Gut
Ich fand diesen Teil wirklich gut, auch wenn ich sagen muss, dass er dem ersten Band in einigen Punkten sehr ähnelt. Irgendwann scheinen die Möglichkeiten für völlig neue Ideen natürlich begrenzt zu sein. Das ist aber keineswegs negativ gemeint, sondern lediglich eine Beobachtung. Denn wie schon im ersten Teil haben wir es nicht mit einem klassischen Serienmörder zu tun, der wahllos Menschen tötet. Stattdessen erleben wir erneut einen Täter, der einst selbst Opfer war und sich zur Aufgabe gemacht hat, dort Gerechtigkeit walten zu lassen, wo der Rechtsstaat versagt hat - oder in diesem Fall sogar ein Organ des Rechtsstaats, nämlich das BKA, selbst Schuld auf sich geladen hat.Wir erleben also einen großen Rachefeldzug, und hier zeigt Andreas Gruber einmal mehr seinen Einfallsreichtum. Besonders spannend fand ich die Art und Weise, wie die Morde inszeniert werden. Sie sehen wie Selbstmorde aus und sind so geschickt geplant, dass zunächst kaum Verdacht auf Fremdeinwirkung fällt. Erst die Verbindung der Opfer zueinander ruft unsere bekannten Ermittler auf den Plan.Außerdem wurde mir in diesem Band immer deutlicher, wie sehr die einzelnen Teile der Reihe miteinander verknüpft sind. Den ersten Band kann man zur Not noch als eigenständigen Thriller lesen, spätestens beim vierten Teil merkt man aber, dass man die Reihenfolge einhalten sollte. Wir erleben einen suspendierten Maarten S. Sneijder, der sich zunächst aus den Ermittlungen heraushalten möchte, gleichzeitig aber deutlich mehr über die Hintergründe weiß, als er anfangs zugibt.Ich muss sagen, dass Maarten für mich immer mehr zur eigentlichen Schlüsselfigur der Reihe wird, während Sabine Nemez für mich die Heldin der Geschichten bleibt. Besonders interessant fand ich, dass Sneijder auch in diesem Band wieder mehr über die Hintergründe weiß, als er zunächst preisgeben möchte. Dadurch wirkt er oft wie jemand, der den Ermittlungen mehrere Schritte voraus ist und die Handlung maßgeblich mitlenkt, auch wenn Sabine im Mittelpunkt der eigentlichen Ermittlungsarbeit steht.Insgesamt bleibt zu sagen, dass es wieder ein starker Thriller geworden ist. Anders als bei den ersten drei Bänden empfand ich diesen als sehr zügig zu lesen. Die Handlung entwickelt sich schnell, und ich hatte das Gefühl, nur so durch die Kapitel zu fliegen. Ob diese tatsächlich kürzer waren oder es einfach am Erzähltempo lag, kann ich allerdings nicht mit Sicherheit sagen.Besonders gefallen hat mir auch die Entwicklung der Beziehung zwischen Maarten und Sabine. Ihr Zusammenspiel geht diesmal ein Stück über das übliche Geplänkel hinaus. Durch die Ereignisse, die Sabine widerfahren, entsteht eine emotionalere Ebene zwischen den beiden. Darauf möchte ich aber nicht näher eingehen, um nicht zu viel zu spoilern.Meine Empfehlung ist daher ganz klar: Wer die ersten drei Bände gelesen hat, sollte auch hier zugreifen. Ich bin jetzt bei der Halbzeit der Reihe angekommen und bin sehr gespannt, wie sich die Geschichte weiterentwickelt.Vier Sterne.