Die Großwildjagd aus der Sicht des weißen Jägers: eine äußerst klug gewählte Perspektive
Lange nach der Kolonialzeit ist der große weiße Jäger (Hunter White) wieder einmal in Afrika, um dort seine Big Five (Elefant, Nashorn, Kaffernbüffel, Löwe, Leopard) vollzumachen, mit der echten Waffe, nicht mit der Kamera. Als die Jagd auf das Nashorn unbefriedigend verläuft, eröffnet ihm der Jagdleiter die Möglichkeit einer sechsten Trophäe: ein junger Afrikaner, ein Mensch. Und Hunter White lässt sich darauf ein.Ich war von Anfang an gefesselt, d.h. ich saß in meinem Sessel und konnte das Buch kaum aus der Hand legen, höchstens um mir noch einen Kaffee oder etwas Essbares zu besorgen. Jede der Rechtfertigungen, die White vor seinem Gewissen (jeder Mensch hat ein Gewissen) vorbrachte, warum die Jagd etwas Gutes und Edles sein soll, rief bei mir inneren Widerspruch hervor, und dennoch wollte ich es bis zum Ende wissen: Wie kommt ein Mensch dazu, diesen Weg zu gehen? Fast alle Argumente für die Jagd wirkten zunächst stichhaltig, oft genug fiel es mir schwer, sofort das genaue Gegenteil zu behaupten und die Jagd eindeutig zu verdammen.Am Ende scheitert Hunter White an der Jagd auf den jungen Afrikaner. Und das fühlte sich gut und richtig an.