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Homosexualität und Staatsräson

Männlichkeit, Homophobie und Politik in Deutschland 1900-1945.
Buch (kartoniert)
Als zwischen 1906 und 1908 der Fürst Eulenburg, enger Berater Wilhelms II., zusammen mit einigen Freunden wegen Homosexualität vor Gericht stand, sprach die Presse von einer homosexuellen Verschwörung. Homosexuellen wurde unterstellt, die Männlichkei … weiterlesen
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Produktdetails

Titel: Homosexualität und Staatsräson
Autor/en: Susanne Zur Nieden, Harry Oosterhuis, Marita Keilson-Lauritz, Claudia Bruns, Anson Rabinbach

ISBN: 3593377497
EAN: 9783593377490
Männlichkeit, Homophobie und Politik in Deutschland 1900-1945.
Herausgegeben von Susanne Zur Nieden
Campus Verlag GmbH

9. Mai 2005 - kartoniert - 308 Seiten

Beschreibung

Als zwischen 1906 und 1908 der Fürst Eulenburg, enger Berater Wilhelms II., zusammen mit einigen Freunden wegen Homosexualität vor Gericht stand, sprach die Presse von einer homosexuellen Verschwörung. Homosexuellen wurde unterstellt, die Männlichkeit des Staates und damit den exklusiv männlichen Herrschaftsanspruch infrage zu stellen. Die Autorinnen und Autoren des Bandes beschreiben die Entstehung und Popularisierung der Figur des homosexuellen Staatsfeindes für die Zeit bis 1945 - und zeigen, dass die Verknüpfung von
(Homo-)Sexualität und Politik auch über das Dritte Reich hinaus fortbestand.

Inhaltsverzeichnis

Einleitung
Susanne zur Nieden

Teil I: 1900 bis 1933

Homophobie und Staatsräson
Susanne zur Nieden

Skandale im Beraterkreis um Kaiser Wilhelm II.
Die homoerotische "Verbündelung" der "Liebenberger
Tafelrunde" als Politikum
Claudia Bruns

Tanten, Kerle und Skandale
Die Geburt des "modernen Homosexuellen"
aus den Flügelkämpfen der Emanzipation
Marita Keilson-Lauritz

Der homosexuelle Staatsfreund
Von der Konstruktion des erotischen Männerbunds
bei Hans Blüher
Claudia Bruns

Vom fragwürdigen Zauber männlicher Schönheit
Politik und Homoerotik in Leben und Werk
von Thomas und Klaus Mann
Harry Oosterhuis

Aufstieg und Fall des virilen Männerhelden
Der Skandal um Ernst Röhm und seine Ermordung
Susanne zur Nieden

Van der Lubbe - ein Lustknabe Röhms?
Die politische Dramaturgie der Exilkampagne
zum Reichstagsbrand
Anson Rabinbach

Teil II: 1934 bis 1945

Vom Staatsfeind zum Volksfeind
Zur Radikalisierung der Homosexuellenverfolgung
im Zusammenwirken von Polizei und Justiz
Andreas Pretzel

"Streng vertraulich!"
Die Bekämpfung "gleichgeschlechtlicher Verfehlungen"
in der Hitlerjugend
Armin Nolzen

"Planmäßige Ausschlachtung der Sittlichkeitsprozesse"
Die Kampagne gegen katholische Ordensangehörige
und Priester 1936/37
Wolfgang Dierker

Heimtückische Nachrede
Zur Strafverfolgung von Gerüchten über die
Homosexualität führender Politiker in der NS-Zeit
Bernward Dörner

Autorinnen und Autoren

Portrait

Susanne zur Nieden, Dr. phil., ist Historikerin in Berlin.

Leseprobe

Aufstieg und Fall des virilen Männerhelden Der Skandal um Ernst Röhm und seine Ermordung (S. 147-148)
Susanne zur Nieden

Zum Jahreswechsel 1933/34 veröffentlichte der Völkische Beobachter einen Brief Adolf Hitlers, in dem dieser sich in den wärmsten Worten an Ernst Röhm wandte:

Am Abschluß des Jahres der nationalsozialistischen Revolution drängt es mich daher, Dir, mein lieber Röhm, für die unvergänglichen Verdienste zu danken [...] und Dir zu versichern, wie sehr ich dem Schicksal dankbar bin, solche Männer wie Dich als meinen Freund und Kampfgenossen bezeichnen zu dürfen. In herzlicher und dankbarer Würdigung gez. Dein Adolf Hitler (Röhm 1934: 191f.).

Eine solche Auszeichnung kam nicht von ungefähr. Im ersten Jahr der nationalsozialistischen Herrschaft gehörte Röhm zum kleinen Kreis der mächtigsten Männer im Deutschen Reich. Er hatte zwar Feinde in der NSDAP, war aber bei vielen NS-Anhängern ausgesprochen populär und als Stabsführer der Sturmabteilung, des bedingungslos gewaltbereiten paramilitärischen Flügels der NS-Bewegung, bei seinen Gegnern gefürchtet. Die Wochenbeilage des Völkischen Beobachters, Der SA-Mann, überhäufte Röhm in fast jeder Ausgabe mit Ehrenbekundungen. Kaum jemand mochte sich zu diesem Zeitpunkt noch daran erinnern, dass der mächtige Stabsführer, dessen SA seit Beginn des Jahres 1933 täglich Menschen terrorisierte und verhaftete, misshandelte und nicht selten zu Tode folterte, sich keine zwei Jahre zuvor, 1931 und 1932, mehrerer für ihn höchst peinlicher Verhöre bei der Münchener Kriminalpolizei hatte unterziehen müssen. Tatsächlich war Röhm damals nur knapp einer Anklage wegen gleichgeschlechtlicher sexueller Kontakte zwischen Männern nach 175 des Strafgesetzbuches entgangen.

1928 hatte Ernst Röhm mit der Geschichte eines Hochverräters eine Art Zwischenbilanz seines Lebens vorgelegt. Die Autobiografie des damals 40-Jährigen war nicht vom Standpun
kt eines Mannes geschrieben, der glaubte, die Macht mit Händen greifen zu können. Sie erzählte vielmehr die Geschichte seines politischen Kampfes aus der Perspektive eines gesellschaftlichen Außenseiters. Wegen seiner Teilnahme am gescheiterten Hitler-Putsch im Jahr 1923 aus der Wehrmacht entlassen und als Hochverräter vorbestraft, hatte Röhm sich 1925 mit dem aus der Haft entlassenen Adolf Hitler politisch überworfen und seine Parteiämter aus Protest niedergelegt. Beruflich in prekärer Situation sowie politisch isoliert, verließ Röhm Deutschland Ende 1928 und nahm in Bolivien eine Arbeit als militärischer Ausbilder an. Noch gab es also keine Anzeichen für jenen rasanten politischen Aufstieg, der Röhms Leben schon bald verändern sollte. Nichts deutete darauf hin, dass er bereits 1933 als Stabsführer der SA, Reichsminister, bayerischer Staatsminister und enger Vertrauter Adolf Hitlers für kurze Zeit zu den mächtigsten Männern im NS-Staat gehören würde.

Auf dem Höhepunkt der Macht beschäftigte sich Röhm mit seinem Nachruhm. Er überarbeitete seine Autobiografie für eine Volksausgabe, die im Herbst 1933 erschien. Er ergänzte den Lebensbericht um die Jahre 1928 bis 1931, brach ihn aber unvermittelt mit den Worten ab: Ob die Schilderung dieses Kampfabschnittes dereinst ein Kapitel zur Geschichte eines Hochverräters wird, bleibt wohl auch besser für heute unentschieden. (Bennecke 1963: 183) Im Herbst 1934 wurden Ausschnitte der Autobiografie unter dem Titel Memoiren des Stabschefs Röhm in einer von NS-Gegnern anonym und in denunziatorischer Absicht herausgegebenen Broschüre ein weiteres Mal veröffentlicht. Um die Bevölkerung über Röhms Verstöße gegen geltende Moralvorstellungen und die verbrecherische Skrupellosigkeit des NS-Regimes aufzuklären, fingierten unbekannte Verfasser ein weiteres Kapitel, über jene Jahre, die Ernst Röhm in der Geschichte eines Hochverräters ausgespart hatte, und veröffentlichten zusätzliche Dokumente über die kurze Phase des Aufstiegs und
Falls des Stabschef bis zu seiner von Hitler angeordneten Ermordung am 1. August 1934. Im Mittelpunkt der Dokumentation standen drei Briefe an den Mediziner Karl Günter Heimsoth, die Röhm Ende 1928 in München und zu Beginn des Jahres 1929 in Bolivien geschrieben hatte, und die 1931 den Röhm- Skandal ausgelöst hatten. In einer Kampagne zog die Presse, allen voran sozialdemokratische Zeitungen, alle Register der Sexualdenunziation und brandmarkte Röhms Vorliebe für gleichgeschlechtliche Affären.

Pressestimmen

Homos als Staatsfeinde
"Der Band legt in zahlreichen fundierten Beiträgen die Wurzeln der diskursiven Verknüpfung von Sexualität und Politik offen." (Die Tageszeitung, 18.06.2005)

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