In den Naturwissenschaften heißt es, alles Existierende könne als eine "Zusammensetzung der Materie" und folglich als "Stoff" begriffen werden. Von den Rechtswissenschaften kaum bemerkt, zog diese Logik in zahlreiche Strukturen des Rechts ein und wirft dort immer drängendere Fragen auf. Stefanie Merenyi untersucht diese unter anderem aus rechtsphilosophischer und rechtstheoretischer Perspektive.
In natural sciences it is said that everything that exists can be understood as a "composition of matter," i. e. , as a substance. Barely noticed by jurisprudence, this logic was incorporated into numerous structures of law where it raises more and more urgent questions. Stefanie Merenyi examines these questions among others from a legal philosophical and theoretical perspective.
The work was awarded the University of Frankfurt's Baker McKenzie prize for 2018. Seit einigen Jahrzehnten kennt das öffentliche Recht das "Stoffrecht", seit mehreren Jahrhunderten kennt das Patentrecht den "Stoffschutz", viele weitere Normen, z. B. des Straf-, Zivil- und Welthandelsrechts kennen heute den naturwissenschaftlich geprägten Begriff "Stoff" - doch seine Bedeutung im Recht wurde bisher kaum näher untersucht. Diese Besonderheit dürfte in dem Umstand begründet sein, dass mit dem "Stoff" nicht weniger als ein neues Weltbild in das Recht eingezogen ist, nämlich das naturwissenschaftlich-materialistische Weltbild. Dieser Umstand wirft schwerwiegende, u. a. rechtsphilosophische und rechtstheoretische Folgefragen auf, denen sich die Rechtswissenschaft bisher kaum angenommen hat. Letztlich scheint der Einzug des Stoffbegriffs in das Recht demselben nicht weniger abzuverlangen, als die Ermöglichung einer sinnvollen Koexistenz verschiedener Sichtweisen auf die Welt.
Die Arbeit wurde mit dem Baker McKenzie Preis 2018 der Universität Frankfurt/Main ausgezeichnet.