Verluste
Als ich das Buch zur Hand genommen habe, dachte ich zuerst, es geht um eine etwas schief gelaufene Party. Wie man es eben aus so manchen Filmen kennt. Hier ein dummer Witz und etwas verschütteter Wein. Aber Die Dinner Party hat mich definitiv überrascht. Denn was zunächst wie ein Gesellschaftsroman über eine unglückliche Frau in einer scheinbar perfekten Beziehung wirkt, entwickelt sich nach und nach zu einem vielschichtigen psychologischen Drama.
Franca lebt ein komfortables Leben an der Seite ihres erfolgreichen Verlobten. Doch hinter der schönen Fassade steckt viel Leere. Während sie eine wichtige Dinnerparty vorbereitet, werden nach und nach Erinnerungen an ihre Vergangenheit sichtbar. Gleichzeitig versucht sie im Nachgang in Gesprächen mit ihrer Therapeutin, die Ereignisse jenes verhängnisvollen Abends zu verstehen.
Besonders gelungen fand ich die Erzählweise. Die verschiedenen Zeitebenen greifen ineinander und setzen das Gesamtbild Stück für Stück zusammen. Lange bleibt unklar, was wirklich passiert ist und was nur Francas Wahrnehmung entspringt. Dadurch entsteht eine dauerhafte Spannung, die bis zum Ende trägt.
Die Geschichte lebt vor allem von ihrer Atmosphäre. Zwischen Alkohol, unterschwelligen Konflikten und gesellschaftlichen Erwartungen baut sich ein immer stärkerer Druck auf. Francas zunehmende Verzweiflung und ihr Gefühl, sich selbst verloren zu haben, werden dabei sehr gut dargestellt.
Auch die Auseinandersetzung mit Rollenbildern, Machtverhältnissen und den Erwartungen an Frauen fand ich sehr gelungen. Der Roman regt zum Nachdenken an und hält den Lesenden immer wieder den Spiegel vor.
ISBN: 978-3759600585
Autorin: Viola Van De Sandt
Verlag: Pola
ET: 30.03.26
Umfang: 336 Seiten