Ein leises, warmes Wohlfühlbuch über Mut und erste Liebe
Wie Wellen im Sturm hat mich sofort abgeholt - nicht mit großen Dramen, sondern mit dieser stillen, ehrlichen Art, die direkt unter die Haut geht. Louise war mir von Anfang an nah: ein Mädchen, das sich jahrelang unsichtbar gefühlt hat und plötzlich an einem Ort landet, an dem sie zum ersten Mal wirklich atmen kann. Das Internat an der Nordsee, das Fußballteam, die neuen Freundschaften - all das fühlt sich an wie ein vorsichtiges Wiederankommen im eigenen Leben.Besonders berührt hat mich, wie behutsam Louises Gefühle für Mika beschrieben werden. Dieses leise Staunen, das Zögern, die Unsicherheit - es wirkt so echt, dass ich vieles davon sofort wiedererkannt habe. Gleichzeitig bleibt Mika lange schwer greifbar, was die Spannung zwischen den beiden nur verstärkt. Als sich ihre Beziehung dann endlich bewegt, ging mir das Tempo allerdings etwas zu schnell. Gerade weil beide so viel mit sich selbst ausmachen, hätte ich mir ein paar Zwischentöne mehr gewünscht.Sehr mochte ich die Atmosphäre: das Meer, das Internat, die kleinen Alltagsmomente, die zeigen, wie selbstverständlich queere Identität hier gelebt wird. Das tut gut. Auch Louises Entwicklung - vom schüchternen Rückzug hin zu mehr Selbstvertrauen - ist schön zu beobachten.Ein Punkt, der mich etwas rausgebracht hat, waren die vielen Passagen aus ihrer selbstgeschriebenen Fantasy¿Geschichte. Ich verstehe, was sie erzählerisch leisten sollen, aber für mich nahmen sie etwas zu viel Raum ein und haben mich manchmal aus der eigentlichen Handlung gezogen.Trotzdem bleibt das Buch für mich ein warmes, queeres Jugendbuch, das Mut macht und ein wohliges Gefühl hinterlässt. Ein schöner Auftakt, der Lust auf die weiteren Bände macht.