Der letzte Satz

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Gustav Mahler auf seiner letzten Reise - das ergreifende Porträt des Ausnahmekünstlers. Nach "Das Feld" und "Ein ganzes Leben" der neue Roman von Robert Seethaler.

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Produktdetails

Titel: Der letzte Satz
Autor/en: Robert Seethaler

ISBN: 3446267883
EAN: 9783446267886
Roman.
Hanser Berlin

17. August 2020 - gebunden - 125 Seiten

Beschreibung

Gustav Mahler auf seiner letzten Reise - das ergreifende Porträt des Ausnahmekünstlers. Nach "Das Feld" und "Ein ganzes Leben" der neue Roman von Robert Seethaler.

An Deck eines Schiffes auf dem Weg von New York nach Europa sitzt Gustav Mahler. Er ist berühmt, der größte Musiker der Welt, doch sein Körper schmerzt, hat immer schon geschmerzt. Während ihn der Schiffsjunge sanft, aber resolut umsorgt, denkt er zurück an die letzten Jahre, die Sommer in den Bergen, den Tod seiner Tochter Maria, die er manchmal noch zu sehen meint. An Anna, die andere Tochter, die gerade unten beim Frühstück sitzt, und an Alma, die Liebe seines Lebens, die ihn verrückt macht und die er längst verloren hat. Es ist seine letzte Reise.
"Der letzte Satz" ist das ergreifende Porträt eines Künstlers als müde gewordener Arbeiter, dem die Vergangenheit in Form glasklarer Momente der Schönheit und des Bedauerns entgegentritt.

Portrait

Robert Seethaler, geboren 1966 in Wien, ist ein vielfach ausgezeichneter Schriftsteller und Drehbuchautor. Seine Romane "Der Trafikant" (2012), "Ein ganzes Leben" (2014) und "Das Feld" (2018) wurden zu großen internationalen Publikumserfolgen. Robert Seethaler lebt in Wien und Berlin.

Leseprobe

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Pressestimmen

"Ein schönes, melancholisches, einfühlsames, kleines wunderschönes Herbstbuch." Elke Heidenreich, WDR4, 04.10.20

"Bis zum letzten Satz ein fantastisches Buch." Harald Welzer, Die Tageszeitung, 08.09.20

"Für mich ist das eine feine, kleine Poetikvorlesung von Robert Seethaler über die Art und Weise wie er schreibt. Schon die Schmalheit des Buches ist die Bescheidenheitsgeste Es ist ein Buch, das innerhalb des Werkes von Robert Seethaler ganz schlüssig ist, in der Art und Weise, wie er Figuren erzählt." Insa Wilke, SWR2 lesenswert Quartett, 22.09.20

"Es geht mal wieder um alles Wie habe ich gelebt? Was habe ich verpasst? Kein Buch über das Scheitern, sondern über das was bleibt!" Dörte Hansen, Literarisches Quartett, 28.08.20

"Eine berührende Biografie über den Menschen hinter dem Weltstar, der einem in der für Seethaler typischen, lakonisch, knappen Erzählweise auf seiner letzten Reise ganz nah kommt." Terry Albrecht, WDR5 Bücher, 14.08.20

"Es ist faszinierend, wie dicht, wie intensiv Robert Seethaler vom Leben Mahlers zu erzählen weiß. Als würde man neben ihm sitzen und ihn erzählen hören." Christine Westermann, WDR2, 23.08.20

"Sehr stimmungsvoll Eine kleine, gelungene Romanstudie über die Schönheit der Kunst und die Vergänglichkeit unseres Lebens." Mario Scalla, HR2 Kultur, 17.08.20

"Elegisch, poetisch und dabei ganz und gar unsentimental. Ein Geschenk von Lektüre." Barbara Weitzel, Welt am Sonntag, 16.08.20

"Ein meisterliches Stück über den Musiker Gustav Mahler. sprachlich und atmosphärisch hervorragend komponiert.." Luzia Stettler, SRF, 04.08.20

"Es ist die große Kunst der Verdichtung, die Robert Seethaler wie kaum ein anderer Schriftsteller beherrscht und die diesen schmalen Roman zu einem wundervollen Meisterstück des Abschieds macht." Annemarie Stoltenberg, NDR, 04.08.20

"Seine Sprache ist besonders. Mit schnörkellosen Sätzen schält Seethaler alles Beiwerk ab, bis der Kern offenliegt. Das, was vom Leben eben so übrig bleibt, wenn man mit Abstand draufguckt." Elisa von Hof, Spiegel Online, 31.07.20

"Gustav Mahlers existentielle Situation erfasst der schmale Roman mit der für Seethaler eigentümlichen Prägnanz, Kürze und Kunst der Verdichtung." Alexander Kosenina, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.08.20

"Robert Seethaler beschreibt das große Kunststück, das einem das Leben abverlangt: Man lebt nach vorn, die Gegenwart erscheint oft peinigend und die Zukunft düster. In der Rückschau aber begreift man überrascht, wieviele schöne Momente es doch auch hatte. Und man beginnt zu bedauern, sie nicht intensiver gelebt zu haben. Zu trauern über sich selbst. Christine Westermann und Andreas Wallentin, WDR5 Bücher, 11.07.20

"Der neue Roman erweitert die letzten beiden Erfolgsbücher von Seethaler, 'Ein ganzes Leben' und 'Das Feld', zu einer Trilogie des Triumphs der Literatur über den Tod ... Ein sicherer Bestseller. Und einer von denen, derer man sich wahrlich literarisch nicht schämen muss." Andreas Platthaus, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.07.20

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 11.07.2020

Von Lust und List beim Erzählen

Herbst-Auslese: Kurze Bücher verheißen diesmal die längste Freude.

Von Andreas Platthaus

Was wird bleiben vom kommenden Bücherherbst? Normalerweise wäre das einzige Kriterium zur Beantwortung dieser Frage ein Vorab-Blick in die interessantesten Bücher der Saison - um Vorfreude zu wecken auf deren Lektüre. Diesmal aber kann man schon ziemlich sicher sagen, dass wir uns eher an die Frankfurter Buchmesse erinnern werden als an einzelne Bücher. Und zwar egal, ob sie nun wirklich durchgeführt werden wird oder nicht. Entfällt sie doch noch - und immer mehr spricht dafür: die weltweite Entwicklung der Corona-Pandemie, die Verschiebung des eigentlichen Gastland-Auftritts von Kanada aufs kommende Jahr oder die wachsende Zahl von Verlagsverzichtserklärungen auf Messeteilnahme, selbst von in Frankfurt angesiedelten Häusern wie etwa Schöffling -, wird die Peinlichkeit des Versuchs der Durchführung in Erinnerung bleiben; findet sie aber statt, wird es die Peinlichkeit der tatsächlichen Durchführung sein, die nichts mit dem zu tun haben kann, wofür man die Buchmesse bislang geschätzt hat. Dafür mit Einlasszählungen, Abstandsmessungen, Temperaturkontrollen und Mundschutzjustierungen. Zeit, um das zu beachten, um was es gehen sollte, die Bücher, wird da kaum bleiben.

So gesehen darf man es günstig nennen, dass einige der vielversprechendsten Bücher aus den Herbstprogrammen der Verlage kurz geraten sind - so kurz, dass ihre Lektüre jeweils nicht mehr als ein paar Stunden erfordert. Natürlich ist keines von ihnen auf die aktuelle Situation hin geschrieben worden, aber man kann sich vorstellen, dass die Verlage diese Lust ihrer Autoren zur Kürze nachträglich gern gesehen haben. Entgegen anfänglichen Erwartungen sind ja nicht dicke Klassiker der Weltliteratur zu Corona-Gewinnlern geworden - außer Kinder- und Jugendbüchern, mit deren Erwerb die Eltern für Beschäftigung ihres ans Haus gebundenen Nachwuchses sorgen wollten, gab es dem Vernehmen nach überhaupt keine Gewinner auf dem Buchmarkt. Die Branche darbt, und da verspricht kurze Belletristik schon deshalb mehr Abhilfe als dicke Wälzer, weil man für eine Neuerscheinung von nur 128 Seiten Umfang problemlos einen Preis von neunzehn Euro verlangen kann, für ein sechsmal längeres, nämlich achthundert Seiten bietendes Buch wie Flauberts "Lehrjahre der Männlichkeit" (so wird dessen Roman "L'Éducation sentimentale" in der am 21. September bei Hanser erscheinenden Neuübersetzung von Elisabeth Edl heißen) aber nicht sechsmal so viel, sondern nur das Doppelte, nämlich 38 Euro. Und das ist gar nicht einmal schlecht, wenn man bedenkt, dass Ulrike Draesners "Schwitters" (Penguin, 24. August) mit seinen immerhin fast fünfhundert Seiten nur 25 Euro kosten soll. Dabei ist dieses Buch mit dem eben genannten 128-Seiten-Werk thematisch eng verwandt: Beides sind nämlich virtuos erzählte Romane über berühmte Künstler.

Dem dünnen liest man das im Gegensatz zu "Schwitters" nicht sogleich am Titel ab. Es heißt "Der letzte Satz", und das verrät noch nicht, dass es darin um Gustav Mahler geht. Hier ist aber ohnehin der Verfasser werbewirksamer als das Sujet. Es handelt sich um den neuen Roman von Robert Seethaler, also einen garantierten Bestseller. Er kommt Anfang August bei Hanser Berlin heraus und erweitert die letzten beiden Erfolgsbücher von Seethaler, "Ein ganzes Leben" und "Das Feld", zu einer Trilogie des Triumphs der Literatur über den Tod. Nur dass diesmal keine fiktionalen Figuren im Mittelpunkt stehen, sondern mit Mahler eine der schillerndsten Künstlerpersönlichkeiten überhaupt - im maßlosen Anspruch seines Komponierens und im haltlosen Debakel seiner Ehe. Seethaler lässt uns Mahlers innerem Zwiespalt auf dessen letzter Überfahrt von Amerika nach Europa lauschen, im Frühjahr 1911, kurz vor dem Herztod im Alter von nur fünfzig Jahren. Das Wissen um dieses Ende prägt die Lektüre von Beginn an. Und wir beobachten Mahler mit den Augen eines Schiffsjungen, dem dann der letzte Satz des Buchs gehören wird: "Denn es war Zeit zu gehen." Das bezieht sich auf ihn selbst als Lebenden ebenso sehr wie auf Mahler als dann bereits Verstorbenen.

Wie gesagt: ein sicherer Bestseller. Und einer von denen, derer man sich wahrlich literarisch nicht schämen muss. Seethalers Erzählton hat eine unverwechselbare Knappheit erreicht, die nun in seinem bei weitem kürzesten Buch kulminiert - den Schöpfer der gewaltigsten Symphonien der Musikgeschichte in einem derart konzentrierten Buch zu würdigen, ist eine bestechende Idee. Aber das literarische Können, das Seethaler 2014 damit bewiesen hat, "ein ganzes Leben" eines nur scheinbar kleinen Mannes in weniger als zweihundert Seiten vollumfänglich vorzustellen (wie im gleichnamigen Buch geschehen), war denn doch ein größeres als jetzt beim Versuch, das Schicksal eines zweifellos Großen auf "den letzten Satz" zu komprimieren. Denn wer nichts über Mahler weiß, der wird das Buch nicht recht genießen, und wer viel über Mahler weiß, der wird manches vermissen.

Nichts vermisst man dagegen in einem noch kürzeren Roman des gleichen Verlags über ein ganzes Leben, in "Rose Royal" des französischen Schriftstellers Nicolas Mathieu (vom 20. Juli an erhältlich). Auf weniger als hundert Seiten wird das Porträt einer fünfzigjährigen Frau namens Rose geboten, die sich noch einmal verliebt. Das endet tragisch, doch wie es beginnt - in einer Bar im lothringischen Nancy, dem "Royal" -, das ist von einer solchen szenischen und psychologischen Meisterschaft, dass man sich wünscht, Mathieu hätte schon nach dreißig Seiten innegehalten und es damit bei einer der schönsten Kurzgeschichten der Weltliteratur belassen. Nicht, dass die noch folgenden beiden Teile seines Buchs enttäuschten, aber sie können das Glück der Lektüre dieses Beginns nicht erhalten. Am Schluss, mit dem Tschechow wieder einmal literarisch recht gegeben wird, bleibt der Eindruck eines allzu perfekt konstruierten Romans. Aber auch die Erinnerung an einen Zauber, der weiß Gott nicht jedem Anfang eines Buches innewohnt (das berühmte Hesse-Zitat findet sich in der deutschen Übersetzung von "Rose Royal"). Über der wiederholten Lektüre dieses Auftakts dürfte noch manche halbe Stunde zum süßen Zeitvertreib werden.

Zeitvertreib"? Ein zentrales Motiv in einem weiteren schmalen Roman: "Mehr fiel ihm zum Menschenleben nicht ein", heißt es von einem der beiden Protagonisten in dem Roman "Die Dame mit der bemalten Hand" von Christine Wunnicke (Berenberg, 25. August). Diese Autorin hat noch nie ausschweifend erzählt, die 166 Seiten ihres neuen, vierten Buchs sind sogar bisheriger Höchstwert. Wieder einmal geht es gen Orient, diesmal aber nach Indien statt nach Japan wie in "Nagasaki, ca. 1642" oder "Der Fuchs und Dr. Shimamura", und noch etwas weiter in die Vergangenheit als in "Katie", Wunnickes Roman übers viktorianische England, nämlich in die Mitte des achtzehnten Jahrhunderts. Als Anregung dienten ihr die Reisebeschreibungen des deutschen Mathematikers Carsten Niebuhr.

Wir begegnen ihm als einzigem Überlebenden einer vom dänischen König finanzierten Forschungsexpedition auf der nahe Bombay gelegenen Insel Elephanta, und aufgespürt wird er dort von dem zufällig anwesenden persischen Kaufmann Musa al-Lahuri, der den Deutschen mindestens so seltsam findet wie der ihn. Gegenseitige Irritation der sich im Zuge des Zeitalters der Entdeckungen begegnenden Kulturen hat spätestens seit Daniel Kehlmanns "Vermessung der Welt" Tradition in der deutschsprachigen Literatur, und erst vor vier Jahren hat Christoph Ransmayr mit "Cox" einen dem Buch Wunnickes sehr verwandten Roman geschrieben. Aber was "Die Dame mit der bemalten Hand" (der Titel grenzt an verlegerischen Etikettenschwindel, denn diese Titelfigur taucht erst am Schluss auf) auszeichnet, ist der immense Witz, mit dem Wunnicke die Sprachverwirrung zwischen Abend- und Morgenländer lesbar macht: Obwohl sowohl Niebuhr als auch Musa polyglott sind, befremden sie sich aufs Schönste beim Versuch, einander zu verstehen. Dieses Buch ist deshalb vor allem ein Vorlesekunstwerk, und man darf es einen Jammer nennen, dass die introvertierte Schriftstellerin Christine Wunnicke öffentliche Auftritte scheut. Wie gerne hörte man sie diesen Roman lesen.

Ganz anders, nämlich extrovertiert, ja geradezu explosiv, ist Philipp Winklers 125 Seiten kurzer "Carnival" erzählt, scheinbar eine Gelegenheitsarbeit, abgeliefert für ein Quartett kleiner Bücher von prominenten Hausautoren, die sich der Aufbau-Verlag zu seinem diesjährigen Jubiläum selbst geschenkt hat (alle erscheinen am 18. August, zwei Tage nach dem siebzigsten Geburtstag des Hauses). Winkler hat seinen Beitrag eigens geschrieben, und diese erste größere Arbeit nach seinem sensationellen Debütroman "Hool" von 2016 setzt dessen Intensität fort, mit der die brutale Welt der Fan-Gewalt rund um den Fußball dargestellt wurde. Nur dass die Exzesse nun in "Carnival" nicht toxischer Männlichkeit gelten, sondern Resultat sind des letzten Aufbäumens einer absterbenden Kultur: des Schaustellerwesens.

Winkler konnte nicht ahnen, dass seine meisterhaft dem Geräuschgebrodel einer Kirmes abgelauschte Prosastimme heute, nach den Monaten des erzwungenen Stillstands auf Jahrmärkten und in Vergnügungsparks, wie ein Requiem auf diese ganze Branche klingen muss, auch wenn sein Wir-Erzähler keinen Zweifel daran lässt, dass er und seine Freunde vom fahrenden Volk sich bereits als Todgeweihte sehen. Doch in der Rückschau auf einen Alltag, der von den Beteiligten verlangt, ihn für die Besucher ihres Jahrmarkts als ein dauerndes Fest zu inszenieren, wird eine überschäumende Lust und List beim Erzählen deutlich, wie sie in der deutschen Literatur lange nicht mehr präsent waren. Als hätte Winkler drei große Vorbilder gehabt: Goethes Erlebnisbericht "Römisches Carneval" wegen dessen phänomenologischen Interesses, Arno Schmidts Erzählung "Sommermeteor" aufgrund ihrer atmosphärischen Beschreibungskunst und Michail Bachtins Studien zum Zusammenhang von Literatur und Karneval, deren Analysen von Winkler hier wieder in eine Prosa-Synthese überführt werden.

Den umgekehrten Weg, nämlich einen analytischen im Erzählen, geht dagegen die unbekannteste und überraschendste Erzählerin unter den Verfassern der großen kleinen Bücher dieses Herbstes: die russische Schriftstellerin Polina Barskova. Deren Prosaband "Lebende Bilder" (Suhrkamp, 21. Oktober) stellt mit 180 Seiten zwar das umfangreichste Werk in dieser Herbst-Auslese dar, bietet aber doch die knappsten Texte, da er insgesamt elf Prosastücke enthält. Alle haben als Fokus St. Petersburg, unter dem zeitweiligen Namen Leningrad sowohl Heimatstadt der 1976 geborenen Autorin als auch Gegenstand ihrer literaturwissenschaftlichen Forschung, die sich mit den dort ansässigen Schriftstellern zur Zeit der Blockade der Stadt durch die deutsche Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg befasst. Diese historische Ausnahmesituation ist auch der Ausgangspunkt für Barskovas fiktionales Schreiben: In der kurzen Titelgeschichte versichern sich zwei junge ineinander verliebte Museumsangestellte in der Eremitage ihres Überlebens trotz ständigen Beschusses und Hungerns durch die gegenseitige Heraufbeschwörung ihnen vertrauter Gedichte und Gemälde. In einer anderen Geschichte des Buchs, "Laubriss", dem bislang einzigen auf Deutsch publizierten Text von Barskova (2017 in fulminanter Übersetzung von Olga Radetzkaja, die jetzt auch für den ganzen Prosaband verantwortlich zeichnet, in der von Julia Kissina herausgegebenen Anthologie "Revolution Noir" erschienen), stehen zwei fiktive Schriftsteller aus dem Leningrad der frühen Belagerungsphase im Mittelpunkt, die so gegensätzliche Namen wie Bianchi und Schwarz tragen und jeweils für eine andere Form des literarischen Widerstands nicht nur gegen die deutschen Invasoren, sondern auch gegen den sowjetischen Totalitarismus stehen. Barskova gelingt ein Spagat zwischen Allegorie und Konkretion, der zum Herausforderndsten gehört, was man derzeit lesen kann. Und zum Anregendsten.

In der Erzählung "Lebende Bilder" erweisen sich die Dialoge der beiden Liebenden am Ende als Zitate realer Schriftsteller aus der Blockadezeit, die diese nicht überlebt haben - erst entriss Barskova sie als Literaturwissenschaftlerin dem Vergessen, nun selbst auch als Schriftstellerin. In "Laubriss" charakterisiert sie ihre beiden Protagonisten so: "Was Schwarz an der Blockade interessierte, waren die Menschen, vorzugsweise die Statisten (die Hauptdarsteller hatten sich mehrheitlich noch in der warmen Jahreszeit ostwärts verflüchtigt): Kinder, alte Frauen, Hausmeister, glücklose Verwalter und Spione, fast keiner von ihnen sollte den nächsten Frühling erleben. Bianchi aber, den das Wort ,Dichtkunst' von Kindheit an reizt, interessiert sich für Metaphern - sprich: hybride Monster -, in denen Vögel und Fische mit Flugzeugen zusammenwachsen und Glühwürmchen mit Phosphorabzeichen im Dunkeln: Als was maskieren sich die Bruchstücke des Blockadedaseins, welche Gestalt nehmen sie an?"

Diese imaginierten Chimären aus Natur und Krieg werden ein längeres Leben haben als die von Schwarz in seinen Texten festgehaltenen Menschen, und dass auch Bianchi Schwarz überleben wird, zeigt schon der Tempuswechsel mitten in der zitierten Passage. "Laubriss" ist keine zwanzig Seiten lang, enthält aber alles, was Literatur ausmacht. Das ist noch viel mehr als Zeitvertreib, und Wunnickes Niebuhr könnte hieraus lernen, dass es im Leben durchaus darüber hinausgehen kann. Wenn solche Bücher nicht länger als diesen Herbst lang Wirkung täten, wäre der Literaturbetrieb kränker, als ihn ein Virus jemals machen könnte.

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Bewertungen unserer Kunden
Abschiedsreise
von Martin Schult - 17.10.2020
Gustav Mahler war ein österreichischer Komponist und zum Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts einer der bedeutendsten Dirigenten und zugleich Reformer des Musiktheaters. Der Autor Robert Seethaler gibt dem Leser die Möglichkeit Mahler auf seiner letzten Reise von New York nach Europa zu begleiten und mit ihm sein Leben Revue passieren zu lassen. Aufgrund einer schweren Krankheit leidet Mahler unter Schmerzen und er hat seine Lebenslust bereits verloren. Er erinnert sich einsam an Deck des Schiffes an die prägenden Momente seines Lebens, und davon gab es sowohl gute als auch tragische. Positiv hat er natürlich seine Erfolge und Triumphe in der Musik vor Augen und die ersten Begegnungen mit seiner Frau Alma. Seine Ehe verläuft aber nach dem tragischen Verlust seiner Tochter Maria alles andere als erwünscht und trägt zur Melancholie des Komponisten bei. Der Autor Robert Seethaler erzählt die Geschichte in einem gefühlvollen und gut zu lesenden Schreibstil, bei dem jedes Wort wohlgewählt wirkt und er so sehr würdevoll das große Talent der Musik würdigt. Das Ganze wirkt aufgrund der düsteren Stimmung sehr schwer und ist als Unterhaltungsroman sicherlich ungeeignet, wirft aber einen sehr interessanten und informativen Blick auf des Werk Mahlers. Die Fakten zu seinem Leben wirken sehr gut recherchiert. Insgesamt ist Der letzte Satz aus meiner Sicht ein sehr ruhiger und emotionaler Rückblick auf das Leben des prägenden Musikers Gustav Mahler. Gerade das Erzähltalent des Autors und das nachhaltige Wirken des Hauptprotagonisten machen den Roman aus. Ich empfehle das Buch daher gerne weiter und bewerte es mit guten vier von fünf Sternen.
Der alte Mann und das Meer
von Kristine Halfmann - 14.10.2020
Das Buch habe ich gelesen, weil ich bisher alle Seethaler-Bücher gelesen habe und seine minimale Sprache und die STimmung seiner Bücher sehr mag. Dieses lakonisch-melancholische weit weg von unserer Zeit. Diese kleine Bändchen, die doch so viel Literatur sind. Also diesmal Gustav Mahler auf seiner Reise. So richtig viel mit bekommt man nicht von Mahler mit, ja er war ein erfolgreicher Dirigent und Komponist und war mit Alma Mahler verheiratet. Vielleicht braucht es auch nicht mehr. Nun sitzt er am Lebensende auf dem Meer und lässt sein Leben vorbeiziehen. Seethaler erzählt die Geschichte des Lebens von Gustav Mahler, aber er hätte jeder andere sein können für mich hat nur die Erzählweise gezählt. Gustav Mahler ist mir nicht näher gekommen und sympathisch war er mir auch nicht.
Zu Unterhaltungszwecken - nur mittelmäßig geeignet
von karinasophie - 11.10.2020
[Der letzte Satz[ von Robert Seethaler beschäftigt sich mit Gustav Mahlers letzter Reise - dies sei vorweg gesagt. Ich habe diesen Roman ohne große Ahnung von der Person Gustav Mahler zu haben, aus Unterhaltungszwecken gelesen. Da ich diesen Roman aus Unterhaltungszwecken gelesen habe und ziemlich blauäugig an das Buch gegangen bin, hat es mich leider nicht so gepackt, wie es wohl Gustav Mahler interessierte Leute packen wird. Die Geschichte rund um seine Familie fand ich, leider, nicht sehr packend, und ich muss ehrlich gestehen, dass ich rein aus dem Roman her Herrn Mahler eher als unsympathisch empfunden habe. Am besten hat mir ehrlich gesagt, der Schiffsjunge gefallen, welcher immer mal wieder in der Geschichte auftaucht. Der Schreibstil von Herrn Seethaler hat mir hingegen gut gefallen. Er ist schön flüssig und hat eine gute Balance - (hierbei habe ich die wirreren Stellen von den späteren Fieberwahn von Herrn Mahler im Kopf) Mein Fazit: Für Mahler interessierte vermutlich eine schöne kleine Lektüre, rein zur Unterhaltung eher weniger geeignet.
Wunderschön!
von Bookwood - 11.10.2020
Ich kann eigentlich nicht wirklich mit Worten beschreiben, warum mich die Bücher von Robert Seethaler so in ihren Bann ziehen. Bei seinem Werk "Der Trafikant" ist es mir schon so gegangen und auch sein neuer Roman "Der letzte Satz" hat mich wieder unheimlich fasziniert. Dabei sucht sich Seethaler ja niemals leichte Themen aus. In "Der letzte Satz" geht es um die letzten Tage des berühmten Komponisten Gustav Maler, der, bereits todkrank, Szenen seines Lebens auf einer Schiffspassage nach New York an sich vorüberziehen lässt. Er erinnert sich an die glückliche Zeit, in der er die viel jüngere Alma kennenlernte und muss sich eingestehen, dass sie ihn jetzt nur wegen seiner Krankheit nicht verlässt, um sich einem anderen Mann zuzuwenden. Auch belastet ihn der Tod seiner ältesten Tochter Maria, die als Kind an Diphtherie starb. Obwohl das Buch mit seinen 126 Seiten relativ kurz ist, erzählt es auf diesen Seiten so viel, als es manch ein Autor nicht auf 600 Seiten vermag. Ich liebe diese Schreibweise, die so viel Sensibilität besitzt, dass man tatsächlich glaubt, ins Innerste der Protagonisten zu schauen. Es ist einfach ein Ereignis, das Buch ohne Unterbrechung lesen zu können. Für mich ein ganz großes Stück Literatur! Die Umschlaggestaltung ist auch wieder nur perfekt: schlicht und fokussiert auf das Wesentliche. Bitte einfach mehr davon lieber Robert Seethaler.
Die letzte Reise
von Tintenherz - 03.10.2020
Das Cover ist passend mit dem einsamen Mann an der Reling eines Schiffes gestaltet. Der Text ist leicht verständlich und flüssig zu lesen. Gustav Mahler, der größte Musiker der Welt, begibt sich auf seine letzte Schiffsreise von New York nach Europa, An Deck sinniert der schwer herzkranke Dirigent über sein bisheriges Leben. Ein Schiffsjunge kümmert sich um sein Wohl und wird ganz heimlich zu einem Hauptprotagonisten des schmalen Romans auserkoren. Das Buch ist sehr minimalistisch aufgestellt und die Musik des Schöpfers der gewaltigsten Symphonien steht hier nicht im Vordergrund. Es ist das zurückliegende Leben der Privatperson Gustav Mahler, das dieses Buch beherrscht und den Leser an die Geschichte fesselt. Fazit: Ein bewegender Roman über eine große Persönlichkeit!
Poetisches, melancholisches Kleinod
von Bineira - 30.09.2020
Der berühmte Musiker Gustav Mahler befindet sich im Jahr 1911 mit seiner Frau Alma und der kleinen Tochter Anna auf einer Schiffsreise von New York nach Europa. Er ist erst 50 Jahre alt, aber schwerkrank und weiß, dass er nicht mehr lange zu leben hat. Deshalb hat er sein Engagement bei den New Yorker Philharmonikern vorzeitig beendet, um nach Wien zurückzukehren. Auf dieser Reise denkt er über sein Leben nach, und wichtige Episoden daraus ziehen an seinem inneren Auge vorbei. Dies ist mein erstes Buch von Robert Seethaler, und ich habe mich schnell in seine ganz besondere Sprachmelodie verliebt. Für mich war es beim Lesen der Geschichte, als hörte ich ein komplexes Musikstück. Ich konnte die wehmütige Grundstimmung in Moll, aber auch die schrillen Dissonanzen und die kleinen munteren Zwischenspiele regelrecht fühlen. Dass der Roman nur kurze Schlaglichter auf Mahlers Leben wirft, empfinde ich nicht als Nachteil. Es ist nunmal keine Biografie, sondern ein Kunstwerk. Für mich ein sehr gelungenes.
Was noch bleibt sind Erinnerungen
von Sikal - 27.09.2020
Der Autor Robert Seethaler nimmt uns hier mit auf Gustav Mahlers letzte Reise, die ihn von New York wieder zurück nach Europa führt. Es ist kein biografischer Roman sondern eher ein Einblick in die Gedankenwelt des Musikers. Mahler erinnert sich an so manche Anekdote, er denkt an die Liebe (vor allem an Alma), an die Musik an das Erklingen der Noten, immer wieder fließt ein wenig Zeitgeschehen ein - aber nicht zu viel, dafür wäre in dem schmalen Büchlein auch nicht genügend Platz. Während Mahler seine letzten Tage an Deck verbringt, seinen geschwächten Körper nur mehr mit Mühen bewegen kann, strömen die Gedanken durch ihn durch wie das Schiff durchs Wasser. Robert Seethaler schafft es mit einer einzigartigen Sprache, dem Buch die nötigen Emotionen und die nötige Tiefe zu geben, um den Menschen Gustav Mahler zu begleiten. Obwohl Mahler um sein nahes Ende weiß, versinkt er nicht in Trübsinnigkeit sondern lässt viele angenehme Passagen seines Lebens Revue passieren. Wie man einen letzten Satz, eine letzte Note genießen kann, so kann man auch dieses Buch bis zum Schluss genießen. Und wenn die letzte Seite verklungen ist, hallt diese noch nach und man möchte sofort nochmal von vorne beginnen. Ein wunderbarer Roman, dem ich gerne 5 Sterne gebe und eine Leseempfehlung.
Nicht ganz so bedeutend, wie erwartet
von lesebiene - 26.09.2020
Meine Meinung: Normalerweise bin ich ein sehr großer Fan von Robert Seethalers Büchern, er zählt sogar zu einem meiner liebsten Autoren in meinem Bücherregal. Auch dieses Mal begeisterte er mich wieder durch seinen großartigen und galanten Schreibstil, der etwas sehr sanftes, ruhiges und dennoch aussagekräftiges beinhaltet, sodass man sich wirklich fernab von der realen Welt befindet, wenn man seine Romane liest. Dennoch muss ich leider sagen, dass diesem Buch ein wenig die dünne Seitenanzahl zum Verhängnis wurde, denn für mich blieb die Figur des Gustav Mahlers ein wenig zu blass, wenig kreativ ausgearbeitet und leider weniger emotional, als ich es erwartet hatte. Trotzdem ist dieses Buch immer noch ein höchst solides, herausragend geschriebenes Buch, das eben einfach nicht so monumental bedeutend war, wie ich es von Robert Seethaler normalerweise kenne!
Interessant, aber doch sehr kurz
von Fornika - 26.09.2020
Eine letzte Reise tritt der große Komponist Gustav Mahler mit Frau und Kind an; entkräftet verbringt er seine Zeit auf dem Deck des Ozeandampfers und lässt sein Leben Revue passieren, voller Wehmut und Bitterkeit, aber auch mit großen frohen Momenten. Szenenhaft erinnert Mahler wenige einschneidende Erlebnisse, bewertet seine Ehe neu, trauert um seine verstorbene Tochter Maria. Man fühlt hier ebenso mit wie man in Mahlers Musik aufgehen kann, der er ein Großteil seines Lebens gewidmet hat. Auch durch die Kürze des Romans erfährt man weniger über den Künstler als erwartet, vieles wird nur oberflächlich gestreift. Dieser Eindruck verstärkt sich durch den sachlich knappen Stil, der mir wohl einfach nicht wirklich liegt. "Der letzte Satz" ist schnell gelesen, inhaltlich blieb bei mir aber nicht wirklich viel hängen. Schade.
Ein letzter Blick
von Batyr - 22.09.2020
Ein letzter Blick Ein neuer Seethaler, diesmal nicht mit der Hauptfigur eines scheinbar bedeutungslosen Menschen wie etwa der Trafikant oder Andreas Eggers, sondern mit einer realen Persönlichkeit der vorletzten Jahrhundertwende. Der Autor begleitet den sterbenskranken Gustav Mahler auf seiner letzten Seereise auf dem Rückweg von New York. Der uralte Topos des vita navigatio kommt zur Anwendung, denn die Tage auf See lassen die Biographie des Musik-Titanen Revue passieren. Es wird deutlich, dass Siege und Niederlagen sich durchaus die Waage halten: anerkannt, respektiert, bewundert als genialer Komponist und Dirigent, aber lange Zeit angefeindet wegen seiner jüdischen Herkunft, gefangen in seiner Verfallenheit an seine Ehefrau Alma, die sich bereits zu seinen Lebzeiten von ihm abwendet, von schwächlichster physischer Konstitution, die er durch seine übermenschliche Willenskraft zu kompensieren weiß. Die einzelnen Aspekte dieses Lebens kommen in Seethalers Roman jedoch höchst unterschiedlich zum Tragen. Während Almas dämonische Natur, in der Realität jedem Kenner der Biographie vertraut, hier nur sehr abgeschwächt, blass repräsentiert wird, sind die Darstellungen von Mahlers Schaffensrausch, die eigentümliche Umsetzung von Naturerleben in Musik, von betörender sprachlicher Intensität. Seethaler verdeutlicht die Befindlichkeit des Komponisten durch eine Vielzahl von Symbolen. Ein altes Dirigierpult, ein Wanderstock, die fliegenden Fische, der fiktive weiße Vogel, der auf Mahlers Sterben hinweist - die Darstellung, die Beschreibung ist zumeist von bestechender Genauigkeit. Ein weiterer Kunstgriff, der nur überzeugend genannt werden kann, ist die Gegenüberstellung des zutiefst reflektierten Musikers mit dem allein seiner spontanen Menschlichkeit verpflichteten Schiffsjungen: anders als die übrige Umwelt, die im Umgang mit Mahler von den eigenen Ansprüchen nicht Abstand nehmen wollen, ist der Junge in der Lange, dem Kranken vollkommen offen gegenüberzutreten, sich wirklich auf ihn und seine Bedürfnisse einzulassen. Durch den Schluss des Romans wird deutlich, dass diese Begegnung auf den jungen Seemann einen tiefen Eindruck hinterlassen hat.
Die letzte Fahrt
von Nathalie - 18.09.2020
Gustav Mahler ist ein gefeierter und sehr bekannter Dirigent des letzen Jahrhunderts. Als ehemaliger Direktor der Wiener Oper und nun Dirigent in New York, hat er schon so einige Orchester in den Wahnsinn und auf Vordermann gebracht. Nach ihm kann man Musik nicht beschreiben, da es für sie keine Wörter gibt und man sie hören muss, um sie zu verstehen. Dennoch, Mahlers Leben war nicht immer einfach. 13 Kinder, von denen er die meisten überlebt hat, oft von Krankheiten geplagt und dann ein Drama in der Familie als seine kleine Tochter gestorben ist. Das Buch spielt auf einer Überfahrt von New York zurück nach Europa. Mahler, krank und sterbend sitzt auf dem Deck des Schiffes und erinnert sich an einzelne Momente aus seinem Leben zurück, eine Rückblende. Der Schreibstil des Autors fand ich eigentlich ganz gut, doch fand ich die Gedanken und Zeitsprünge manchmal sehr verwirrend, weshalb ich manchmal das Gefühl hatte die halbe Geschichte zu verpassen bzw. unaufmerksam gewesen zu sein. Was ich hingegen sehr schön fand, waren die Bilder während des Lesens. Es wurde alles sehr genau beschrieben und man hat einen guten Eindruck von Gustav Mahler bekommen. Ebenso fand ich es spannend, wie viel man auch so wenig Seiten erzählen kann, das war wirklich gut! Für mich war dies eine gute Geschichte, an der mir leider nur das gewisse etwas gefehlt hat. Denn mit dem Klappentext hatte ich mir mehr versprochen und war am Ende doch etwas enttäuscht, da ich mir mehr versprochen hatte.
Reflektionen
von Marakkaram - 11.09.2020
** Aber ich habe Glück. Dort draußen läuft ein Glück im Gras herum, und hier drinnen sitzt ein anderes mit mir am Tisch. Ich habe alles, was ich mir wünsche. Ich bin ein glücklicher Mann. ** Robert Seethaler zeichnet hier den privaten Menschen Gustav Mahler - krank, gebrechlich, mit emotionalen Schwächen und einer dysfunktionalen Beziehung. Den Komponisten und Dirigenten lernt man dabei leider nur sehr rudimentär kennen, um seine Beziehung zur Musik geht es selten.. Es beginnt mit Mahlers letzter Reise per Schiff nach Amerika und die rückblickenden Episoden aus seinem Leben scheinen willkürlich, zeitlich nicht immer klar einordbar und mal mehr, mal weniger interessant. Die Oberflächlichkeit wird bei Begegnungen mit Rodin oder Freud besonders deutlich. Es werden ein paar bekannte Charakterzüge Rodins herausgestellt, aber das war es dann auch eigentlich schon. Für mich eine überflüssige Episode, bei grade einmal 126 Seiten. Seethalers Sprache ist klar, ein wenig lakonisch und distanziert. Einen richtigen Zugang bekommt man selten, aber dann sind sie plötzlich da, diese kostbaren Sätze, die einen tief berühren und die fast schon magisch sind. Wahrscheinlich eine Stärke Seethalers. Der letzte Satz ist mein erstes Buch von ihm - Roman vermag ich es fast schon nicht zu nennen, Novelle oder Erzählung trifft es wohl eher - und er hat mich nicht ganz überzeugen können. Sein Protagonist ist ein Mann, der am Ende seines recht kurzen Lebens zurückschaut und reflektiert; leise, melancholisch und unaufgeregt. Ob man diesen Mann nun unbedingt Mahler nennen muss....er wirkt oftmals austauschbar und hätte Jedermann sein können. Ein lesenswertes kleines Büchlein, doch anhand der Leseprobe hatte ich mir mehr dieser magisch-poetischen Sätze versprochen.
Der Mann vom Sonnendeck
von schokoflocke - 07.09.2020
Gustav Mahler ist ein flackerndes Flämmchen im Sturm der eigenen Verzweiflung Für Gustav Mahler ist das die letzte Reise, sein von Krankheiten geplagter Körper wird immer schwächer, er macht sich keine Hoffnungen mehr. Er verbringt die Tage auf dem Sonnendeck des Schiffes, der ihm zurück nach Europa bringt und schwelgt in Erinnerungen. Es ist natürlich die Musik, die sein Leben bestimmt hat Er dachte an die Musik. In der Dunkelheit konnte er ihre Anwesenheit fühlen, als sei sie ein Lebenwesen, das atmete und dessen gewichtsloser Körper sich immer weiter ausdehnte, bis er das ganze Zimmer auszufüllen schien. Ein bedetender Komponist und berühmter Dirigent, auf seinem Gebiet war Mahler ein Genie. Und wie alle Genies war er mit alltäglichen Leben bisschen überfordet. Die Familie, neben der Musik das Wichtigste in seinem Leben, hat er leider nicht ganz so gut, wie seine Kompositionen gemeistert. Der letzte Satz ist ein zartes Porträt eines Ausnahmekünstlers. Da das Buch mit 126 Seiten sehr schmall ist, sollte man keine detalierte Geschichte erwarten. Die Eheprobleme sind nur angedeutet, der Konflikt ziemlich abgeschwächt dar gestellt. Es sind praktisch nur paar Eckdaten aus Mahlers Leben, die aber doch ein bestimmtes Gefühl über den Mann vermitteln_ er war kein einfacher Mensch. Ich muss zugeben, dass mich das Buch inhaltlich nicht gerade vom Hocker gehauen hat. Es ist die Sprache, die mich begeistern konnte. Wunderbare Sätze, gut gewählte Formulierungen - das bringt besondere Atmosphäre und Emotionen rein und macht das Lesen zum Genuss. Auch wenn ich nicht viel über Mahler erfahren habe, für mich war das Buch schon ein besonderer Leseerlebniss.
Annäherung an einen großen Künstler
von Anonym - 05.09.2020
Robert Seethaler ist ein sehr erfolgreicher Schriftsteller. Bisher hat er in seinen Büchern das Leben einfacher Menschen beschrieben, äußerst gelungen in " Ein ganzes Leben". In seinem neuesten Buch ( Roman wäre fast zu viel für diesen schmalen Band) steht ein berühmter Mann im Zentrum, Gustav Mahler, 1860 geboren, Komponist und der größte Dirigent seiner Zeit. Es ist im Februar 1911. Gustav Mahler sitzt in Wolldecken gewickelt auf dem Sonnendeck des Ozeandampfers " Amerika". Er ist auf der Heimreise von seinem zweiten Aufenthalt in den USA. Anstrengende Wochen voller Arbeit liegen hinter ihm. Mahler ist krank; ihn friert, er fühlt, dass es zu Ende geht. Ein Schiffsjunge kümmert sich fürsorglich um ihn, bringt ihm heißen Tee und Botschaften von seiner Frau Alma, die sich mit der sechsjährigen Tochter Anna unter Deck befindet. Ab und zu führen die beide kurze Gespräche über das Meer, das Wetter. Mahler sitzt hier und lässt sein Leben Revue passieren. Er erinnert sich an seine großen Erfolge, aber auch an Demütigungen und die dunklen Stunden im Leben. Er war schon immer in kränklicher Verfassung, litt zeitlebens an Migräne, Schlaflosigkeit und anderen Gebrechen. Trotzdem arbeitete er wie ein Besessener. Er war gefürchtet bei den Musikern, die er an ihre Grenzen brachte und darüber hinaus, " ein Höllenhund am Pult". Zehn Jahre lang war Mahler Direktor der Wiener Staatsoper, brach dort mit alten Konventionen und das Publikum war erst irritiert und dann begeistert. Allerdings gab es auch immer wieder antisemitische Diffamierungen. Zwei Amerika- Reisen folgten und Mahler feierte Triumphe an der MET und mit den New Yorker Philharmonikern. Aber nicht nur seine Gesundheit litt unter dem riesigen Arbeitspensum, sondern auch seine Ehe mit Alma. Wie glücklich war er , als er mit 42 Jahren die wesentlich jüngere Frau heiratete. Alma, Tochter aus gutem Hause, galt es die " schönste Frau Wiens". Doch bald merkt sie, dass die Musik immer die erste Stelle bei ihm einnimmt. Stehen keine Aufführungen an, zieht sich Mahler in seine Komponierhäuschen zurück. Dann folgt ein tragischer Schicksalsschlag. Die älteste Tochter Maria stirbt mit fünf Jahren an Diphterie. Das Paar entfremdet sich immer mehr. Und Mahler weiß, dass er seine Frau verloren hat. Durch einen irrtümlich an ihn adressierten Brief erfährt er von der Affäre seiner Frau mit Walter Gropius. Eifersucht und verletzter Stolz spricht aus ihm : " Dein Baumeister ist ein Idiot. Du bist die Geliebte eines Idioten." Alma bleibt bei ihm, aber Mahler macht sich darüber keine Illusionen. "Wahrscheinlich hatte seine Krankheit sie gehalten." "Sie würde bei ihm bleiben bis zum Schluss, das war mehr, als er erwarten durfte. Letztendlich war er derjenige, der ging." Wir erfahren noch von Mahler¿s Sitzung bei Rodin, der eine Büste von ihm machen soll; eine eher komische Szene. Und einen kleinen Auftritt hat Siegmund Freud, den Mahler in Leiden besucht und der ihm bei einem Spaziergang den Ratschlag "Arbeit und ein warmer Pullover" mit auf den Weg gibt. Das letzte Schlusskapitel gehört dem fiktiven Schiffsjungen, der später vom Tod des berühmten Künstlers in der Zeitung liest. Die Eckdaten aus Mahler¿s Leben bringt Seethaler in diesem kleinen Buch unter, auch trifft er gut das Wesen dieses schwierigen Künstlers. Allerdings fällt kaum ein Wort über Mahler¿s Musik. Die Erklärung dazu liefert der Autor im Text selbst. Auf die Frage des Schiffsjungen : " Was ist das für Musik, die Sie machen?" lässt er Mahler antworten: " Man kann über Musik nicht reden, es gibt keine Sprache dafür. Sobald Musik sich beschreiben lässt, ist sie schlecht." Robert Seethaler ist mit diesem Buch eine Annäherung an den großen Musiker Mahler gelungen. Er weckt des Lesers Interesse und macht Lust, Mahler zu hören. Ein Buch voller Melancholie und Atmosphäre, dicht und poetisch , das mich berührt hat und das ich gerne empfehle.
Annäherung an einen großen Künstler
von Anonym - 04.09.2020
Robert Seethaler ist ein sehr erfolgreicher Schriftsteller. Bisher hat er in seinen Büchern das Leben einfacher Menschen beschrieben, äußerst gelungen in " Ein ganzes Leben". In seinem neuesten Buch ( Roman wäre fast zu viel für diesen schmalen Band) steht ein berühmter Mann im Zentrum, Gustav Mahler, 1860 geboren, Komponist und der größte Dirigent seiner Zeit. Es ist im Februar 1911. Gustav Mahler sitzt in Wolldecken gewickelt auf dem Sonnendeck des Ozeandampfers " Amerika". Er ist auf der Heimreise von seinem zweiten Aufenthalt in den USA. Anstrengende Wochen voller Arbeit liegen hinter ihm. Mahler ist krank; ihn friert, er fühlt, dass es zu Ende geht. Ein Schiffsjunge kümmert sich fürsorglich um ihn, bringt ihm heißen Tee und Botschaften von seiner Frau Alma, die sich mit der sechsjährigen Tochter Anna unter Deck befindet. Ab und zu führen die beide kurze Gespräche über das Meer, das Wetter. Mahler sitzt hier und lässt sein Leben Revue passieren. Er erinnert sich an seine großen Erfolge, aber auch an Demütigungen und die dunklen Stunden im Leben. Er war schon immer in kränklicher Verfassung, litt zeitlebens an Migräne, Schlaflosigkeit und anderen Gebrechen. Trotzdem arbeitete er wie ein Besessener. Er war gefürchtet bei den Musikern, die er an ihre Grenzen brachte und darüber hinaus, " ein Höllenhund am Pult". Zehn Jahre lang war Mahler Direktor der Wiener Staatsoper, brach dort mit alten Konventionen und das Publikum war erst irritiert und dann begeistert. Allerdings gab es auch immer wieder antisemitische Diffamierungen. Zwei Amerika- Reisen folgten und Mahler feierte Triumphe an der MET und mit den New Yorker Philharmonikern. Aber nicht nur seine Gesundheit litt unter dem riesigen Arbeitspensum, sondern auch seine Ehe mit Alma. Wie glücklich war er , als er mit 42 Jahren die wesentlich jüngere Frau heiratete. Alma, Tochter aus gutem Hause, galt es die " schönste Frau Wiens". Doch bald merkt sie, dass die Musik immer die erste Stelle bei ihm einnimmt. Stehen keine Aufführungen an, zieht sich Mahler in seine Komponierhäuschen zurück. Dann folgt ein tragischer Schicksalsschlag. Die älteste Tochter Maria stirbt mit fünf Jahren an Diphterie. Das Paar entfremdet sich immer mehr. Und Mahler weiß, dass er seine Frau verloren hat. Durch einen irrtümlich an ihn adressierten Brief erfährt er von der Affäre seiner Frau mit Walter Gropius. Eifersucht und verletzter Stolz spricht aus ihm : " Dein Baumeister ist ein Idiot. Du bist die Geliebte eines Idioten." Alma bleibt bei ihm, aber Mahler macht sich darüber keine Illusionen. "Wahrscheinlich hatte seine Krankheit sie gehalten." "Sie würde bei ihm bleiben bis zum Schluss, das war mehr, als er erwarten durfte. Letztendlich war er derjenige, der ging." Wir erfahren noch von Mahler¿s Sitzung bei Rodin, der eine Büste von ihm machen soll; eine eher komische Szene. Und einen kleinen Auftritt hat Siegmund Freud, den Mahler in Leiden besucht und der ihm bei einem Spaziergang den Ratschlag "Arbeit und ein warmer Pullover" mit auf den Weg gibt. Das letzte Schlusskapitel gehört dem fiktiven Schiffsjungen, der später vom Tod des berühmten Künstlers in der Zeitung liest. Die Eckdaten aus Mahler¿s Leben bringt Seethaler in diesem kleinen Buch unter, auch trifft er gut das Wesen dieses schwierigen Künstlers. Allerdings fällt kaum ein Wort über Mahler¿s Musik. Die Erklärung dazu liefert der Autor im Text selbst. Auf die Frage des Schiffsjungen : " Was ist das für Musik, die Sie machen?" lässt er Mahler antworten: " Man kann über Musik nicht reden, es gibt keine Sprache dafür. Sobald Musik sich beschreiben lässt, ist sie schlecht." Robert Seethaler ist mit diesem Buch eine Annäherung an den großen Musiker Mahler gelungen. Er weckt des Lesers Interesse und macht Lust, Mahler zu hören. Ein Buch voller Melancholie und Atmosphäre, dicht und poetisch , das mich berührt hat und das ich gerne empfehle.
Interessante Idee, durchschnittliche Ausführung
von Anonym - 04.09.2020
Als ich Der letzte Satz zum ersten mal in der Hand gehalten habe, habe ich befürchtet, dass Robert Seethaler es nicht schaffen wird, in so einem kurzen Buch wirklich viel von Mahlers Leben darzustellen. Leider haben sich diese Befürchtungen teilweise bewahrheitet. Seethaler berichtet in Der letzte Satz nur von einem eher kurzen Ausschnitt aus Mahlers Leben, mit einigen wenigen Rückblicken dabei. Wenn man sich also nicht schon ein wenig mit Gustav Mahlers Biografie auskennt, wird man durch das Buch vermutlich verwirrter zurückgelassen als man vorher war. Auch Seethalers Prosa enthält zwar den einen oder anderen zitierungswürdigen Satz, ist grundsätzlich aber eher durchschnittlich. Außerdem hätte er für meinen Geschmack gerne etwas mehr über Mahlers Beziehung zur Musik darstellen können, da dies ja ein bedeutender Punkt in dessen Leben war. Stattdessen bezieht sich Seethaler sehr auf Mahlers Beziehung zu seiner Familie. Ich glaube wäre dieses Buch etwas ausführlicher und die Prosa etwas runder gewesen, hätte es mich wirklich begeistern können, aber so war es leider nur eine gute Idee, mit wenig dahinter.
Die letzte Fahrt
von Anonym - 04.09.2020
Der alte Gustav Mahler befindet sich auf seiner letzten Überfahrt nach Amerika. Auf dem Deck stehend und das Meer beobachtend, sinniert er über sein Leben nach, zieht eine letzte Bilanz. Enttäuscht vom eigenen Körper und dem kurzen, flüchtigen Leben, verliert er sich in Erinnerungen. Die großen Persönlichkeiten der Zeit, neben Mahler und Alma auch Freud, Gropius und Rodin, drängen sich alle auf die wenigen Seiten dieser Erzählung. Ruhig, unaufgeregt, erzählt Seethaler diese Geschichte des berühmten Komponisten. Die Rückblicke auf das Leben sind gut mit der Rahmenhandlung auf dem Schiff verbunden. Gerade auch die Beschreibung der Natur, des Waldes oder des Meeres, haben mir sehr gut gefallen. Das Buch lässt sich leicht und schnell lesen, auch ohne jegliche Vorkenntnisse über Mahler und seine Musik. Das liegt vor allem daran, dass die Musik und in geringerem Ausmaß auch die Biografie Mahlers fast gar nicht zur Sprache kommen. Sehr schade, denn sein Leben hätte mit Sicherheit genug Stoff für eine tiefere Auseinandersetzung geboten. Auf der Handlungsebene passiert leider nicht viel mehr als schon der Klappentext hergibt und das ist mir für einen Roman dann doch einfach zu wenig. Vor allem da die Erinnerungen an sein Leben zwar gut zu lesen sind, aber auch keine wirklichen Erkenntnisse oder Einsichten bieten. Wirklich lesenswert war das Buch daher für mich leider nicht.
Die letzte Reise - Eine Reise ins Ich
von Hennie - 02.09.2020
"Der letzte Satz" ist ein schmales Buch von 126 Seiten, in dem Gustav Mahler (1860 - 1911), ein bedeutender Komponist und berühmter Dirigent seiner Zeit am Ende seines nicht sehr langen Lebens dargestellt wird. Es kann daher nur eine Momentaufnahme seines wechselvollen Lebens sein. Robert Seethaler fängt sein Büchlein an mit einem Zustandsbericht, der sich bis zum Ende hin durchzieht. Mahler befindet sich auf dem Sonnendeck der "Amerika", mitten auf hoher See, auf seiner letzten Schiffsreise von New York nach Wien. Sein Körper bereitet ihm wie stets Schmerzen, Fieberschübe verzehren ihn. Er resümiert über sein gesamtes Dasein, über sein kompositorisches, musikalisches Schaffen, über seine Beziehung zu Alma, den schmerzlichen Verlust seiner Tochter Maria... Wie im Wahn oder wegen des nahen Todes (?) schweifen seine Gedanken und Erinnerungen ab. Deshalb erscheint die Handlung oft sprunghaft, wechselt von der Gegenwart in vergangene Zeiten. Ich finde das stilistisch vom Autor hervorragend gelöst. Mir gefällt die erzählerische Perspektive, die er für seinen Roman gewählt hat. Ich las oft zwischen den Zeilen bzw. fühlte mich veranlasst über Mahlers und Almas Leben nachzuschauen, mich zu informieren, Wissen zu rekapitulieren. Immer wieder werden Gustav Mahlers körperlichen Gebrechen thematisiert, die unerträglichen Schmerzen im Kopf, die ihn aber ebenso wie die Natur, ein Vogel, dessen Ruf und vieles andere zum Komponieren inspirieren. In so einem Falle arbeitete er ungeachtet seines Gesundheitszustandes intensiv hintereinander weg, nahm darauf keine Rücksicht. Die Probleme zwischen Mahler und Alma waren unausweichlich- zwei schwierige Charaktere trafen aufeinander. Alma, obwohl die Liebe seines Lebens, wird von ihm sehr vernachlässigt. Oft bemerkt er sie nicht einmal, betrachtet sie als Gegenstand. Er war eine zerrissene melancholische Seele, getrieben von ständiger Unruhe und Launenhaftigkeit, liebte die Einsamkeit und fühlte sich nicht unbedingt wohl in Gesellschaft, tat aber seine Meinung kund. Alma fühlte sich unverstanden, die immer größer werdende Distanz zwischen den beiden Eheleuten kommt hervorragend zum Ausdruck. Es ist verständlich für mich aus heutiger Sicht, dass sie sich einem anderen Mann zuwandte. Mahlers Rückblicke umkreisen seinen eigenen Kosmos. Er sieht sein Ende auf sich zukommen und reflektiert bis zuletzt, was er hätte noch erschaffen können. Mahler bedauert es sehr, zu wenig Musik gemacht zu haben in seinem Leben. Er hätte die Harmonien seines Körpers komponieren sollen. Und noch viel mehr die Disharmonien . S. 114 Sehr gut gelöst finde ich das Ende des Buches mit dem Schiffsjungen. Durch einen Zufall erfährt er vom großen Begräbnis des "Direktors" und bekommt eine Ahnung von der Erhabenheit seiner Musik. Ich empfinde den Roman als authentisch. So könnte es gewesen sein! Es gibt eine große Zahl von wunderschönen Vergleichen, Metaphern, Sinnbildern, Anspielungen...Ich habe mir viele Zitate notiert. Trotz der Kürze des Buches werden die wichtigsten Dinge im Leben des großen Komponisten angesprochen: die großen Erfolge in der Musik, seine Frau Alma, die beiden Töchter, der Tod des geliebten Kindes, das Versagen als Ehemann... Robert Seethaler versteht es eindrucksvoll den Leser mit auf die letzte Reise dieses bedeutenden Künstlers mitzunehmen. Dass der Autor es auf die Longlist des Deutschen Buchpreises 2020 schaffte, kann ich gut nachvollziehen!
Im Gedankenkarussell gefangen
von Webervogel - 30.08.2020
Robert Seethaler nimmt die Lesenden in "Der letzte Satz" mit an Bord eines Passagierschiffes. Der berühmte Komponist Gustav Mahler und seine Familie reisen mit der "Amerika" von New York nach Europa, doch weder seine Frau Alma noch die gemeinsame Tochter Anna treten in Erscheinung, während Mahler an Deck sitzt und dort seinen Gedanken nachhängt. Sein einziger Besucher ist ein Schiffsjunge, der dafür sorgen soll, dass es dem Herrn Direktor an nichts fehlt. Doch Mahler fehlt es an vielem: Sein Körper lässt ihn mehr und mehr im Stich, er ahnt den nahenden Tod und quält sich mit dem Gedanken an all die unvollendete Musik, die er noch erschaffen wollte. Auch seine Frau fehlt ihm - die Mahlers stecken in einer tiefen Ehekrise. Er vermisst seine ältere, verstorbene Tochter. Der Kranke lässt einschneidende Erlebnisse seines Lebens Revue passieren, während er Himmel und Wellen beobachtet und wartet - auf die Ankunft des Schiffes oder das Ende seines Lebens? Vermutlich auf beides. "Der letzte Satz" liest sich fast wie ein einziger "stream of consciousness"; er besteht aus Mahlers unzusammenhängend treibenden Gedanken. Und so ist man dem Genie zwar sehr nahe, muss das Sortieren und Zuordnen der Eindrücke und Anekdoten aber komplett selbst übernehmen. Wenn man sich schon mal mit Mahlers Biografie beschäftigt hat, hilft das sicher. Sprachlich ist der Roman elegant: Mahlers Empfinden und seine Detailbeobachtungen werden in poetische Sätze gepackt. Wehmut und Fatalismus durchziehen die Kapitel, ab und zu kommt eine gewisse Bittersüße dazu. Das Buch bietet einen Einblick in das Seelenleben des Komponisten, wie es gewesen sein könnte. Gepackt hat mich das Ganze jedoch nicht. Während der Lektüre ist man nicht im Geschehen, sondern hängt im Gedankenkarussell der Hauptfigur fest. Dieses streift viele Themen, geht aber selten in die Tiefe - eine logische Konsequenz des gewählten Erzählstils. Es führte jedoch dazu, dass ich beim Lesen seltsam unbeteiligt blieb. Das Buch hat mich einfach kaltgelassen.
Zu alt für die Liebe
von buchstabensuechtig - 28.08.2020
Wie eine Symphonie verläuft die Retrospektive Mahlers auf sein Leben, porträtiert auf seiner letzten Überfahrt in die USA. Mahler sitzt an Bord, müde, gekennzeichnet vom Leben und seiner Krankheit, gedanklich vereinsamt, obwohl seine Frau Alma und seine überlebende Tochter Anna Justine nur wenige Meter entfernt im Schiffsrumpf auf ihn warten. Mal denkt er verklärt an die Zeit, wo sich Alma und er noch nahe waren, mal überfällt ihn die Erinnerung schmerzhaft, wie der Besuch von Walter Gropius, dem leidenschaftlichen Verehrer Almas, in seinem Südtiroler Urlaubsdomizil. Mahler ist, nicht zuletzt durch den Brief, den Gropius versehentlich an ihn statt an Alma adressierte, gepeinigt von der Vorstellung, Alma für immer verloren zu haben, die Gedanken kreisen um Freud, den er aufgrund der Schwierigkeiten mit Alma kontaktierte, an seine erstgeborene Tochter Maria Anna, die an Scharlach-Diphterie verstarb, an seine Inspiration zur neunten Symphonie, und kehren konzentrisch zur Angst zurück, zu alt für Alma zu sein. Zu alt für die Liebe. Zu alt für das Leben.
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