Ein bewegender Krimi über Rache, Schuld und die Schatten der Vergangenheit ¿ atmosphärisch und eindringlich erzählt.
Alexander Oetker gelingt es auch mit diesem Band wieder, mich an einen Ort mitzunehmen, den ich ohne seine Bücher vermutlich nie so intensiv kennengelernt hätte. Diesmal führt die Reise ins Baskenland - mit seinen Traditionen, den schroffen Landschaften, dem berühmten Piment d'Espelette und einer bewegten Geschichte, die bis in die Gegenwart nachwirkt.Lange scheint es, als gäbe es genügend Menschen im Dorf, die ein Motiv für den Mord am alten Schäfer hätten. Doch am Ende zeigt sich, dass manche Schatten der Vergangenheit länger reichen, als man glauben möchte. Die Auflösung empfand ich als bitter, verstörend und gleichzeitig tief berührend.Besonders überrascht hat mich die Entwicklung rund um Commissaire Schillinger. Zu Beginn konnte ich mit ihr nur wenig anfangen, doch ihre Geschichte hat mich deutlich mehr bewegt, als ich erwartet hätte. Dass sie nun Teil der Abteilung werden soll, macht mich neugierig darauf, wie sich die Dynamik innerhalb des Teams verändern wird.Wie gewohnt gelingt Alexander Oetker die besondere Mischung aus Spannung, Kulinarik und atmosphärischen Landschaftsbeschreibungen. Während ich gemeinsam mit Luc Verlain ermittelte, tauchte ich zugleich tief in die Geschichte des Baskenlandes und die Hintergründe der ETA ein.Für mich wirft dieses Buch aber auch größere Fragen auf: Wie lange kann Rache einen Menschen begleiten? Gibt es so etwas wie Wiedergutmachung? Und entscheiden wir uns angesichts erlittenen Unrechts für Hass und Zorn - oder letztlich doch für das Leben?Ein erneut fesselnder Band der Reihe, der weit über den eigentlichen Kriminalfall hinausgeht und noch lange nachhallt. Und nachdem bereits zum zweiten Mal der nächste Fall angeteasert wurde, bin ich froh, dass der nächste Band schon auf mich wartet.