Gemütliche Hexenstimmung, doch die romantische Dynamik trübt den Lesezauber.
Ava Reed schafft mit Witches of Deadly Sins einen angenehmen, einladenden Einstieg in eine magische Welt, perfekt für LeserInnen, die cozy Fantasy und entspannte, stimmungsvolle Geschichten mögen. Die Atmosphäre wirkt warm und gemütlich, die Beschreibungen laden zu ruhigen Leseabenden ein.Allerdings bleiben die Figuren anfangs etwas schwammig; sie gewinnen erst langsam an Tiefe, was zwar in vielen Reihen üblich ist, hier aber merklich zur gemächlichen Erzählgeschwindigkeit beiträgt. Insgesamt entwickelt sich die Handlung eher langsam, Spannungsspitzen fehlen, sodass die Story oft vor sich hinplätschert statt mitzureißen. Die Protagonistin gerät immer wieder in einen Konflikt mit ihrer Großmutter. Das war das ein oder andere mal ein wenig zu viel. Klar sollte hier die Distanz und Disput zwischen den beiden klargestellt werden, aber für mich war das ein wenig to much.Ein zentraler Kritikpunkt ist die romantische/romantisierende Dynamik. Ein Protagonist wird offenbar als "nicht gut genug, oder nicht interessant genug" empfunden. Seine hartnäckigen Werbungsversuche erzeugen bei der Hauptprotagonistin Unbehagen. Der andere männliche Charakter geht deutlich weiter: er taucht ständig auf, beobachtet und verfolgt sie. Dieses Verhalten wird dadurch verharmlost, dass er als attraktiv und anziehend dargestellt wird. Diese Logik hat für mich nicht funktioniert; Attraktivität darf nicht übergriffiges Verhalten rechtfertigen. Hier hätte ich mir entweder klare Grenzen, Konsequenzen oder mehr Widerstand der Protagonistin gewünscht, damit die Beziehungskonstellationen glaubwürdiger und verantwortungsbewusster wirken. Leider funktionieren die meisten neuen Romantasy Storys aber nicht mehr anders.Für wen ist das Buch geeignet? Wer gemütliche, langsame Fantasy mit Wohlfühlatmosphäre sucht, wird sich gut unterhalten fühlen. LeserInnen, die realistischere Beziehungsmuster, stärkere Spannung oder klarere moralische Linien erwarten, könnten enttäuscht sein. Insgesamt ein solides, sympathisches Buch mit spürbaren Schwächen, aber mit einer soliden Grundstory, die gerade am Ende auch wieder Lust auf den zweiten Band macht.Von mir gibt es in Pandoras Büchse versiegelte 3 von 5 Delicious Sternchen.