Sehr spannender Prolog, dann flacht Spannung ab. Ende war zwar gut, aber auch zum Haareraufen. Hardys Geschichte am interessantesten.
Sabine Nemez, BKA-Ermittlerin und Ausbilderin, wird misstrauisch, als mehrere BKA-Beamte Selbstmorde begehen. Sie rüttelte eine jahrzehntealte Geschichte auf. Hardy ist gerade aus dem Gefängnis entlassen und möchte Rache nehmen, an dem, was ihm angetan wurde. Sneijder, welcher suspendiert vom BKA wurde, ratet Sabine und ihrer Kollegin Tina Martinelli dringend davon ab, diesem Fall weiternachzugehen. Doch als weitere Menschen ums Leben kommen und schließlich Sabine verschwindet, kann Sneijder nicht anders, als sich selbst in die Geschehnisse einzumischen. Der Thriller ist sehr gut gestartet. Im Prolog trifft man auf einen Truckfahrer, der aus dem Nachrichten hört, dass sich in seiner Richtung auf der Autobahn ein Falschfahrer befindet. Er schließt sich mit zwei Kollegen zusammen und zusammen blockieren sie die Autobahn, um den Geisterfahrer zu stoppen. Doch leider hat dieser vor, sich umzubringen und rast somit in den LKW der Sichtperson.Das war sehr gut beschrieben. Ich habe mitgefiebert und vor allem ist auch der Truckfahrer sehr authentisch rübergekommen, wobei wohl die wenigsten bereit wären, ihr eigenes Leben so zu riskieren. Doch der Prolog hat mich direkt angefixt und ich wollte unbedingt wissen, was dahintersteckt. Es kam zu weiteren Todesfällen, auch von bekannten Personen und langsam habe ich mich wirklich gefragt, was hier abgeht. Allgemein sind die Figuren wie Fliegen in dem Band gestorben.Sabine und Tina haben sich in Ermittlungen verloren und die Spannung ist für mich stark gesunken. Sneijder war auch keine besondere Hilfe, der anfangs nur wenig Interesse an dem Fall zeigte. Natürlich hat er wie immer sein eigenes Süppchen gekocht. Bei Sneijder bin ich sowieso immer hin- und hergerissen, ob ich ihn absolut nervig finde oder ihn als Original sehe. In diesem Band ist das besonders zu Tage getreten. Aber gerade in der kribbligen Endphase fand ich dann Sneijder wesentlich angenehmer als Sabine. Die neigt ja sowieso dazu, sehr unkluge Entscheidungen zu treffen, weshalb sie sich ja in so eine heikle Lage gebracht hat, aber hier hat sie es auf die Spitze getrieben. Was mich an Beiden aber stört, die wirken teils wie Übermenschen. Adrenalin hin oder her, gute polizeiliche Ausbildung auch noch akzeptiert, aber nicht, wenn ihr Gegner genauso ausgebildet wurde. Das kann ich dann nicht als bare Münze nehmen und stört mich extrem, wenn es unrealistisch wirkt.Der Band hat mich leider etwas an den zweiten Band erinnert, den ich auch an manchen Stellen an den Haaren herbeigezogen fand, aber dort wegen der Polizeiakedemie im Besonderen und damit deutlich schwächer als die anderen beiden empfand. Hier war es ja im Einsatz und diese ganze Vertuschung... Sneijders Begründung, warum er das nicht schon vor Jahren hat auffliegen lassen, war schon sehr mau. Er kämpft ja immer so sehr für seine Fälle und da... versagt er einfach. Ich fand, das hat nicht richtig zu Sneijder gepasst und wurde sich auf Biegen und Brechen so hin gebastelt, damit es zur erzählten Geschichte passt. Ein paar Worte zum Ende (allerdings als Spoiler, weil es nicht anders geht):Sabine war 24 Stunden bei Eisner eingesperrt, mit keinen Essen, wenig Trinken und wurde zu allem Unglück auch noch gefoltert. Sneijder befreit sie und ihre Wege trennen sich erneut. Sie trifft sich mit Tina, schickt diese dann aber um das BKA zu informieren und geht selbst zu Hardy, um diesen festzunehmen. Hallo? Erstens war dieser Alleingang totaler Blödsinn, besonders als sie dann auch noch allein ins Hallenbad gegangen ist und dann habe ich mich gefragt, warum sie nicht mit Tina die Rollen getauscht hat. In ihrem Zustand wäre es sicherer gewesen, sie hätte sich ums BKA gekümmert und Tina, mit klaren Verstand, um Hardy, die ja auch das Smartphone seiner Freundin hatte, welches die Entführer natürlich in ihrer Wohnung liegen lassen haben. Eigentlich auch so ein dummer Punkt, aber naja. Ich sag ja, dass Sabine wie ein Übermensch rüberkam, wenn diese nach den 24 Stunden noch zu so einer Aktion fähig ist. Normalerweise hätte sie gar nicht mehr die Kraft dazu haben dürfen. Das fand ich sehr konstruiert an der Geschichte, weil man halt Sabine als Protagonistin schicken wollte, anstatt den logischen Tausch auszuführen.Und dann sind die in dem Hallenbad (Sabine, Sneijder und Hardy vereint) und die Gegenseite kommt. Sie trennen sich, was ich schon fraglich fand, aber dann lässt Sabine Hardy ohne Waffe gehen. Wie sollte der sich verteidigen? Aber natürlich findet er als einziger einen Ausgang (gut, er kannte das Bad wahrscheinlich am besten, da mag ich den Punkt noch geben). Aber Sabines Sturheit an mancher Stelle war schon sehr anstrengend. Am spannendsten fand ich tatsächlich Hardys Geschichte. Am Anfang dachte ich zwar, dass das ein ziemlicher Blödmann ist. Doch ich wurde nach und nach umgestimmt. Ich kann mit solch brutalen Typen nichts anfangen, aber dann hat man Rückblenden bekommen, wie er aufgewachsen ist, wie er in die Situation gekommen ist und dass unter seiner harten Schale, wie so oft ein weicher Kern steckt. Seine Geschichte war spannend, berührend und in gewisser Weise auch nachvollziehbar. Klar, ich hätte nicht solche krummen Dinger gedreht, aber Hardy war ein interessanter Typ, der die Scheiße aber irgendwie angezogen hat.Auf jeden Fall hat es dazu geführt, dass ich teils viel lieber aus seiner Sicht gelesen habe, weil ich sein Handeln nachvollziehbarer fand, als Sabines kopfloses Rumgerenne oder Sneijders mysteriöses Handeln, nur um ihn als Figur noch interessanter zu machen. Da war dann der böse Bube am authentischsten, was nicht für die Ermittler spricht. Fazit:Das Buch hat mit einer der stärksten und spannendsten Anfangsszenen begonnen, aber dann leider stark nachgelassen. Die Ermittlungen waren leider teils ermüdend und das Handeln, als es dann wieder spannend wurde, von Sabine, war frustrierend. Der Lichtblick in dem Buch war tatsächlich Hardys Geschichte. 3 Sterne.