Mein bisher liebster Band der Reihe. Ganz tolles langsames Tempo, was dennoch stets mit tiefen Emotionen gefüllt war.
Elsie Silver-Bücher sind ein Must-Read und trotzdem gab es bei der neuen Rose Hill-Reihe von ihr noch nicht DEN Band, der alles weghaut. Aber weil ich eben alles lese, war das nicht so entscheidend, dennoch bin ich froh, dass "Wild Side" das nun jetzt offiziell nachgeholt, die Reihe hat damit ihren Peak erreicht.Wir haben im zweiten Band schon einiges zu der gemeinsamen Geschichte von Tabitha und Rhys angedeutet bekommen. Auf einmal war ihre Schwester tot und die beiden verliebt. Das waren natürlich Ausrufezeichen, die ich unbedingt näher ergründet sehen wollte. Wie bislang die ganze Reihe habe ich auch wieder das Hörbuch gehabt. Natalie Mukherjee und Alexander Kalff waren für mich beide neue Hörbuchstimmen. Ihre Stimmlage war jetzt nicht unbedingt etwas, was mir sofort geschmeidig ins Ohr ging, aber es war reine Gewöhnungssache. Kalff dagegen passte sofort auf den verschlossenen Rhys und am Ende waren eh beide ideal die beiden Charaktere, dafür hatte ich dann auch schon genug Stunden mit ihnen verbracht.Das Buch ist für mich ideal losgegangen, denn schon der Prolog hat wunderbar zur späteren Geschichte gepasst. Es war eine Schicksalsbegegnung und auch wenn da noch keine offensichtlichen Funken gesprüht sind, aber es war sofort ein Interesse füreinander da. Nach dem Zeitsprung ist dann die Stimmung erstmal anders, denn das Schicksal hat zugeschlagen und Rhys und Tabitha könnten jeweils nicht schlechter übereinander denken. Ich war dennoch überrascht, dass wir nicht übertrieben schnell zu den Ereignissen aus dem zweiten Band aufgeschlossen haben. Aber das hat das Buch auch besser gemacht. Silver hat inzwischen einen Stil gefunden, bei dem sie sich Zeit nehmen kann, um in die Tiefe zu gehen. Hier hat sich das formidabel ausgespielt, denn nachdem sie beide erstmal schlecht übereinander denken, braucht es Zeit und viele Ereignisse, um Vertrauen zu schaffen. Da passt es dann auch toll, dass die Reihe weiter auf die Kinder sitzt, denn beide haben eins gemeinsam: die tiefe Liebe für Milo und über ihn sind sie sich immer nähergekommen.Tabby ist im Grunde nicht der Sonnenschein der Reihe, später wird sie von der ikonischen Doris als ehemaliger Emo bezeichnet, und das merkt man schon. Sie hat eher eine pessimistische Sicht auf die Dinge, sie schottet vieles lieber ab und gleichzeitig ist sie aber ein Familienmensch durch und durch und tut alles für die, die sie liebt. Aufgrund ihrer Art war sie natürlich bestens dafür aufgelegt, Rhys zu ärgern und zu provozieren. Er wiederum hat aus nachvollziehbaren Gründen ein riesiges Mysterium um sich herum. Niemand weiß etwas über ihn. Er ist vielleicht nicht so pessimistisch, aber er hat auch wenig Vertrauen und das ist die Ausgangslage, sodass es zu einigen echt tollen Szenen kommt, weil aus den Schikanen irgendwann schnell etwas mehr spricht. Gleichzeitig hat man gut gemerkt, wie die beiden sich durcheinander aber auch verändern und dann wiederum anderen Anschluss in ihren jeweiligen Freundesgruppen finden.Die frühe Hochzeit ist ein Trope, den ich eigentlich immer gerne lese und das ist hier nicht anders. Es war schön, wie intensiv die Szenen wurden, denn durch den längeren Vorlauf wirkt es nicht überhastet, nein stattdessen sind die Gefühle schon an Bord und es war wie eine echte Hochzeit. Auch wenn noch viel Ballast dabei ist, aber der Moment vor dem Ja-Wort war unfassbar echt und berührend durch die Hörbuchstimmen rübergebracht. Danach geht es immer noch langsam voran und ich war so dankbar. Silvers intime Szenen sind nicht so unbedingt meins, das hat sich noch durch kein Buch geändert, aber hier steht es ebenfalls nicht im Vordergrund, denn es wird wirklich etwas aufgebaut, sodass es sich dann genau richtig entlädt. Ich fand auch Rhys' Geheimnis mit dem Wrestling ganz toll, weil es einen anderen Schwerpunkt für die Autorin liefert. Ich habe schon eine Serie dazu gesehen, Heels. Auch wenn es nicht meins ist und werden wird, aber die Leidenschaft, die man dafür haben kann, das kam rüber und ich war bei allen Nebengeschichten voll drin.Fazit: "Wild Side" ist für mich das bisherige Highlight der Rose Hill-Reihe. Tabitha und Rhys sind beide nicht auf Anhieb die klassischen Sympathisanten, aber genau das ist auch ideal, sie zu Überraschungsgewinnern zu machen. Das ist hier gelungen, denn die Geschichte hat ein tolles Tempo, sodass sich alles nachvollziehbar und zutiefst berührend aufbauen konnte.