Von Johannes Kunckel habe ich bisher noch nie gehört, aber er muss ein sehr beeindruckender Mann gewesen sein. Das Buch beginnt im Jahre 1686 als der Alchemist und Kammerdiener des Kurfürsten von Preußen die Pfaueninsel geschenkt bekommt. Er soll dort sein wertvolles Rubinglas perfektionieren (und nein, entgegen des Klappentextes weiß er, dass er kein Gold herstellen können wird). In dieser Romanbiographie begleiten wir Kunckel zwei Jahre lang zwischen seiner Familie in Berlin, der Glashütten auf der Pfaueninsel und auf dem Hof des Kurfürsten, zwischen Freundschaft und Neid.
Das dünne Büchlein beginnt direkt sehr atmosphärisch, als Johannes Kunckel über die Havel seiner neuen Insel entgegen rudert. Es sind so viele schöne Naturbeschreibungen vorhanden. Florian Illies hat einen sehr anschaulichen und wortgewaltigen Schreibstil. Seine Worte treffen auf den Punkt, sind passend zur Thematik gewählt und geben so eine wunderschöne Atmosphäre. Ich habe vor dem Lesen der Geschichte nur kurz nach der Pfaueninsel gegoogelt, aber Florian Illies hat dieses Stückchen Land und seine Bewohner viel besser vor meinem inneren Auge erschaffen, als Fotografien es könnten. Ich mag den lebendigen und bildlichen Schreibstil wirklich sehr, aber andererseits sind die Sätze und Szenen so dicht gestaltet, dass ich einiges oftmals wieder und wieder lesen musste, um mich zurecht zu finden.
"Was für ein Rot. Es ist wie ein Sonnenuntergang, der beschlossen hat, für immer in diesem Glas zu wohnen." S. 87
Ich finde es schön, dass wir auch viel von der Glaskunst lesen dürfen. Die Herstellung war damals sehr heikel, denn so viele Handlungsschritte müssen perfekt sitzen und die Arbeit ist mehr als schweißtreibend. Wusstet ihr, dass es auch Glasschneider gab? Diese Künstler haben tatsächlich Motive in Glaskelche geschnitten. Daneben steht die Politik am preußischen Hof, wo Neid und Misstrauen herrscht. Das Ende der Geschichte ist dann eher abrupt, aber durch den hinten abgedruckten Lebenslauf (finde ich sehr gut und wichtig), wissen wir, wie es Johannes Kunckel weiterhin erging. Ich muss sagen, ich hätte gerne auch mehr von Kunckel gelesen. Das Buch ist recht kurz, da es nur zwei Jahre und etwas im Geschehen eingestreute Vergangenheit umfasst. Ich weiß nicht, wie viel Material es zu seinem Leben gibt, aber ich hätte sehr gerne eine längere Romanbiographie gelesen.
Fazit:
"Träume aus Feuer" ist eine sehr informative und kurzweilige Romanbiographie über Johannes Kunckel, der im 18. Jahrhundert die Herstellung von leuchtend rubinrotem Glas entwickelt hat. Der Schreibstil ist sehr bildhaft und lebendig, was mir sehr gut gefallen hat, drängt aber auch so viel Inhalt auf nur wenigen Seiten, wodurch ich einige Momente mehrmals lesen musste, weil ich verwirrt war. Insgesamt finde ich das Büchlein etwas mager, aber ich bin froh, dass ich dadurch Kunckel und seine beeindruckende Handwerkskunst kennengelernt habe.