Der Scheich als Buch
PORTO-
FREI

Der Scheich

'zu Klampen! Essay'.
Buch (gebunden)
Kundenbewertung: review.image.5 review.image.5 review.image.5 review.image.5 review.image.5
Scheichs gehören zu den finanzkräftigsten Neureichen unserer Zeit. Worauf gründet ihr Reichtum? Wie vermehren und stellen sie ihn zur Schau? Welche Rolle kommt dabei der westlichen Kunst zu? Und wer oder was kann ihnen gefährlich werden?
Buch

20,00 *

inkl. MwSt.
Portofrei
Sofort lieferbar
Der Scheich als Buch

Produktdetails

Titel: Der Scheich
Autor/en: Wolfgang Kemp, Anne Hamilton

ISBN: 3866745745
EAN: 9783866745742
'zu Klampen! Essay'.
Klampen, Dietrich zu

1. März 2018 - gebunden - 160 Seiten

Beschreibung

Das Dasein arabischer Scheichs ist für westliche Betrachter schwer zu verstehen. Unermesslicher Reichtum paart sich mit skurrilen Lebensgewohnheiten, Archaisches und Modernes bilden ein so eigentümliches Amalgam, dass heute Tausendundeine Nacht in gläsernen Wolkenkratzern beheimatet scheint. Ursprünglich bezeichnete der Titel "Scheich" das Oberhaupt eines Stammes oder einen geistlichen Führer. Seit der Umwandlung der Territorien am Golf in autoritär regierte Nationalstaaten jedoch nahmen den Titel sämtliche Mitglieder einer herrschenden Familie an. Die so entstandenen Clans behandeln die (noch) sprudelnden Einnahmen aus Öl und Gas - wie die Oligarchen - als ihre Privatschatulle. Doch können ständig sich vermehrende Clans weiterhin aus der Palastkasse ausgehalten werden? Gern mietet man für private Zwecke ganze Luxushotels in westlichen Metropolen an, und natürlich sollte auch ein Jagdfalke seinen Besitzer standesgemäß auf Reisen begleiten dürfen. Darüber hinaus werden auch spektakuläre nationale Großprojekte in Angriff genommen, Ableger westlicher Museen wie Ufos in den Wüstensand gesetzt.
Wolfgang Kemp öffnet uns mit seinem ebenso kenntnisreichen wie unterhaltsamen Essay den Blick in eine Welt, die - wie einst das Serail - für Fremde sonst verschlossen bleibt.

Portrait

Wolfgang Kemp, Jahrgang 1946, war Professor für Kunstgeschichte
in Kassel, Marburg und Hamburg. Seit seiner Emeritierung lehrt er
an der Leuphana Universität Lüneburg. Gastprofessuren führten ihn
u. a. an die Harvard University, ans Wissenschaftskolleg Berlin und
ans Getty Research Center in Los Angeles.
Er hat zahlreiche Publikationen zur Kunstgeschichte, Architektur und
Fotografie vorgelegt und schreibt regelmäßig für deutsche Zeitungen
und Zeitschriften. Zuletzt erschien von ihm bei zu Klampen:
»Der Oligarch« (2016).

Pressestimmen

»Wolfgang Kemp öffnet mit seinem Essay die Tür zu einer Welt, die uns meist verschlossen bleibt.«
Stadtmagazin Stadtkind Hannover, Heft 05/2018

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 03.07.2018

Ab welcher Höhe werden Wolkenkratzer obszön?
Mit westlichen Maßstäben gemessen: Wolfgang Kemp schreibt einen polemischen Essay über die arabische Welt

Wolfgang Kemp möchte in seinem Essay die Typologie des "Scheichs" entwerfen, in durchaus polemischer Absicht. Vieles stimmt, was Kemp schreibt. Wenn er etwa die Korruption und die Kleptokratie in Saudi-Arabien aufspießt, die geringe Wettbewerbsfähigkeit der meisten arabischen Volkswirtschaften, die Willkür der Justiz, die doppelte Moral nicht weniger Prinzen und einfacher Saudis, die sich öffentlich anders geben als privat verhalten. Oder wenn er auf die Bedingungen kommt, unter denen die asiatischen Bauarbeiter malochen. Wobei Kemp verschweigt oder nicht weiß, dass die internationale Kritik inzwischen zur Verbesserung dieser Zustände geführt hat.

Selbst die überzeugenden Passagen des Buchs, zu denen auch das Kapitel über die Museen und den Kunstbetrieb am Golf zählt - schließlich ist der Autor von Haus aus ein renommierter Kunsthistoriker und ein gewiefter Beobachter des Kunstbetriebs -, leiden unter zu vielen Fehlern und Vorurteilen. Von den zahlreichen falsch geschriebenen Namen sehen wir dabei einmal ab. Aber wenn der frühere Chef der Religionspolizei von Mekka als Reaktionär dargestellt wird, entgeht dem Autor zugleich, dass dieser Mann einer der wichtigsten systemimmanenten Kritiker des wahhabitischen Islams geworden ist.

Auch war Abdullah, saudischer König von 2005 bis 2015, nie Verteidigungsminister des Landes, wie Kemp behauptet. Der Autor nimmt es überhaupt mit der Geschichte nicht so genau. Dem Attentäter auf König Faisal unterstellt er, den König 1975 getötet zu haben, weil er mit seiner Apanage von 3500 Dollar im Monat nicht zufrieden gewesen sei. Dabei tötete Faisal Bin Musaid den König aus Rache, weil er ihn für den Tod seines Bruders Khalid verantwortlich machte. Der war bei Protesten gegen die Einführung des Fernsehens, die Faisal angeordnet hatte, umgekommen. Das passt aber weniger in Kemps Story.

Kemp übt das Verfahren, westliche Konzepte auf die arabischen Verhältnisse anzuwenden. Unbestritten ist, dass die Arabische Halbinsel die westliche Form der Demokratie nicht kennt. Hätte sich Kemp aber wirklich mit der arabischen Stammesgesellschaft beschäftigt, wäre ihm nicht entgangen, dass es dort mehr basisdemokratische Prozesse als bei uns gibt. Stattdessen macht er sich über die Vereinigten Arabischen Emirate als eine "zum Staat aufgestiegene Duty-Free-Zone" lustig.

Ärgerlich ist es, wenn der Autor behauptet, die saudische Königsfamilie habe bis 1996 "nichts für die heiligen Stätten getan". Allein ein Vergleich mit alten Fotos widerlegt diese Behauptung rasch. Für die Reputation des Hauses Saud ist nichts wichtiger als der reibungslose Ablauf der Wallfahrt. Ärgerlich auch, dass Kemp die Höhe des Burj Khalifa in Dubai (868 Meter) "obszön" nennt, dem Islam unterstellt, dessen Expansionsverlangen beruhe "unter anderem auf der Förderung größtmöglicher Fruchtbarkeitsraten", und davon berichtet, der Architekt eines Projekts sei "ein Deutscher, allerdings ein zum Islam konvertierter". Also ein schlechter Deutscher?

Kemp bekommt vieles nicht mit, was in Saudi-Arabien geschieht. Etwa dass die reaktionären Religionsgelehrten Autorität einbüßen und ihre privilegierte Stellung verlieren. Denn die Menschen wollen ein normales Leben führen, und das Haus Saud, das die Monatsgehälter der Religionsgelehrten zahlt, nimmt diese immer entschiedener an die kurze Leine. Und in seinem Antiamerikanismus entgeht ihm, wie mit dem Ende der Pax Americana der Nahe Osten zerfällt und dadurch nicht besser wird.

Kemp beklagt, dass es in Dubai kein "nennenswertes Zentrum, keine attraktive Altstadt" gebe. Unverdrossen scheint er das alte Arabien zu suchen. Wer aber will sich heute noch in Bagdad, Damaskus oder Kairo niederlassen, den Städten mit "attraktiven Altstädten"? Dubai ist hingegen mit seinen modernen Zentren in der arabischen Welt der vergangenen zweihundert Jahre die einzige Erfolgsgeschichte. Herablassend nennt Kemp das eine bloße "Leihkultur". Ihm entgeht, dass in Dubai nicht der Islam radikal ist, sondern der Kapitalismus. Das passt ins Bild dieses verunglückten Essays über die arabische Welt.

RAINER HERMANN

Wolfgang Kemp: "Der Scheich".

Zu Klampen Verlag, Springe bei Hannover 2018. 208 S., geb.

© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt.

Mehr aus dieser Reihe

zurück
Humor
Buch (gebunden)
von Frank Lisson
Abitur und Bachelor für alle - wie ein Land seine Zukunft verspielt
Buch (gebunden)
von Hans Peter Klein
Was vom Adel blieb
Buch (gebunden)
von Jens Jessen
Scham
Buch (gebunden)
von Andrea Köhler
Verehrte Denker
Buch (gebunden)
von Henning Ritter
vor
Empfehlungen Ihres Buchhändlers
Claudia B.
von Claudia B. - Hugendubel Buchhandlung Frankfurt/Main Steinweg - 18.09.2018
Wolfgang Kemp: "Der Scheich" - Dieser kleine, sehr lesbare Band liefert einen spannenden Einblick in die Verhältnisse und das Selbstverständnis sowohl des saudischen Königshauses als auch der saudischen Gesellschaft. Damit ist es ein außerordentlich hilfreiches Buch, wenn man sich dem unbekannten politischen Akteur Saudi-Arabien nähern will.
Eigene Bewertung schreiben Zur Empfehlungs Rangliste
Servicehotline
089 - 70 80 99 47

Mo. - Fr. 8.00 - 20.00 Uhr
Sa. 10.00 - 20.00 Uhr
Filialhotline
089 - 30 75 75 75

Mo. - Sa. 9.00 - 20.00 Uhr
Bleiben Sie in Kontakt:
Sicher & bequem bezahlen:
akzeptierte Zahlungsarten: Überweisung, offene Rechnung,
Visa, Master Card, American Express, Paypal
Zustellung durch:
¹ Mängelexemplare sind Bücher mit leichten Beschädigungen, die das Lesen aber nicht einschränken. Mängelexemplare sind durch einen Stempel als solche ge-
kennzeichnet. Die frühere Buchpreisbindung ist aufgehoben.
* Alle Preise verstehen sich inkl. der gesetzlichen MwSt. Informationen über den Versand und anfallende Versandkosten finden Sie hier.
** Deutschsprachige eBooks und Bücher dürfen aufgrund der in Deutschland geltenden Buchpreisbindung und/oder Vorgaben von Verlagen nicht rabattiert werden. Soweit von uns deutschsprachige eBooks und Bücher günstiger angezeigt werden, wurde bei diesen kürzlich von den Verlagen der Preis gesenkt oder die Buchpreisbindung wurde für diese Titel inzwischen aufgehoben. Angaben zu Preisnachlässen beziehen sich auf den dargestellten Vergleichspreis.