"Sie würde Loyalität vortäuschen, weil sie glaubte, dies sei ihre einzige Chance, ihre einzige Möglichkeit, dort zu leben, wo sie geboren war und dennoch das anzustreben, was sie wollte. Sie würde das Spiel mitspielen ..."
Kapitel 14
Maja und Natascha wurden unmittelbar vor der Invasion der Nazis in Leningrad geboren, aufgewachsen bei einer Freundin ihrer toten Mutter, haben nur ein Ziel: Ballett! Als Schülerinnen der Waganowa und mit dem Talent ihrer Mutter gesegnet, steht den beiden Mädchen die Tür zum Kirow-Ensemble und internationalen Auftritten offen. Doch ein neues Gesetz verbietet es, dass zwei Mitglieder einer Familie gleichzeitig ins Ausland reisen. Somit ist klar, nur eine kann einen der begehrten Plätze im Kirow bekommen!
Eigentlich haben die Zwillinge nur einander und sind wie Pech und Schwefel. Gemeinsam wollten sie ins Kirow! Doch nun macht ihr Heimatland mit seinen Gesetzen sie zu Rivalinnen. Weniger aufgrund von Ehrgeiz, sondern mehr aus Angst um ihre Schwester, trifft Maja eine Entscheidung mit ungeahnten Folgen. Es ist Liebe, die die beiden Schwestern verbindet, und Liebe, die sie zu erbitterten Feindinnen werden lässt.
Ich bin ohne jegliches Vorwissen in dieses Buch gegangen. Weder habe ich mich mit Ballett beschäftigt, noch bin ich besonders gut mit der Geschichte der Sowjetunion vertraut. Elyse Durham bringt uns mit "Maja & Natascha" beides näher. Die Harmonie des Tanzes, den Ehrgeiz der Schüler und Schülerinnen, das beinharte Training, aber auch die willkürlichen Gesetze, strengen Regeln und Kontrollen in einem kommunistischen Land. Sie lässt auch immer wieder historische Fakten einfließen.
Für mich war es schwer, die Fakten von den fitkiven Teilen der Geschichte abzugrenzen. Manche Ereignisse, die maßgeblich zur Geschichte des Landes beigetragen haben, werden so kurz angedeutet, dass ich mir etwas mehr Information gewünscht hätte, um auch dem Rahmen des Romans gut folgen zu können.
Das Buch ist geprägt von großen Zeitsprüngen, erst die dramatische Geburt der Mädchen 1941, dann ihre Jugend an der Waganowa 1958, bis zu jenem schicksalhaften Auftritt - und dann weiter zu 1962. Die Schwestern haben gelernt, mit den Folgen zu leben und versuchen, jede auf ihre Art, damit fertigzuwerden und ein gutes Leben zu führen.
Manchmal haben mich die großen Lücken und auch die angedeuteten weltpolitischen Ereignisse etwas verwirrt und auch aus dem Fluss gerissen. Neben dem Ballett handelt der Roman auch viel von der sowjetischen Verfilmung von "Krieg und Frieden", ein interessanter Handlungsstrang. Eine große Unbekannte ist auch der Vater der Mädchen, hier gibt es ebenfalls einige vage Hinweise, aber keine wirkliche Erklärung.
"Maja & Natascha" punktet allem mit viel Flair und Einblicken in eine fremde Kultur. Es war manchmal sehr beängstigend zu hören, in welche Bereiche die Regierung Einblick und Einfluss hatte, und zu welchen Taten das die Sowjets brachte. Gerade das wurde in der Dynamik der Zwillingsschwestern sehr gut herausgearbeitet.
Fazit:
Ballett in der Sowjetunion in den Nachkriegsjahren mit viel Zeitgeist.