"Der letzte Sommer in der Stadt" ist ein Roman voller Melancholie, der mich vor allem durch seine Sprache überzeugt hat. Immer wieder finden sich wunderschöne Passagen, die beinahe poetisch wirken und gelegentlich auch bibliophile Gedanken enthalten. Diese Beobachtungen über Bücher, das Leben und die Vergänglichkeit gehören für mich zu den stärksten Momenten des Romans.Gleichzeitig liest sich das Buch oft erstaunlich leicht. Es vermittelt viel von diesem typischen Sommergefühl: Schwimmen in der Bucht, lange Abende in den Straßen Roms, Begegnungen, die zufällig wirken und doch etwas hinterlassen. Rom selbst wird dabei sehr lebendig gezeichnet - allerdings nicht nur als Postkartenkulisse. Die drückende Hitze, der Lärm und das Gefühl, trotz unzähliger Menschen allein zu sein, prägen die Atmosphäre ebenso stark.Im Mittelpunkt steht ein Protagonist um seinen 30. Geburtstag, der zunehmend an seinem Leben verzweifelt. Weder beruflich noch privat scheint er seinen Platz zu finden. Seine Eltern brauchen ihn nicht mehr, Zukunftspläne fehlen, und statt einen Ausweg zu suchen, trägt er oft selbst zu seinem Unglück bei. Auch die Menschen um ihn herum werden im Verlauf der Geschichte eher unglücklicher als glücklicher.Gerade diese Konsequenz macht den Roman glaubwürdig, aber stellenweise auch bedrückend. Wer auf eine Entwicklung oder Hoffnungsschimmer wartet, könnte enttäuscht werden. Trotzdem bleibt ein eindrucksvolles, atmosphärisches Buch, das weniger durch die Handlung als durch Stimmung, Sprache und seine nachdenklichen Beobachtungen lange nachhallt.