Alles ihre Schuld hat wegen des tollen Coves und des mega schönen Farbschnitts mein Interesse geweckt. Der Titel und der Klappentext klangen dann auch genau nach dem, was ich bei Thrillern mag: Ein vierjähriges Kind verschwindet nach einem scheinbar ganz normalen Playdate spurlos - und plötzlich steht für mehrere Familien alles auf dem Spiel. Gerade diese alltägliche Situation, die innerhalb weniger Minuten zum absoluten Albtraum wird, fand ich unglaublich beklemmend. Wie ihr wisst, mag ich vor allem Thriller, die eher von psychischer Spannung und Geheimnissen leben, als von rauer Gewalt.
Besonders gut gefallen hat mir, dass die Spannung hier nicht ausschließlich von spektakulären Wendungen lebt. Für mich war vor allem die Frage nach dem Motiv der große Antrieb, weiterzulesen. Relativ früh hatte ich eine Ahnung davon, wer hinter der Entführung stecken könnte, aber das eigentliche Warum blieb lange im Dunkeln. Durch die verschiedenen Perspektiven, Rückblicke und kleinen Hinweise bekam ich immer wieder neue Puzzleteile, konnte sie aber lange nicht zu einem vollständigen Bild zusammensetzen. Genau dieses Miträtseln hat für mich hervorragend funktioniert.
Die kurzen Kapitel haben zusätzlich dafür gesorgt, dass die Geschichte sehr flüssig vorankommt. Ich mochte auch die wechselnden POVs, weil dadurch immer wieder neue Informationen ans Licht kamen und ich die unterschiedlichen Figuren besser verstehen konnte. Gleichzeitig wurde dadurch mein Vertrauen in manche Charaktere ordentlich auf die Probe gestellt. Hinter vielen scheinbar normalen Leben stecken Geheimnisse, und irgendwann habe ich mich bei fast jedem gefragt, was wohl noch ans Licht kommen wird.
Sehr spannend fand ich außerdem die verschiedenen Facetten des Themas Schuld. Wann trägt man tatsächlich Verantwortung für etwas, das man niemals beabsichtigt hat? Diese Fragen haben die Geschichte für mich interessanter gemacht, weil es dadurch nicht nur um die Suche nach einem verschwundenen Kind ging.
Das Ende war für mich dann das große Highlight. Die letzten Wendungen habe ich tatsächlich überhaupt nicht vorhergesehen, gleichzeitig haben sie im Nachhinein erstaunlich gut funktioniert und viele vorherige Details in ein neues Licht gerückt. Genau diesen Moment liebe ich bei Thrillern: Wenn ich die Auflösung lese und dann feststelle, dass sie eigentlich völlig logisch ist, mich dann aber frage, warum ich das nicht habe kommen sehen. Auch der kleine Zeitungsartikel am Ende hat mir gefallen und war für mich ein schöner Abschluss.
Alles ihre Schuld war für mich insgesamt ein Thriller, der mit einem starken Grundgedanken, interessanten Figuren und einem wirklich gelungenen Finale überzeugen konnte. Es ist kein durchgehend nervenzerreißender Psychothriller und kommt ohne extreme Gewaltdarstellungen aus. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung für alle, die gerne Spannung und überraschende Wendungen mögen, aber keinen besonders harten Thriller suchen.
Lies dieses Buch wenn du:
- psychische Spannung in Thrillern mehr schätzt als körperliche Brutalität
- Schuld-Fragen und deren Konsequenzen als Handlungshintergrund bereichernd findest
- Lust auf eine Auflösung hast, die dir den Atem raubt