Atmosphärischer Provence-Krimi mit Humor und Spannung, wunderbare Kulisse, nette Figuren ¿ die Auflösung wirkt jedoch etwas konstruiert.
Mit "Provinzialische Schuld - Ein Fall für Pierre Durand" entführt Sophie Bonnet ihre Leserinnen und Leser erneut in die malerische Provence. Schon nach wenigen Seiten fühlt man sich mitten hineinversetzt in französische Dörfer, in denen der Duft von Lavendel, gutes Essen und ein gemächlicher Lebensrhythmus den Alltag bestimmen - bis natürlich ein Mord alles durcheinanderwirbelt. Der Roman ist ein klassischer Cosy Crime, der weniger auf brutale Spannung als vielmehr auf Atmosphäre, Figuren und ein cleveres Rätsel setzt.Über rund 300 Seiten hinweg bleibt die Geschichte angenehm spannend. Die Ermittlungen von Pierre Durand entwickeln sich ruhig, aber kontinuierlich, sodass man gern weiterlesen möchte. Besonders gelungen ist der französische Flair: Märkte, Cafés, kulinarische Genüsse und das typische Provinzleben werden so lebendig beschrieben, dass man sich alles sehr gut vorstellen kann. Hier zeigt Sophie Bonnet eindeutig ihre Stärke - das Setting ist fast schon eine eigene Hauptfigur.Die Ermittlungen selbst sind interessant angelegt und werden immer wieder mit einem leichten, humorvollen Ton aufgelockert. Einige Dialoge und Situationen bringen ein Schmunzeln hervor und machen den Krimi zu einer unterhaltsamen Lektüre für zwischendurch. Pierre Durand bleibt dabei ein sympathischer Ermittler, der eher durch Beobachtungsgabe und Hartnäckigkeit als durch Action überzeugt.Allerdings gibt es auch Kritikpunkte. Die Auflösung des Falls wirkte auf mich etwas weit hergeholt und nicht ganz überzeugend vorbereitet. Auch der Anfang des Romans und das erste zentrale Ereignis fügen sich im Nachhinein nicht vollkommen stimmig in das Gesamtbild ein. Hier hätte man sich eine klarere Verbindung und eine logischere Entwicklung gewünscht. Dadurch verliert der Krimi am Ende ein wenig an Glaubwürdigkeit, was schade ist, da der Weg dorthin durchaus fesselnd war.Insgesamt ist "Provenzialische Schuld" dennoch eine nette, kurzweilige Unterhaltung mit viel französischem Charme. Wer keinen knallharten Thriller erwartet, sondern einen atmosphärischen Krimi mit Humor, Provence-Flair und einem sympathischen Ermittler, wird hier gut bedient. Für die etwas schwächere Auflösung gibt es zwar Abzüge, doch als entspannte Lektüre für Krimi-Fans bleibt der Roman absolut empfehlenswert.