Zwischen Gunst und Ungnade seitens seines Fürsten besteht nur ein sehr schmaler Grat, der jederzeit in den Abgrund führen kann.
Florian Illies stellt in Träume aus Feuer Der Alchimist von der Pfaueninsel Johannes Kunckel in den Mittelpunkt seiner Geschichte. Es existiert nicht viel historisches Material über diesen Meister der Glaskunstherstellung, der die Schwelle vom mittelalterlichen Alchimisten zum neuzeitlichen Naturwissenschaftler der heutigen Chemie überschritten hat. Dabei ist er kein Erfinder, sondern ein Vollender, wie der Autor ihn treffend in seinem erzählerischen Sachbuch beschreibt. Die Umsetzung der heute existierenden Fakten in eine gut lesbare und interessant geschriebene Geschichte, die Ende des 17. Jahrhunderts spielt und wenige Jahre aus dem Leben des Protagonisten wiedergibt, zeigt mit welch großem schriftstellerischen Können eine Essenz entsteht, die unterhaltenden Charakter besitzt und den Zeitgeist authentisch spiegelt.
Die Pfaueninsel nahe Potsdam gelegen, einst ein Ort, den die Kaninchen besiedelten, bekam Johannes Kunckel vom Großen Kurfürsten von Brandenburg als Geschenk. Hier entstanden die Werk- und Wohnstätten des Meisters und seiner Mitarbeiter, wo er sein Wissen und Können umsetzen konnte, um einzigartiges rubinrotes und kobaltblaues Glas herzustellen, das selbst in Murano bewundert wurde. Als Vertrauter des Großen Kurfürsten und seiner zweiten Frau Dorothea hatte er am Fürstenhof jedoch auch erbitterte Neider, die entscheidend in sein Lebenswerk und die existentiellen Grundlagen seiner Familie erbittert eingriffen.
Eine kurze, atmosphärische Geschichte, die Wissen schafft und Leselust bereitet.