Schöne Beschreibungen, jedoch für meinen Geschmack zu wenig Charakterentwicklung. Für Gartenfans ist es dennoch eine kurzweilige Lektüre.
Das Buch von Marion Lagoda beruht auf einer wahren Geschichte, nämlich der von Else Hoffa, Deutschlands erster Obergärtnerin, die Anfang des 20. Jahrhunderts den Römischen Garten in Hamburg-Blankenese gestaltete. Hoffa war Halbjüdin und floh Ende der Dreißiger Jahre vor den Nazis ins Exil nach England, wo sie auf verschiedenen Herrensitzen als Gärtnerin arbeitete. Der Roman widmet sich den Jahren 1913 bis 1938, die Else Hoffa (im Buch Hedda Herzog) in Hamburg bei der jüdischen Familie Warburg (im Buch Familie Clarenburg) verbrachte und dort den Römischen Garten schuf. Er umfasst also einen sehr großen Zeitraum und genau darin liegt aus meiner Sicht das Problem, denn es gilt so viel sowohl an geschichtlicher Entwicklung als auch an gartengestalterischer Beschreibung in der Geschichte unterzubringen, das dabei die Charakterzeichnung der Figuren in den Hintergrund gerät. Die Charaktere bleiben für meinen Geschmack zu eindimensional, allen voran Hedda Herzog, die sich kaum weiterentwickelt. Auch ihre Beziehungen zu den anderen Figuren verändert sich wenig. Personen, die auf den ersten Seiten als zukünftig wichtige Freunde eingeführt werden (z.B. Tommy, der älteste Sohn der Clarenburgs), tauchen im Roman erst auf den letzten Seiten gefühlt urplötzlich wieder auf und werden als innige Vertraute präsentiert, was man als Leser*in leider gar nicht nachvollziehen kann.Mit großen Sprüngen hüpft man durch die Jahre und Jahrzehnte, so dass beim Lesen ein etwas gehetzter Eindruck entsteht. Einzig die Beschreibungen der Natur, der Landschaft und des Gartens nehmen viel Raum ein und machen auch viel Freude, zumindest, wenn man selbst ein Gartenliebhaber ist.