ist auch gut. Sehr gut sogar. Und Simon Beckett verfügt über Fachwissen in der Forensik, was dem Roman zugute kommt! Was nicht gut ist, ist, dass dann doch nach der Hälfte vielleicht, für meinen Geschmack viel zu viele Leichen auftauchen. Die Übersichtlichkeit und auch das Erzählende des Romans geht flöten, das Setting tritt in den Hintergrund, dabei ist das Setting das eigentlich Spannende! Dann wirds auch noch stereotyp. Die Frau, die dem Mann hinterherläuft, der Kerl, der gerne eine Frau wäre, ein Verrückter, auf den der Verdacht fällt, ein einflussnehmender Verdächtige, ein loyaler Chauffeur, ein magenkranker Inspektor (wenigstens raucht er keine Pfeife), eine missmutige Leitende Ermittlerin. Und eine Liebelei. Schade. So viele Fäden, die mal hier und mal dorthin laufen, brauchts nicht für einen soliden Krimi. Die Auflösung ist auch ziemlich - na ja, komplex, um es freundlich zu sagen. Jedoch ist es die Einfachheit, die einen Roman zum Kunstwerk macht. Beinahe würde ich sagen können, und am Ende sind alle tot - aber ganz so ist es dann doch nicht. Fazit: Bis zur Hälfte wirklich gut, viel Hintergrund und Atmosphäre, zu erst einmal nettes Personal, zum Beispiel ein Hund, gute Erzähltechnik, aber dann wirds ein wenig verwickelt, es gibt zu viele Leichen, zu viele Täter und das brauchts nicht. Kategorie: KriminalromanVerlag rororo 2016