Frauenkunstturnen war nie nur Sport, sondern ein zentraler Schauplatz vergeschlechtlichter (Re)Produktion und Machtaushandlungen. Yvonne Schüpbach untersucht das Frauenkunstturnen in der Schweiz zwischen 1949 und 1985 erstmals als zentralen Schauplatz vergeschlechtlichter Performanz: Entgegen der Vorstellung einer inhärent 'weiblichen' Sportart wird Frauenkunstturnen als Ausdruck patriarchaler Gesellschaftsordnungen analysiert, die dazu diente, die binäre Geschlechterordnung zu stabilisieren und spezifische Weiblichkeitsperformances zu inszenieren. Anhand vielfältiger Textquellen, audio-visuellen Quellen und Oral History Interviews zeigt die Analyse auf, wie Turnerinnen auf ihren feminisierten Körper reduziert und durch ihn diszipliniert und verletzt wurden. Die Ergebnisse dieser Untersuchung erhalten gerade im Kontext der jüngeren Diskussionen über Gewalt im Turnsport besondere Aktualität.
Inhaltsverzeichnis
Inhalt
1. Einleitung
1. 1 Ausgangslage und Fragestellung
1. 1. 1 Frauenkunstturnen: aktuell und relevant
1. 1. 2 Fragestellungen und Untersuchungszeitraum
1. 1. 3 Stand der Forschung
1. 2 Theoretische Einbettung
1. 2. 1 Woraus besteht Geschlecht?
1. 2. 2 Performative (Re-)Produktion von Geschlecht im Sport
1. 3 Methodisches Vorgehen und Quellen
1. 3. 1 Textquellen
1. 3. 2 Audiovisuelle Quellen
1. 3. 3 Oral Historys
1. 4 Aufbau
2. Geschlechterdifferenz konstruieren: Frauen(kunst)turnen binär gestalten
2. 1 Die Feminisierung und die Differenzierung des Frauen(kunst)turnens
2. 1. 1 Turnen und Frauenturnen
2. 1. 2 Kunstturnen und Frauenkunstturnen
2. 2 Verhandlungen über das kompetitive Frauenkunstturnen in der Schweiz
2. 2. 1 Differenz sichern, Ordnung wahren: Argumente gegen den Wettkampfsport und das Frauenkunstturnen
2. 2. 2 Selbstbestimmung und Besinnung auf Weiblichkeit: Widerstand gegen das Wettkampfverbot
2. 2. 3 Nationalkader 1969: Schweizer Öffnung zum Frauenkunstturnen
3. Turnerinnen disziplinieren: feminisierte Körper im Fokus
3. 1 Die Folgen des Einstiegs in das kompetitive Frauenkunstturnen und der Akrobatisierung
3. 1. 1 Ästhetisierung und die Verschiebung von (Selbst-)Disziplin in den Körper
3. 1. 2 Infantilisierung und verkörperte Weiblichkeit im Frauenkunstturnen
3. 2 Kunstturnerinnen in (Ab-)Bildungen zwischen Sexualisierung und Befreiung
3. 2. 1 Die Sexualisierung von Schweizer Kunstturnerinnen
3. 2. 2 Subjektivierung als Möglichkeit der Befreiung
3. 3 Die Folgen für feminisierte Subjekte und ihre Körper: Erfahrungen ehemaliger Schweizer Kunstturnerinnen
3. 3. 1 (Körperliche) Dissonanzen zwischen Kindsein , Frausein und Sportlerinsein
3. 3. 2 Geschlechtsspezifische Gewalt im Frauenkunstturnen
4. Kunstturnen hierarchisieren: Turnerinnen anführen und beherrschen . . 173
4. 1 Vergeschlechtlichtes Lenken, Arbeiten und Verdienen im Frauen(kunst)turnen
4. 1. 1 Funktionärinnen an die Spitze des Verbandes
4. 1. 2 Trainern die Macht in der Turnhalle
4. 2 Einblicke von innen und außen: die Übermacht der Trainer:innen in der Turnhalle
4. 2. 1 Autoritäre Herrschaft und Widerstand: Turnerinnen erzählen von Trainingserfahrungen
4. 2. 2 Der Trainer als Puppenspieler und Turnerinnen als schönes (Vorführ-)Objekt: ein Film der Schweizer Filmwochenschau
5. Geschlecht aufführen und bewerten: Frauenkunstturnen zwischen Kunst und Künstlichkeit
5. 1 Disponibles Frauen(kunst)turnen: gefallen müssen und gefallen wollen
5. 1. 1 Normierte Weiblichkeit bewahren: harmlos und grazil turnen
5. 1. 2 Weiblichkeitsperformances überwachen: die Bewertung von Frauenkunstturnen
5. 2 Lass es natürlich aussehen: normierte Weiblichkeit aufführen
5. 2. 1 Performative Hyperfeminisierung: Kostümierung im Frauenkunstturnen
5. 2. 2 Perfektion als Kunst, die Künstlichkeit zu verbergen
6. Abschluss
Epilog
Dank
Anhang
Interviewleitfaden
Abkürzungen
Abbildungen
Quellen
Ungedruckte Quellen
Gedruckte Quellen
Audiovisuelle Quellen
Oral-History-Interviews
Literatur