Wir kennen sie alle: Chopin, Bach, Debussy, Mozart. Aber wem ist Mélanie Bonis vertraut? Für mich eröffnet die französische Autorin Alissa Wenz ein neues Kapitel in der Geschichte klassischer Musik. Sie wurde am 21. Januar 1858 geboren, und starb am 18. März 1937.
Sie ist die Erste, die sich ans Klavier in ihrem Zuhause, Nummer 18 Rue Montmatre setzt. Und bald schon das spürt, was alle Kunstschaffenden fühlen, wenn sie in ihrer Oase ankommen: eine tiefe Zufriedenheit und Frieden.
Das Mädchen spielt, wenn es allein ist, erkennt die Patzer und korrigiert sich, baut sich ein Fundament und neues Standbein. Die Mutter verfolgt indes andere Pläne mit ihrer musischen Tochter. Doch als ein Freund der Familie das Talent des Mädchens erkennt, ermutigt er die Eltern, Mélanie am Konservatorium anzumelden. Mélanie besteht die Aufnahmeprüfung mit Leichtigkeit. Genau dort trifft sie auf ihre große Liebe und Muse, den Sänger und Lyriker Amédée-Louis Hetrich. Die beiden verlieben sich. Sie wollen heiraten, aber die Familie will eine bessere Partie. Und arrangiert die Ehe mit einem 20 Jahre älteren Unternehmer. Das führt die junge Frau in eine tiefe Krise. Sie bricht ihr Studium ab, und die innige Verbindung zum Klavier.
Als Jahre später Amédée aus Italien zurückkehrt, erblüht die verwelkte Blume in Mélanies Seele erneut. Amédée schreibt Gedichte, die sie vertont. Sie reicht als Mel Bonis ihre Kompositionen ein, wird ausgezeichnet. Doch wie lange können sie ihre verbotene Beziehung geheim halten?
Alissa Wenz selbst ist Komponistin, das spüre ich mit jedem Satz. Sie erschafft eine eigene Melodie, hat sich für eine besondere Erzählperspektive entschieden, und erzeut damit einen Klangraum, der mitten hinein führt in den Geist einer Komponistin. Gleichwohl erzählt sie eine beeindruckende Emanzipationsgeschichte. Zwischen Liebe, Wut, Leidenschaft entlädt sich eine Energie, die Unglaubliches kreiert.
So klingt das Buch lange noch nach, was auch der kongenialen Übersetzung von Alexandra Baisch zu verdanken ist.