Wie jetzt, man kann sich durch ein Buch in ein Land verlieben, in dem man selbst noch nie war?
Dass das geht, habe ich durch »Mit dir bin ich echt« von Mounia Jayawanth erfahren.
Neyla besucht die Familie ihrer verstorbenen Mutter in Marokko nach langer Zeit wieder und muss ihre Kultur ganz neu kennenlernen.
Doch der Spagat zwischen den Vorstellungen einer deutschen Kultur und einer marokkanischen Kultur ist nicht alles, was Neyla in diesem Sommer meistern muss. Adam, ihr ausgedachter Freund aus ihrer Kindheit, ist tatsächlich real und während Neyla ihn schon beinahe vergessen hat, hat Adam jeden Sommer auf sie gewartet.
Sommer, Familie, Herzschmerz. So könnte man das Buch perfekt zusammenfassen. Die Liebesgeschichte war wirklich berührend, doch sie hat etwas angestoßen, was ich noch viel wichtiger finde: sie bringt Neyla dazu, sich mit der marokkanischen Kultur und ihrem kulturellen Erbe auseinanderzusetzen. Als Kind, das zwischen zwei Welten groß geworden ist, hatte sie nie das Gefühl, in auch nur eine davon wirklich zuzugehören. Was sie in einem einzigen Sommer lernt, ist wichtig für Neyla und wichtig für die Lesenden.
Ich hatte zu Beginn des Lesens Sorge, Neylas Reise zu sich selbst nicht nachvollziehen zu können, wie es Menschen aus mehreren kulturellen Einflüssen können. Diese Sorge war völlig unbegründet!
Es hat mich viel eher verstehen lassen, was unsensible Kommentare bewirken. Wie sehr der Leidensdruck ist, wenn man das Gefühl hat, sich ständig anpassen zu müssen, um anderen nicht auf die Füße zu treten.
Wir brauchen dieses Buch. Nicht nur, wenn wir uns zwischen zwei oder mehreren Welten bewegen, sondern auch, wenn wir Heimat und Verwurzelung näher begreifen wollen.
»Mit dir bin ich echt« ist ein bewegendes Sommerbuch, dass keine Angst vor komplizierten Themen hat.