Eigentlich hat Emilie genug damit zu tun, die tägliche Tortur namens Schule zu überstehen, als sie eines Nachts von einem seltsamen Jungen mit türkisen Augen träumt. Als der ihr dann am nächsten Tag prompt in der Schule begegnet, beginnt sie, an ihrem Verstand zu zweifeln. Doch das ist erst der Anfang, denn während ein Meteoritenschwarm über den Himmel zieht, geht ein wissenschaftliches Experiment entsetzlich schief und die seltsamsten Dinge geschehen, selbst die Zeit scheint nicht mehr linear zu laufen..."Die Leoniden" ist der Auftakt der Spektrum-Reihe, einer Young Adult Science-Fiction aus Dänemark. Während die Protagonisten, die verschiedener kaum sein könnten, sich mit ihrem öden Schulalltag und sogar Mobbing herumschlagen, wird die ungleiche Gruppe durch einen abendlichen Besuch bei einem Astrophysiker, dessen Instrumente verrücktspielen, eng zusammengeschweißt. Denn nach und nach bemerken die sechs Teenager an sich seltsame Fähigkeiten, etwa Telepathie und Telekinese.Während die Gruppe noch an ihrem Verstand zweifelt, befindet sie sich bald auf der Flucht vor einer unerklärlichen Macht, die Raum und Zeit vernichtet. "Die Leoniden" ist aber erst der Beginn der Reise, fast wie ein langer Prolog, also werden noch nicht allzu viele Antworten gegeben, das meiste bleibt mysteriös und unklar, in den nächsten Bänden wird es wohl mehr Enthüllungen geben. Stattdessen hält die Autorin die Spannung mit vielen Mystery-Aspekten und Verweisen zur Astrophysik hoch.Man muss sich allerdings darauf einlassen können, dass die Protagonisten eben doch alle recht jung sind. Sie verbringen eben die meiste Zeit in der Schule und fechten ihre Alltagskonflikte miteinander aus. Für ältere Leser bedeutet dieses Buch also eventuell eine eher unangenehme Rückkehr in die Mittel- oder Oberstufe, Teenie-Drama aller Art inklusive. Darüber kann man getrost die Augen verdrehen, der Rest der Geschichte ist es aber wert, darüber hinwegzusehen.Die langsam wachsende Dynamik der unfreiwillig Verbündeten auf der anderen Seite ist der Autorin sehr gut gelungen. Es gibt eine Menge Konfliktpotenzial, aber auch jede Menge Möglichkeiten für die Charaktere, zusammenzuwachsen und sich zu entwickeln, wovon man in den Folgebänden vermutlich noch einiges zu sehen bekommen wird. Eben auch durch dieses liebenswerte Chaos und der gut ausgearbeiteten Protagonisten, die alle auf ihre eigene Weise glaubwürdig unvollkommen sind, wird die Geschichte sehr lebendig. Vermutlich wird es in den nachfolgenden Büchern noch mindestens eine mehr oder weniger kitschige Liebesgeschichte geben, aber wenn der Rest der Handlung überzeugen kann, dann kann man damit auch leben. Der Fokus liegt nämlich eindeutig beim Fantasy/SciFi-Aspekt.Mit anderen Worten: "Die Leoniden" ist ein vielversprechender Auftakt einer mysteriösen Science-Fiction-Mystery-Geschichte und ein tolles Jugendbuch, das - von ein paar anstrengenden Punkten mal abgesehen - auch ältere Leser sehr gut unterhalten kann und viel Lust auf mehr macht. Stellenweise erinnert es ein wenig an die Netflix-Serie DARK, nur für jüngeres Publikum. Die Geschichte hat also hohe Erwartungen zu erfüllen. Nun bleibt zu hoffen, dass der Verlag zeitnah die restlichen Bände ins Deutsche übersetzt.