Spoilerfreie Meinung¿Nachdem ich einen historischen Roman über Annette von Droste-Hülshoff gelesen habe & mich weiter mit ihr beschäftigte, wollte ich auch endlich mal eines ihrer bekanntesten Werke lesen. Es finden viele Gedanken Platz, die auch heute gesellschaftlich relevant sind. Trotzdem muss ich der Realität auch ins Auge sehen: Der Schreibstil entspricht nicht mehr dem heute gängigen. Das machte es für mich anstrengend zu lesen. Achtung, ab hier folgen Spoiler¿Setting ¿¿Die Natur und auch das Dorf B. wurden eindrucksvoll beschrieben. Gut zurechtfinden konnte ich mich aber nicht. Vieles wurde (für die damalige Zeit typisch) metaphorisch angerissen, aus meiner heutigen Leseweise schwierig zu verstehen.Charaktere ¿¿¿Bei anderen Romanen teile ich hier meine Gedanken & Analysen zu Personen. Da es so ein komplexes Buch ist, dem sich schon viele Literaturwissenschaftler angenommen haben, verweise ich an dieser Stelle auf das Internet & Lektüreschlüssel.Aber warum bewerte ich es trotzdem mit 3 Sternen?Aus meiner nicht-literaturwissenschaftlichen heutigen Perspektive waren die Charaktere zwar vielschichtig, aber kaum beleuchtet. Als Leserin hatte ich nicht das Gefühl, alle gut zu kennen. Auch warum genau der Mord begangen wurde, wird fast nebenbei erläutert. Trotzdem finde ich die Vielschichtigkeit der Charaktere sehr interessant, mit der man sich definitiv weiter auseinandersetzen könnte.Handlung ¿¿¿Die Idee und gerade die psychologische Betrachtung (dass ein Mensch durch die Gesellschaft geformt ist, und die Gesellschaft von Vorurteilen lebt) ist fast modern und interessant zu lesen. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass es keine wirklichen Anstiege von Spannung gab. Es fühlte sich monoton an. Adele Schopenhauer schrieb dazu (zitiert im Reclam Lektüreschlüssel): "Die Details sind wunderbar wahr und schön gegeben, aber die Hauptmomente treten nicht genügend hervor." Da kann ich mich nur anschließen. Es gibt aktuelle Themen wie z.B. folgendes:[Es] hatte sich neben dem gesetzlichen ein zweites Recht gebildet, ein Recht der öffentlichen Meinung, der Gewohnheit und der durch Vernachlässigung entstandenen Verjährung. Die Diskussion von Diskriminierung von Frauen fand auch ihren Platz im Buch: Am Abend vor der Hochzeit soll sie gesagt haben: "Eine Frau, die von ihrem Mann übel behandelt wird, ist dumm oder taugt nicht: wenns mir schlecht geht, so sagt, es liege an mir." Der Erfolg zeigte leider, dass sie ihre Kräfte überschätzt hatte.Ich finde es irgendwie total interessiert, dass auch damals der "I can change him" Gedanke schon präsent war und von Droste-Hülshoff debattiert wurde. Auch der Glaube an Gott war Inhalt des Buches. Hierbei wurde vorallem auch Wert auf die gesellschaftliche Betrachtung gelegt, was auch heute in der christlichen Religion eine große Rolle spielt:Denk an die zehn Gebote: du sollst kein Zeugnis ablegen gegen deinen Nächsten." - "Kein falsches"" - "Nein, gar keines; du bist schlecht unterrichtet; wer einen andern in der Beichte anklagt, der empfängt das Sakrament unwürdig"Oder auch Gedanken wie:Es ist nicht recht, dass der Unschuldige für den Schuldigen leide.Schreibstil-Gefühl ¿¿¿Man muss beim Überbringen der Emotionen natürlich den Zeitgeist betrachten. Aus heutiger Sicht sind es sehr lange Sätze, die ich als angstrengend zu lesen, wahrnahm. Ein bisschen schmunzeln musste ich bei einigen Wörtern, die man heute wieder in der Jugendsprache findet, damals aber zum alltäglichen Sprachgebrauch gehörten:war sie dahin gekommen, zu denken, ihr Bruder Simon könne sogottlos nicht sein, [..]Unterhaltung ¿¿Ich habe die Novelle gelesen, weil ich mich mit Annette von Droste-Hülshoff beschäftigt habe. Ihre (für die damalige Zeit) fortschrittliche Gedanken wurden hier für mich auch sichtbar. Trotzdem war es für mich anstrengend zu lesen und war fast froh, dass es sich nur um eine Novelle handelt.