Ann-Kristin Wigand interpretiert die aramäische Achikarkomposition vor dem Hintergrund des perserzeitlichen Ägyptens. Sie kombiniert historisch-kritische Methoden mit einem intertextuellen Zugang um herauszuarbeiten, unter welchen Bedingungen der Text in seinem ägyptischen Umfeld gelesen und verstanden werden kann und welche Funktion der Text in seinem multiethnisch geprägten Kontext einnimmt.
Ann-Kristin Wigand interprets the Aramaic Achikar composition against the background of Persian Egypt. She combines historical-critical methods with an intertextual approach in order to work out under which conditions the text can be read and understood in its Egyptian setting and which function the text assumes in its multi-ethnic context. Die aramäische Achikarkomposition aus dem fünften Jahrhundert v. Chr. ist die älteste bekannte Überlieferung eines weit verbreiteten literarischen Stoffs. Ann-Kristin Wigand geht vom Fundort Elephantine aus und fragt in der vorliegenden Studie nach der Funktion und Rezeption des aramäischen Weisheitstextes im perserzeitlichen Ägypten. Die Untersuchung der Textgestalt in Verbindung mit dem literarischen und soziohistorischen Kontext zeigt, dass der Text zur Legitimierung der persischen Fremdmacht gedient haben kann und zur Ausbildung von Beamten in einem multiethnisch geprägten Umfeld genutzt wurde. Zugleich hat die aramäische Achikarkomposition Teil an einem regen literarischen Austausch zwischen aramäischer und demotischer Literatur in der Spätzeit. Die Autorin argumentiert, dass die Achikarkomposition dabei im Punkt der eingeforderten Loyalität zum Fremdherrscher als Gegenerzählung zu den demotischen Erzählungen gelesen werden kann.