Sophie steckt fest in ihrem Leben. Also macht sie das wovon garantiert jeder von uns schon einmal geträumt hat: Sie schlägt sämtliche Zweifel in den Wind und kauft ein Haus in der Provinz.
Dass das Haus in der Ostdeutschen Provinz liegt und dazu noch ziemlich runtergekommen ist, ist erst mal aufgrund des Preises zu verschmerzen. Dass das Haus mitten im nichts liegt und sie dort ziemlich allein sein wird ist willkommen und trägt zur einzigartigen Stimmung im Roman bei.
Ein bisschen fühlt man sich beim Lesen nämlich selbst als würde man träge im trockenen Gras liegen und von Sonnenstrahlen gekitzelt werden.
Anna Katharina Scheidemantel hat einen wunderschönen Schreibstil, der es uns Lesenden sehr leicht macht sich wie Protagonistin Sophie zu fühlen, das alte Haus zu riechen, das surren der Insekten zu hören und auch gleichzeitig die Überforderung zu fühlen um danach in Aktionismus auszubrechen (ich gestehe, ich habe beim Lesen selbst nach zu renovierenden Häusern auf Kleinanzeigen gesucht).
Scheidemantel schafft es dabei meisterlich die leisen Töne zu treffen. Gekonnt und zart webt sie in Sophies Geschichte die großen Fragen denen man sich mit Mitte 20 (und auch noch danach, zumindest bei mir) gegenüber stehen sieht. Sophie wirkt gleichermaßen gefasst, wie verloren. Auf der Isomatte gekonnt eingebettet zwischen gesellschaftlicher Verpflichtung und aus dem Hamsterrad ausgestiegenen Hausbesitzer Pflichten.
Dabei ist es, wie mit den Tagen am Haus: Es muss nicht immer alles sofort zielführend sein. Man darf sich auch mal treiben lassen und den Moment genießen.
Ich hätte nicht gedacht, dass ein Buch bei dem es über lange Strecken kaum bis keine anderen Menschen gibt als die Protagonistin allein mit ihren Gedanken so gut funktionieren kann. Und doch ist gerade das auch ein großer Reiz der Geschichte.
Definitiv haben wir hier einen Roman der lange in meinem Herzen bleiben wird und ein ganz wundervolles, etwas verfrühtes Sommergefühl in mir heraufbeschworen hat und nicht nur das. Auch ein Gefühl von glücklichem, friedlichen einfach Existieren ohne zwingend für das große Ganze etwas leisten zu müssen. Ich glaube das habe ich so zuletzt als Kind empfunden.
Danke Pola, dass ihr diesem besonderen Buch einen Platz in eurem Verlagsprogramm gegeben hat.
"Statt aus dem Fenster zu schauen" zu lesen, ist wie über eine Sommerwiese zu streifen und zwischen getrocknetem Gras und Ähren plötzlich Mohnblumen zu finden: Wunderschön, beruhigend und so zart dass man sich einfach nur an ihrem Anblick erfreuen möchte. Eine Atempause im hektischem Alltag und ein Weckruf auch seinen Träumen Raum im Leben zu geben.