"Altes Land" war perfekt geeignet für unsere April-Runde des Büchertreffs. Die 1,5 Stunden Austausch vergingen wie im Flug.
Dieser Roman stand schon lange ungelesen in meinem Bücherregal. Als ich die Buchauswahl für unseren Buchclub in Bergen auf Rügen getroffen habe, kam es spontan mit auf die Leseliste. Bereits 2015 erschienen wurde es endlich Zeit dafür. Fazit: "Altes Land" las sich so gut und war perfekt geeignet für unsere April-Runde. Die 1,5 Stunden Austausch vergingen wie im Flug.Dörte Hansen erzählt im Großen und Ganzen die Geschichte der Frauen Vera Eckhoff und ihrer Nichte Anne. Beide verlieren ihren Halt, ihr Zuhause - aus ganz unterschiedlichen Gründen und zu unterschiedlichen Lebzeiten. Beide finden nach großen Startschwierigkeiten ihre neue Heimat in einem Bauernhaus im Alten Land. Vera kommt zu Kriegszeiten als Flüchtling mit ihrer Mutter aus Ostpreußen und erbt später als adoptiertes Kind das Bauernhaus. Richtiger Teil der Dorfgemeinschaft wird sie nie. Jahrzehnte später flieht Anne aus Hamburg, genau dorthin - vor dem Betrug ihres Partners und Vater ihrer Kinder, vor der Großstadt, vor ihrem eingestürzten Leben. Beide sind grundverschieden und doch entsteht Stück für Stück ein zartes Band. Eine Familie. Ein Neuanfang.Ich mochte vieles an diesem Buch. Die Beschreibungen des Alten Landes, die sehr authentisch erscheinen - Dörte Hansen lebt dort seit vielen Jahren und das habe ich in jeder Zeile gespürt. Ich fand Themen wie Flucht, Heimatlosigkeit oder das Leben in einer Dorfgemeinschaft in all ihren Facetten ganz wunderbar erzählt. Feinfühlig und gleichzeitig trocken, aber dennoch mit einer großen Prise Humor. Die Hauptcharaktere sind ehrlich, glaubwürdig. Die Nebenfiguren, aus deren Sicht ebenfalls berichtet wird, machen die Geschichte rund. Anschaulich. Mehrdimensional. Und am Ende hat mich sehr berührt, wie sich Vera und Anne annähern. Wie sich Stück für Stück ihr Leben wandelt. Wie sagt man so schön? Heimat ist kein Ort, Heimat ist ein Gefühl.