Angesichts der ambivalenten Erfahrungen mit Religion in der Gegenwart werden in den 18 Beiträgen dieses Aufsatzbandes verschiedene religionskritische und religionstheoretische Ansätze aus philosophischer, psychoanalytischer und theologischer Sicht diskutiert. Ziel ist es, für den gegenwärtigen kritischen Umgang mit Religionen und der religiösen Praxis von Individuen und Gemeinschaften Kriterien zu gewinnen.
Present-day experiences with religion are ambivalent. The critique of religion in the modern age has to a large extent become religion's critique of the modern age. While it is true that a wholesale critique of religion hardly receives any response nowadays, what still matters is the development of differentiating arguments for dealing critically with religions and the religious practice of individuals and communities. The contributors to this volume of 18 essays discuss various approaches from the fields of philosophy, psychoanalysis and theology. Their goal is to establish criteria for doing a critical examination and evaluation of religion and the practice of religion in order to determine what is better and worse, acceptable and unacceptable about them. Während es noch vor wenigen Jahrzehnten in der westlichen Welt verbreitet war, Religionen als Traditionsbestände zu verstehen, die sich im Prozess der Moderne selbst erledigen, kann diese Sicht einer gleichsam unaufhaltsamen Säkularisierung und Auflösung der Religionen in modernen Gesellschaften heute größtenteils als widerlegt gelten. Die Religionskritik der Moderne ist weithin zur Kritik der Religionen an der Moderne geworden. Religionen und ihre Praxis stehen heute kaum mehr unter prinzipiellem Legitimierungsdruck. Zugleich werden uns aber täglich die Ambivalenz der Religionen und ihre konstruktiven wie destruktiven Potentiale vor Augen geführt. Für pluralistische und liberale Gesellschaften stellt es eine Herausforderung dar, dass sich die lebensleitenden Überzeugungen von Religionen der Überführung in verhandelbare Meinungen widersetzen und die Autonomieansprüche der Moderne sich zunehmend der Kritik der Religionen ausgesetzt sehen. Auch wenn eine grundsätzliche und pauschale Religionskritik heute mit Recht kaum noch Gehör findet, kann nicht darauf verzichtet werden, Kriterien für einen differenzierten Umgang mit Religionen und ihrer religiösen Praxis zu entwickeln, um zu beurteilen, was an ihnen besser und schlechter, akzeptabel und inakzeptabel ist. In den 18 Beiträgen dieses Aufsatzbandes geht es darum, welche religionskritischen Argumente heute noch stichhaltig sind und welche Kriterien sich für den kritischen Umgang mit Religionen und der religiösen Praxis gewinnen lassen.
Inhaltsverzeichnis
Mit Beiträgen von:
Josef Simon, Jan Rohls, Malte D. Krüger, Jure Zovko, Elisabeth Heinrich, Heiko Schulz, Arne Grøn, Brigitte Boothe, Douglas Hedley, Folkart Wittekind, Christiane Tietz, Christian Danz, Tom Kleffmann, Reiner Wimmer, Christoph Türcke, Matthias Petzoldt, Patrick Horn, Dewi Z. Phillips, Tilman Beyrich