Gott kann nicht gedacht werden. Sonst wäre er nicht Gott. Und doch haben wir ihn immer nur im Denken. Geht Gott ganz in den Selbstdeutungsgestalten des religiösen Menschen auf? Björn Pecina versucht in einem Gang durch Fichtes Religionsphilosophie auf diese Problematik zu antworten.
Björn Pecina reconstructs Fichte's philosophy of religion in its evolution from a practical self-consciousness to the theory of love and affects, which he developed late in life. He shows that the early conception of the ego and of freedom is maintained in the mature philosophy of religion in "The Way Towards the Blessed Life" and that it can be deduced from its fundamental principles. Fichte's ontology and his theory of affects thus proves to be the reason for transcendentalism. The author enlarges upon Fichte's philosophy in the strained relationship between the patterns of interpretation developed in a theory of meaning in religious self-consciousness and an ontology which is centered around the absolute as being and love. He thus pleads for a philosophical theology which is always nurtured by the interpretational process of the religious subject but which knows that these interpretations are at the same time a part of absolute being. Die von Fichtes Philosophie ausgehende Faszination liegt nicht zuletzt darin, daß er eine am Absolutheitsgedanken orientierte Religionstheorie entworfen hat, die zugleich strenger Transzendentalismus ist. So empfiehlt er sich als reizvoller Gesprächspartner nicht nur der Religionsphilosophie im engeren Sinne, sondern auch der Theologie. Björn Pecina rekonstruiert Fichtes Religionsphilosophie vor dem Hintergrund des idealistisch-romantischen Gesprächs im 18. /19. Jahrhundert in ihrer Entwicklung vom praktischen Selbstbewußtsein zur späten Liebes- und Affektenlehre. Dabei zeigt er, daß die frühe Konzeption des Ich und der Freiheit in der reifen Religionsphilosophie der "Anweisung zum seligen Leben" eingelöst und nach ihren Urprinzipien abgeleitet werden kann. Fichtes Lehre vom Sein und von den Affekten erweist sich so als Grund von Transzendentalismus überhaupt. Der Autor entwickelt Fichtes Philosophie im Spannungsfeld zwischen den sinntheoretischen Deutungsfiguren religiösen Selbstbewußtseins und einer Ontologie, die ihr Zentrum im Absoluten als Sein und Liebe hat. Deshalb plädiert er dezidiert für eine philosophische Theologie, die sich zwar immer aus den Deutungsvollzügen des religiösen Subjektes speist, diese Deutungen aber zugleich einbegriffen weiß in das absolute Sein. Unter dieser Interpretationsperspektive wird Fichtes Originalität innerhalb des deutschen Idealismus und seine Anschlußfähigkeit an das Denken des aufgeklärten Protestantismus sichtbar.