Unterhaltsam und spannend. Team Sneijder und Nemez, nun offiziell, ermitteln und stellen sich einer blutigen Schnitzeljagd.
In Bern wird eine kunstvoll drapierte Leiche gefunden. Der niederländische Profiler Maarten S. Sneijder und BKA-Kommissarin Sabine Nemez sollen offiziell im Team zusammenarbeiten. Aber der Mörder, der es nicht bei dieser einen Leiche belässt, scheint ihnen immer einen Schritt voraus zu sein. Sein Markenzeichen ist ein eingeritztes, mysteriöses Symbol, dass Sabine auf eine vergangene Mordserie aufmerksam macht.Währenddessen befindet sich die junge Psychologie Hannah in dem Gefängnis in Steinfels, wo abnormale Verbrecher festgehalten werden. Sie soll eine Therapiegruppe leiten, aber sie ist nur an einen Verbrecher interessiert - Piet van Loon. Diesen hat Sneijder vor fünf Jahren selbst hinter Gitter gebracht und es war wohl der Fall, der ihm das meiste Kopfzerbrechen gebracht hat. Sabine Nemez agiert in diesem Band als vollwertige BKA-Kommissarin und das hat mir wesentlich besser gefallen, als im letzten Band. Da war sie noch in der Ausbildung in dieser Akademie. Das ganze Umfeld und wie das mit der Akademie beschrieben wurde, klang vollkommen unrealistisch. In einem Krimi/Thriller erwarte ich einfach, dass es weitestgehend realistisch wirkt. Das hat hier besser geklappt, wobei die Ermittler teils Entscheidungen getroffen haben, wo man einfach sich die Haare raufen muss.Es dauerte eine Weile, bis man sich so richtig in dem Fall befand. Man hatte im Prinzip drei Erzählstränge. Sabine und Sneijder, die den Fall bearbeiten. Hannah auf Steinfels, die die Gefangenen kennenlernte und die teils sehr fragwürdigen Methoden dort. Und Einblicke in die fünfjährige Vergangenheit, als Sneijder auf der Jagd nach Piet van Loon war.Gerade die ersten Kapitel fand ich sehr amüsant. Allein die Szene, als Sabine von BKA-Präsidenten Dietrich Hess erfahren hat, dass sie ab sofort mit Sneijder ein Team bildet. Für sie war das sicherlich alles andere als witzig, aber für mich als Leser schon. Auch die Szene, wie sich Hannah mit Gefängnisstellvertreterin Kempen rumgeärgert hat, war sehr unterhaltsam.Später gab es dann nur noch kurz solche Szenen, besonders wenn Sneijder in seine grantige Art wechselte. Eine ist mir im Kopf geblieben. Kein Zitat, sondern als Gedächtnisprotokoll zu verstehen - Sneijder zu einer Stewardess, als er seinen Tomatensaft nicht so bekommen hat, wie er ihn sich vorgestellt hat: "Wissen Sie warum Gott Ihnen zwei Ohren und einen Mund gegeben hat? Damit sie doppelt so gut zuhören können und einmal so wenig reden [...]." Ich musste so lachen, als Sneijder die arme Stewardess so zusammengefaltet hat. Ansonsten sind Sabine und Maarten von einem Tatort zum nächsten gehetzt, durch gesamt Deutschland, Niederlande, Österreich und die Schweiz (wo es ja angefangen hat). Es waren grausame Orte und dennoch kam Sabine relativ schnell eine Idee, was diese darstellen konnten. Das war schon erstaunlich. Maarten wollten sie natürlich erst einmal abweisen, nach dem Motto, was kann denn so eine junge Kommissarin schon wissen, obwohl er es dort selbst hätte besser wissen müssen.Rasant und brutal war der Krimi, besonders als man dann in den Fall eingezogen wurde. Auch die Perspektive von Hannah, wo man sich psychologisch mit den Verbrechern auseinandergesetzt hat, war sehr interessant. Wie schon in den Vorgängerbänden fand ich Maarten sehr anstrengend, während Sabine wiederum sehr sympathisch wirkt. Was mich nur wieder gestört hat, sind die Alleingänge und da haben sich dieses Mal beide nichts genommen. Es wurde hier eine persönliche Sache und dadurch hat man sich wohl auch stark von den Gefühlen leiten lassen, aber wenn man das so stark zulässt, dann muss man sich irgendwann eingestehen, dass es vielleicht nicht der richtige Job ist.Durch Sneijders Art wurde es stellenweise zwar ziemlich witzig, aber es war auch immer wieder unnötig. Sabine weiß zum Glück inzwischen wie sie damit umgehen muss, wann es wichtig ist, ihm die Stirn zu bieten und wann man ihm einfach machen lässt. Das Ende, was ich bei einigen Rezensenten als so überraschend gelesen habe, empfand ich jetzt nicht so. Es gab schon ein paar Wendungen, die ich so nicht habe kommen sehen, aber gerade das Ende... man kennt ja nun Sneijder durch diesen und die zwei Vorgänger. Da hat mich seine Reaktion nicht so überrascht.Mich überrascht es viel mehr, dass es mit der Reihe weitergeht. Fazit: Der Band hat mir sehr viel besser gefallen, als der Vorgänger. Einerseits weil er emotionaler und persönlicher war, weil er glaubwürdiger war und Sabine und Sneijder hier wirklich gut als Team zusammengearbeitet haben. Okay, gut ist relativ. Maarten als Partner ist eine schwierige Aufgabe, aber insgesamt hat es einfach gut zusammengepasst. Zudem war es unterhaltsam. Doch der ziemlich lange Einstieg, bis es richtig losging und die Alleingänge haben mir weniger gefallen. Bei dem Ende hätte man denken können, dass die Reihe zu Ende ist. 4 Sterne von mir.