Das Buch hat mir leider gar nicht gefallen. Die grundlegende Ausgangssituation hat mich total angesprochen und neugierig gemacht. Ich hatte dann aber gleich am Anfang schon Schwierigkeiten die Protagonistin zu verstehen oder mit ihr mitfühlen zu können. Zu diesem Zeitpunkt war das für mich noch nicht so schlimm, weil ich dachte im Laufe der Geschichte kann ich sie besser kennenlernen und beginnen sie zu verstehen. Figuren in Büchern müssen mir nicht immer sympathisch sein, ich muss nicht mit ihren Handlungen einverstanden sein, aber ich möchte sie zumindest ab einem gewissen Punkt verstehen können. Diese Punkt ist hier nie eingetroffen. Ja, die Umstände in denen, oder mit denen die Protagonist lebt sind nicht leicht, und sie ist an einem Punkt, an dem es ihr nicht gut geht. Dass man in solchen Situation Dinge macht, die nach außen nicht "logisch" wirken ist irgendwo "normal". Es gibt aber einige Momente, in denen sie sich Sachen selber verbaut, Leute zurückweist und generell unfair und unfreundlich ist. Auch das sind alles Dinge, die absolut passieren können, wenn es einem nicht gut geht. Dann brauche ich aber als lesende Person mehr Tiefe und eine emotionale Bindung um begreifen zu können, warum eine Figur "unlogisch" und "unfair" handelt. Alles nur auf die Umstände zu schieben ist zu leicht und mir zu wenig. Man hätte hier an so vielen Stellen viel deutlicher herausarbeiten können was teilweise alles schief läuft, sei es im Gesundheitssystem, im Internet oder aber auch im privaten Umfeld.
Neben der Hauptfigur hat mich die Handlung leider auch nicht abholen können. Ich habe das Gefühl, dass sich die Situationen sehr ähneln und sich nur in ihrer Extremität steigern, wobei mich das auch nicht geschockt hat, weil ich wie oben beschreiben keinerlei Bindung zu der Protagonistin habe und vieles vorhersehbar war. Es gab für mich beim Lesen keine Spannung wo ihre Grenzen liegen, kein Mitfiebern im Sinne einer Sucht weil die Aufrufe und Spenden steigen, keine Angst was passieren wird. All das hat mir gefehlt und ich glaube all das hätte ich eher fühlen und miterleben können, wenn das Buch mehr Tiefe gehabt hätte.
Auch das Ende hat für mich nichts mehr geändert an dem wie ich empfunden habe, wenn überhaupt hat es mich noch weiter von der Hauptfigur entfernt.
Ich glaube, dass wenn man sich auf die Protagonistin einlassen kann, das Buch dann mehr für einen bereit halten kann, dass man mehr aus der Geschichte mitnehmen kann, weil dann die Geschehnisse mehr einschlagen können und mehr aufwühlen. Da mir das hier leider nicht möglich war, ist dieses Werk leider nichts für mich gewesen und lässt mich enttäuscht zurück.