Gemütlicher Ostfriesland-Cosy-Crime mit herrlich agierendem Senioren-Sextett und vorweihnachtlichem Emder Lokalkolorit! Proost!
Mit "Toter unterm Dannenboom" geht der von Manuela Sanne geschaffene Strickzirkel der Norder Wollstuuv in die dritte Runde. Und was heißt das? Nach "Mord bei Schietwetter" und "Tod zur Teetied" recherchieren die nicht nur strickenden Mitglieder des in Norden beheimateten Handarbeitsclubs schon in ihrem dritten Mordfall, diesmal in Emden zur Vorweihnachtszeit.Es geht beschaulich, aber nicht immer harmonisch zu auf dieser nicht ganz planmäßig verlaufenden Busfahrt von Norden nach Emden, wo unter anderem der tatsächlich existierende Maritime Engelkemarkt am Emder Ratsdelft auf dem Programm steht.Und dass die Harmonie zuweilen verloren geht wie so mancher Weihnachtsmarktbesucher, der zu viel getrunken hat, das versteht sich von selbst, denn schließlich ist dies ein Krimi, zu dessen Inhalt ich jedoch nichts verraten werde, denn erstens gibt es dafür den Klappentext und zweitens sollte man das Buch einfach lesen. ;-)Schon die Charaktere, die die Autorin hier ins Leben gerufen hat, machen Spaß, denn sie sind einfach ein gutes Team, so unterschiedlich sie auch sind. Und bei ihren Recherchen kann ihnen der zu ihrer Gruppe gehörende ehemalige Kriminalkommissar, der inzwischen mit einer der Damen liiert ist, eine gute Hilfe sein.Dank des ruhigen, aber einnehmenden Schreibstils hat man beim Lesen unmittelbar das Gefühl, selbst an dieser so typischen Busreise teilzunehmen und höchstselbst durch die Emder Straßen zu flanieren, am Hafen entlang zu schlendern, den Duft von Sanddorngrog und anderen Leckereien des Weihnachtsmarktes in der Nase zu haben und das nur ansatzweise winterliche Wetter zu spüren.Ein kleines schriftstellerisches Detail möchte ich dann aber doch preisgeben und das ist das geschickte Einflechten von kurzen Passagen, die aus Tätersicht geschrieben sind. Es sind nur wenige, die aber tragen prägnante Titel, sind so rätselhaft wie zum Mitermitteln anregend und verschmelzen zum Finale hin mit der Kriminal-Geschichte, bei der man als Leser oder Leserin von Anfang an mit offenen Augen und auf Details achtend dem Geschehen folgt und an den offiziellen Ermittlungen der Polizei - ja, die Polizei ermittelt auch ;-) - und den inoffiziellen Nachforschungen des Strickclubs teilnimmt.Die in diesem dritten Band zahlreicheren Aussagen und Ausrufe in Plattdeutsch, mit denen eine der Seniorinnen ihre Mitstreiter manchmal zur Verzweiflung bringt, die uns Leser aber immer wieder schmunzeln lassen, haben mir besonders gut gefallen, wobei die sich nicht sofort aus dem Text heraus erklärenden Begriffe in einem "Platt"-Anhang übersetzt werden. Und ein Rezept für alkoholhaltigen Sanddorngrog, der in diesem Cosy-Crime eine nicht unwichtige Rolle spielt, sowie eine alkoholfreie Sanddorngrögchen-Variante sind ebenfalls angefügt. Laat uns een kluckern! Proost!Dieser Wohlfühlkrimi mit viel Lokalkolorit ist nicht nur die passende Einstimmung auf die kommende Vorweihnachtszeit mit Märkten und Lichtern, Buden und Büdchen, Grog und Grögchen, sondern kann selbstredend auch zu jeder anderen Jahreszeit gelesen und genossen werden, denn die Geschichte ist einfach wunderbar geschrieben, locker-leicht, heimelig und zum Schmunzeln anregend, und - und das mag ich an Krimis wie diesem ganz besonders - lädt von Beginn an zum Hineinfühlen in die Figuren und zum Miterleben der Geschehnisse ein.