In der Identitätsproblematik überschneiden sich aktuelle Sinnfragen mit klassischen Themen der Anthropologie. Christopher Zarnow entfaltet die Theoriepotentiale des Identitätsbegriffs im Durchgang durch die neuzeitliche Philosophie und die moderne Sozialpsychologie. Identität, so wird gezeigt, hat eine religiöse Dimension, in der sich zentrale Symbole des christlichen Glaubens neu erschließen.
The question of one's own identity is one of the basic questions of human experience. It arises in certain developmental stages of a person's life, in response to drastic changes or blows of fate, but also as an effect of the fragmentation of experiences into a myriad of roles which is typical of the modern age. Given the differentiation and diversification characterizing contemporary society, identity has become a widely discussed issue, and it is only natural that the topic of identity and that of religion overlap in various ways. The concept of religion can be defined in terms of processes of identity formation. However, questions of identity are themselves a topic of religious communication. In its symbols of creation, sin, salvation and consummation, material dogmatics deals with the entire spectrum of the religious reflection of the self. In der Identitätsthematik überschneiden sich anthropologische Grundfragen der personalen Existenz mit einer modernespezifischen Sinnproblematik. Die 'großen Themen' des menschlichen Lebens artikulieren sich gegenwärtig als Identitätsfragen. Die Identitätsthematik wird damit zum reflexiven Vollzugsort lebensgeschichtlicher Religion.
Christopher Zarnow legt die neuzeitlichen Wurzeln des Identitätsgedankens bei Locke, Leibniz und Kant frei, um vor diesem Hintergrund ein philosophisch vertieftes Verständnis des sozialpsychologischen Identitätsbegriffs (Mead, Goffman, Krappmann) zu gewinnen. In Auseinandersetzung mit neueren Ansätzen der Religionssoziologie und der Religionspsychologie bestimmt er die religiöse Dimension der Identität als Spannung von Sich-Gegebensein und Selbstentzogenheit. Die Materialdogmatik bearbeitet diese Spannung je auf ihre Weise in den Symbolen der Schöpfung, Sünde, Erlösung und Vollendung.