Die Trennung von Natur und Geist kann bis heute als wirkungsgeschichtliches Ergebnis der europäischen Aufklärung, speziell der Transzendentalphilosophie, gelten. Dieser Tradition widerspricht Hermann Deuser auf der Basis der American Philosophy, des Pragmatismus und der Semiotik. Im Begriff von Gottes Realität finden Religionsphilosophie und Theologie zu leistungsfähigen Denkmodellen, die dem Dialog der Religionen wie der Stärkung der eigenen Religiosität dienen können.
Due to the subjectivization of modern philosophy and its separation of nature and mind, it seems unusual to think of 'God' and 'instinct' in one context. It is mainly the history of the reception of Kant's transcendental philosophy which led to abstractions and distances in relation to natural religiosity. On behalf of American philosophy, pragmatism and semiotics, Hermann Deuser opposes this tradition. He argues in favor of a rediscovery of God's 'reality' and calls for the development of a theory of religion which is in keeping with the times. The consequence of this would be that the philosophy of religion and theology could discover common productive models of thought which could promote the dialog among religions and also serve to strengthen individual religiosity. 'Gott' und 'Instinkt' zusammenzudenken wirkt ungewöhnlich. Die Gründe dafür liegen in der Subjektivierung der neuzeitlichen Philosophie und ihrer Trennung von Natur und Geist. Religionsphilosophie und Theologie, soweit sie sich davon beeinflußt am Gegensatz von Objektivität und Subjektivität orientieren mußten, waren durch den Verlust der lebensweltlichen Selbstverständlichkeit des Gottesglaubens gezeichnet. In der deutschen (protestantischen) Tradition ist es die Wirkungsgeschichte von Kants Transzendentalphilosophie, die zu diesen Abstraktionen und Distanzen gegenüber natürlicher Religiosität geführt hat.
Hermann Deuser argumentiert hier - im Namen der American Philosophy, des Pragmatismus und der Semiotik - allerdings gegensätzlich. Das ist deshalb möglich, weil inzwischen die neuzeitlichen Bedingungen europäischen Denkens als Sonderentwicklungen erkannt wurden, die auf die Erfolge der Naturwissenschaften reagieren mußten: Naturphilosophie, Metaphysik und Schöpfungstheologie schienen überflüssig zu werden. Es sind wissenschaftstheoretisch, phänomenologisch und alltagsweltlich gesehen gute Gründe, die auf der Basis anders gelagerter Einstellungen bestimmter amerikanischer Denktraditionen zur Wiederentdeckung von Gottes Realität und zur Entwicklung einer zeitgemäßen Religionstheorie führen. Religionsphilosophie und Theologie finden dadurch zu gemeinsamen und leistungsfähigen Denkmodellen, die sowohl dem Dialog der Religionen als auch der Stärkung der jeweils eigenen Religiosität dienen können.