Kolonialer Wettstreit als Buch (kartoniert)
PORTO-
FREI

Kolonialer Wettstreit

Russland, China, Japan und die Ostchinesische Eisenbahn. 19 Abbildungen.
Buch (kartoniert)
Globalgeschichte Herausgegeben von Sebastian Conrad, Andreas Eckert und Ulrike Freitag
Buch (kartoniert)

39,95 *

inkl. MwSt.
Portofrei
Sofort lieferbar
Kolonialer Wettstreit als Buch (kartoniert)

Produktdetails

Titel: Kolonialer Wettstreit
Autor/en: Sören Urbansky

ISBN: 3593387719
EAN: 9783593387710
Russland, China, Japan und die Ostchinesische Eisenbahn.
19 Abbildungen.
Campus Verlag GmbH

11. August 2008 - kartoniert - 260 Seiten

Beschreibung

Ein weiter Weg ist es von Europa bis nach Asien, von Ozean zu Ozean, auch heute noch. Am Tag sieben der Bahnfahrt überquert der internationale Zug Nr. 20 aus Moskau den hohen Bau der Brücke des Songhua-Flusses. Reisende, die nicht das Flugzeug nehmen, brauchen Geduld; gute Lektüre an Bord ist ein teurer compagnon de voyage. Unverhofft liegen zahlreiche Flussschiffe und Fährboote am Südufer im trüben Wasser, dahinter glitzern die Glasfronten der neuen Hochhäuser Harbins in der Mittagssonne. Der Reisende ist entzückt, nach einer langen Woche Taiga, Grassteppe und isolierter Siedlungspunkte plötzlich in eine Stadt einzufahren. Den Augen bleibt kaum Zeit, sich an den neuen Anblick zu gewöhnen.
Wenige Minuten später, wie jeden Donnerstag halb eins Pekinger Zeit, hält der Zug am Hauptbahnhof von Harbin. Durch einen schmalen Gang geleitet, ist bald der Blick auf den ausladenden Vorplatz frei: schlichte Hotel-Zweckbauten und eine unterirdische Einkaufspassage. Ein eher bedrückendes Gefühl, ein kahler Platz voll mit Autobussen, Taxen und Menschen. Wo ist das alte, so bekannte Jugendstil-Empfangsgebäude des Bahnhofs, der einmal Harbin Zentralbahnhof hieß? Wo ist die Kathedrale des Heiligen Nikolaus? Wo ist das russische Harbin?
Erst auf der Anhöhe der Straße der Roten Armee, die in alten Registern noch als "Bahnhofsprospekt" verzeichnet ist, stößt der Besucher auf einige Gebäude, die stutzig machen, russische und sowjetische Spuren allerorten: ein Denkmal zu Ehren der Helden der Roten Armee und unweit davon die einstige Hauptverwaltung der Ostchinesischen Eisenbahn, ein ebenso prominenter Jugendstilbau, von einer grün getünchten Mao-Skulptur vor dem Eingang verstellt. War Harbin also ein russischer Ort?
Harbin war eine russische, ebenso eine chinesische, aber auch eine japanische, koreanische, jüdische und polnische Stadt. Doch heute ist Harbin vor allem eine chinesische Metropole, deren Stadtbild nur noch fragmentarisch an die ebenso kurze wie komplexe Geschichte erinnert. Die Stadt am Songhua-Fluss war gleichermaßen Knotenpunkt und Nebenprodukt der Ostchinesischen Eisenbahn (russisch: Kitajskaja Vostoãnaja Ïeleznaja doroga, chinesisch: Daqing dongsheng tielu beziehungsweise Zhongdong tielu), Zentrum jenes exterritorialen, quer durch Nordostchina verlaufenden Teilstücks der Transsibirischen Eisenbahn.
Gegenstand der vorliegenden Untersuchung ist die Geschichte der Ostchinesischen Eisenbahn von ihrer Planung und ihrem Bau am Ende des 19. Jahrhunderts bis zu ihrer Übergabe durch die Sowjetunion an die Volksrepublik China im Dezember 1952. Die Bahn fungierte zugleich als Verkehrs-, Kommunikations-, Eroberungs- und Kolonisationsmittel von Chinas Nordosten - jener in vielen Sprachen als Mandschurei bekannten Region -, und dies im Dienst ganz unterschiedlicher Mächte und Kulturen. Zentrales Anliegen der Studie ist dabei die Untersuchung der Kolonisierung und Kultivierung eines Raums durch die Bahn, die damit gleichsam zum "Kulturträger" wird. Die Geschichte der Bahn ist folglich gleichzeitig eine Geschichte der (nördlichen) Mandschurei in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, eines zunächst dünn besiedelten und isolierten, jedoch rohstoffreichen und - nicht zuletzt infolge des Bahnbaus - strategisch wichtigen Gebietes, auf das sich die imperialen und kommerziellen Interessen Russlands und Japans richteten.
Die Mandschurei - ein Gebiet größer als Italien, Frankreich und Großbritannien zusammengenommen - ist Menschen in Europa hauptsächlich als das Anbauland der Sojabohne, Hauptschauplatz des Russisch-Japanischen Kriegs oder als Japans Marionetten-Kaiserreich Mandschukuo geläufig. In den ersten Dekaden des 20. Jahrhunderts nannten Publizisten die Region "Balkan des Fernen Ostens" oder "Land der Hoffnung". Cineasten mögen den Namen dieser Geschichtsregion, die heute wieder ein integraler Bestandteil Chinas ist, aus John Frankenheimers Thriller Botschafter der Angst oder Bernardo Bertoluccis Monumentalfilm Der letzte Kaiser kennen. Die Mandschurei grenzt im Norden und Osten an Sibirien und das fernöstliche Russland. Im Südosten stößt die Region an die lange Zeit von Japan kontrollierte koreanische Halbinsel. Das Gelbe Meer, der Golf von Bohai und die Große Mauer fassen die Region im Süden ein und bilden mit dem Westen, wo die Innere und Äußere Mongolei beginnen, die Verbindung zum chinesischen Kernland.

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

Hinweise für den Leser

Vorwort von Karl Schlögel

Einleitung

I. Konstruktion und Destruktion
Die Manchurian frontier - Die Entwicklung des Eisenbahnwesens in China - Der Beginn des Eisenbahnbaus in Russland - Konstruktion: Der Bau der Ostchinesischen Eisenbahn - Destruktion: Die Boxer und andere Saboteure

II. Traum und Wirklichkeit
Das erste Fahrplanjahr - Der Blick aus dem Zugfenster - Der Russisch-Japanische Krieg: Ein Eisenbahnkrieg - Grenzbahnhof Kuanchengzi - Rubelgrab im Fernen Osten - Der Erste Weltkrieg: Die Eisenbahn als Nachschubader - Der Bürgerkrieg: Die Eisenbahn als Fluchtader

III. Neue Meister, neue Ziele
Ein Name als Programm: Generaldirektor Ostroumov - Liaison der Notwendigkeit - Harbin: Kolonialstadt und Zentrum der russischen Emigration - "Güter" vierter Klasse: Die chinesischen Siedler - Parallele Bahnen - Das Schwarze Jahr 1929

IV. Japans Eisenbahnimperialismus
Verschluckt vom Erzrivalen - Ex oriente lux? - Flucht über die Wolken: Die Eroberung des Luftraums - Drawing lines on a map - Der Zweite Weltkrieg: Kein Eisenbahnkrieg

Schluss

Epilog

Anmerkungen

Literatur

Danksagung

Karten

Portrait

Sören Urbansky ist Kulturwissenschaftler und Doktorand am Lehrstuhl für Geschichte Osteuropas der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder.

Pressestimmen

Segen der bösen Tat
"Ein gutes, lehrreiches Buch." (Süddeutsche Zeitung, 03.11.2008)

Ein sehr lesenswertes Buch, nicht nur wegen seiner Fülle an Informationen, sondern vor allem auch wegen der Anschaulichkeit der Darstellung.
- Klaus Haller - (Osteuropa, 01.09.2011)

Mehr aus dieser Reihe

zurück
Geteilte Geschichte, geraubte Geschichte
Buch (kartoniert)
von Bettina Brockmey…
Gläubige Imperialisten
Buch (kartoniert)
von Richard Hölzl
Helden und Handel
Buch (kartoniert)
von Lea Pfäffli
Eigensinnige Musterschüler
Buch (kartoniert)
von Heinrich Hartman…
Kolonialismus und Islam
Buch (kartoniert)
von Sebastian Gottsc…
vor
Servicehotline
089 - 70 80 99 47

Mo. - Fr. 8.00 - 20.00 Uhr
Sa. 10.00 - 20.00 Uhr
Filialhotline
089 - 30 75 75 75

Mo. - Sa. 9.00 - 20.00 Uhr
Sicher & bequem bezahlen:
Bleiben Sie in Kontakt:
Hugendubel App
Zustellung durch:
1 Mängelexemplare sind Bücher mit leichten Beschädigungen, die das Lesen aber nicht einschränken. Mängelexemplare sind durch einen Stempel als solche gekennzeichnet. Die frühere Buchpreisbindung ist aufgehoben. Angaben zu Preissenkungen beziehen sich auf den gebundenen Preis eines mangelfreien Exemplars.

2 Diese Artikel unterliegen nicht der Preisbindung, die Preisbindung dieser Artikel wurde aufgehoben oder der Preis wurde vom Verlag gesenkt. Die jeweils zutreffende Alternative wird Ihnen auf der Artikelseite dargestellt. Angaben zu Preissenkungen beziehen sich auf den vorherigen Preis.

4 Der gebundene Preis dieses Artikels wird nach Ablauf des auf der Artikelseite dargestellten Datums vom Verlag angehoben.

5 Der Preisvergleich bezieht sich auf die unverbindliche Preisempfehlung (UVP) des Herstellers.

6 Der gebundene Preis dieses Artikels wurde vom Verlag gesenkt. Angaben zu Preissenkungen beziehen sich auf den vorherigen Preis.

7 Die Preisbindung dieses Artikels wurde aufgehoben. Angaben zu Preissenkungen beziehen sich auf den vorherigen Preis.

10 Ihr Gutschein TONIE10 gilt bis einschließlich 30.11.2020. Sie können den Gutschein ausschließlich online einlösen unter www.hugendubel.de. Keine Bestellung zur Abholung in der Buchhandlung möglich. Der Gutschein gilt nur auf Tonie-Figuren, Tonie-Transporter, Wandregale und Lauscher und nur solange der Vorrat reicht. Der Gutschein ist nicht mit anderen Gutscheinen und Geschenkkarten kombinierbar. Eine Barauszahlung ist nicht möglich. Ein Weiterverkauf und der Handel des Gutscheincodes sind nicht gestattet.

11 Bestellungen ins Ausland und der DHL-Paketversand sind von der kostenfreien Lieferung ausgeschlossen.

* Alle Preise verstehen sich inkl. der gesetzlichen MwSt. Informationen über den Versand und anfallende Versandkosten finden Sie hier.

*** Gilt für Bestellungen auf Hugendubel.de. Von dem verlängerten Rückgaberecht ausgeschlossen sind eBooks, Hörbuch Downloads, tolino select, das Leseglück-Abo, die eKidz.eu Apps sowie phase6 Apps. Das gesetzliche Widerrufsrecht bleibt hiervon unberührt.