
In response to the pervasive destruction of nature-particularly as a result of anthropogenic climate change-there have been increasingly forceful calls, from a legal-philosophical perspective, to grant nature rights of its own. Yet this demand for rights remains tied to the system of subjective rights; it is a liberal line of argument that conceives of freedom (only) in terms of subjective rights and in their guise.
What is sometimes overlooked is that positive law is capable, even without recognizing rights of nature, of conferring highly personal legal positions on individual animals. For example, the prohibition on killing under species protection law effectively granted protected animals something akin to an individual right to life.
However, this status has been progressively curtailed, precisely under the influence of climate change. The new regulation on assessing the risk of killing individuals of collision-prone breeding bird species through the operation of wind turbines (
45b of the Federal Nature Conservation Act) is perhaps the most striking example of this development, as it now permits such risks even while accepting "socially adequate risks of loss." Such a provision can no longer be reconciled with the notion of autonomous rights of the affected animals: how can one ask a red kite whether it considers it worthwhile to risk its own life for the 1. 5°C target? And who could claim to answer on its behalf?
Against this background, the book argues that the concept of rights of nature is subject to fundamental objections. At the same time, it shows that the threat to animals and nature posed by climate change can be addressed more coherently-even in theoretical terms-through the (generous) granting of collective legal standing to associations. In this way, responsibility for defining and protecting the relevant legal interests is consistently assigned to the legislature.
Wider die ubiquitäre Zerstörung der Natur, insbesondere aufgrund des menschengemachten Klimawandels, wird - von einer rechtsphilosophischen Warte aus - immer lauter deren Be-Rechtigung gefordert. Die Forderung nach Eigenrechten bleibt dem System der subjektiven Rechte verpflichtet; sie ist eine liberale Argumentation, die Freiheit (nur) vom subjektiven Recht her und im Gewand des subjektiven Rechtes denkt.
Übersehen wird dabei bisweilen, dass das positive Recht auch ohne Anerkennung von Eigenrechten zur Verleihung höchstpersönlicher Rechtspositionen an einzelne Tiere imstande ist. So gewährleistete beispielsweise das artenschutzrechtliche Tötungsverbots den begünstigten Tieren so etwas wie ein individuelles Recht auf Leben.
Allerdings hat diese Stellung just unter dem Eindruck des Klimawandels eine kontinuierliche Begrenzung erfahren: Die Neuregelung zur Ermittlung des Tötungsrisikos für Exemplare kollisionsgefährdeter Brutvogelarten durch den Betrieb von Windenergieanlagen (
45b BNatSchG), die einen solchen nunmehr auch unter Hinnahme "sozialadäquater Verlustrisiken" ermöglicht, ist wohl das augenfälligste Beispiel dieser Entwicklung. Eine solche Regelung lässt sich mit der Vorstellung autonomer Eigenrechte der betroffenen Tiere nicht mehr in Einklang bringen: Wie fragt man einen Rotmilan, ob es sich in seinen Augen lohnt, für das 1, 5°C-Ziel das eigene Leben zu riskieren? Wer kann beanspruchen, eine Antwort für ihn zu geben?
Das Buch argumentiert vor diesem Hintergrund, dass sich die Konzeption der Eigenrechte grundlegenden Einwänden ausgesetzt sieht. Zugleich wird dargelegt, dass der Bedrohung von Tieren und Natur durch den Klimawandel auch unter theoretischen Auspizien kohärenter durch die (großzügige) Einräumung von Verbandsklagerechten begegnet werden kann. Damit wird konsequent dem Gesetzgeber die Verantwortung für die Ausgestaltung der zu schützenden Rechtsgüter zugewiesen.
Inhaltsverzeichnis
§ 1 Einleitung
§ 2 Eigenrechte
A. Die Philosophie der Eigenrechte
B. Eigenrechte im Recht
§ 3 Republik der Rotmilane
A. Ökologischer Liberalismus
B. Ökologischer Republikanismus
C. Welche Rechte für welchen Rotmilan?
§ 4 Gaia vor Gericht
A. Århus-Konvention
B. Die Effektuierung des Art. 9 ÅK
C. Tierschutzverbandsklagen
D. Klagerecht ohne Eigenrecht
§ 5 Rechte aus Gesetzgebers Hand
A. Rechte ohne Nutzen
B. Schutz ohne Rechte
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