Eine historische Person glanzvoll zum Leben erweckt
Wir schreiben das Jahr 1686. Die Spuren des Dreißigjährigen Krieges sind in Brandenburg, wo die Geschichte spielt, noch deutlich zu spüren. Sie haben auch dazu beigetragen, dass hier ein besonderes Kunsthandwerk entstand: die Glasbläserei: "Denn nach dem Dreißigjährigen Krieg ist Brandenburg noch immer verarmt, und aus dem heimischen Rohstoff Sand lässt sich außer Glas wenig zaubern. Und Sand ist hier im Überfluss vorhanden. Nicht umsonst wird Brandenburg auch als die "Sandbüchse Deutschlands" bezeichnet." Hier regiert der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm, in zweiter Ehe verheiratet mit Dorothea ¿ einer Frau, die weiß, wo es langzugehen hat: "[...], es ist das einzige deutsche Fürstenpaar, das stets im Doppelbett in den Krieg zieht." Der Kurfürst schenkt seinem "Geheimen Kammerdiener", Johannes Kunckel, die Pfaueninsel, damit dieser dort ungestört seiner Glasbläserkunst nachgehen kann. Wenn es schon nicht gelingt, aus Silber Gold zu machen, soll wenigstens diese Kunst dringend benötigtes Kapital in die Kassen des Kurfürsten spülen.So weit, so gut. Gäbe es da nicht diesen intriganten Sohn aus erster Ehe, "Friedrich, den ängstlichen und ¿schiefen Fritz', mit der verwachsenen Schulter, der nach dem Tod des Erstgeborenen wohl oder übel sein Nachfolger werden" muss. Ihm missfällt das gute Verhältnis zwischen seinem Vater und Johannes Kunckel. Quasi von Beginn der Erzählung erahnt man, dass es nicht gut ausgeht mit diesem schwelenden Konflikt. Die Erzählweise entfaltet eine Dynamik, die sich in den einzelnen Handlungssträngen aufbaut, wieder abschwächt (noch einmal gut gegangen), um dann in anderer Konstellation letztlich zu entflammen. Das liest sich fast wie ein Kriminalroman und doch ist es mehr. So werden die ersten Ansätze sichtbar, in denen Hokuspokus am Verschwinden ist und durch Personen wie Johannes Kunckel naturwissenschaftliches Denken langsam in die Köpfe zumindest einiger Menschen einsickert: "Er wollte schon immer den anderen Weg gehen. Nicht über den Hokuspokus, sondern über das Experiment." Mit diesem Vorgehen gelingt es ihm schließlich die ultimativen Farben in seine Gläser zu bringen. Er macht zwar nicht mit Silber Gold, aber mithilfe von Gold (Goldchlorid) erschafft er ein unübertroffenes, begeisterndes Rot, "karminrot wie ein Rubin". Warum dies so ist, wird hier ebenfalls erläutert.Mit solchen Geschichten, auch oder gerade weil sie exemplarisch ungewöhnliche menschliche Konstellationen abbilden, kann die Vergangenheit ein stückweit greifbarer gemacht werden.(10.6.2026)