Ein Buch, das mit Leichtigkeit schwere Themen beschreibt.
Kodokushi ist ein japanischer Begriff für den "einsamen Tod" oder das "allein sterben", der das Versterben von sozial isolierten Menschen beschreibt, deren Leichen oft erst nach langer Zeit entdeckt werden und die niemanden vermisst hat. Oft ist die Einsamkeit selbst gewählt. In diesem Buch hat Milena Michiko Flašar diesen Menschen ein Denkmal gesetzt und ist ihn mit großem Respekt begegnet.Suzu hat es nicht leicht. Die alleinstehende Frau hat ihren Job verloren und verliert sich in träger Lethargie. Selbst ihr Hamster scheint sie nicht mehr zu mögen. Am liebsten würde sie nie mehr vor die Tür gehen. Doch das Geld wird knapp und so landet sie als Reinigungskraft bei Herrn Sakai. Dies ist aber nicht kein gewöhnlicher Putzjob! In erster Linie besuchen Sie Wohnungen, in denen Menschen vereinsamt verstarben, un im Anschluss die Wohnung von den physischen und materiellen Resten der Toten zu befreien. Suzu ist oft verhalten und irritiert, über die Umstände, in denen die Menschen gelebt haben. Doch ihr Arbeitgeber hat die Gabe ihr einerseits große Achtung vor dem Leben zu vermitteln und sie andererseits nachdrücklich dazu zu motivieren, aus sich heraus zu gehen. Langsam, aber sicher verändert sich Suzu.Wir erfahren viel über das Leben der verschiedenen Klienten und lernen, wie viele Formen der Einsamkeit es gibt. Begleitet von leisen Tönen, die aber eine unglaubliche Kraft ausstrahlen, reisen wir durch eine Wandlung in der Suzu von einer linkischen und wenig zugänglichen Persönlichkeit zu einem gefestigten Menschen, wird, der in einem ungewöhnlichen Beruf seine Erfüllung findet. Herr Sakai ist mit seiner gradlinigen aber zugewandten Ausstrahlung der Dreh- und Angelpunkt dieser Geschichte.Flašar scheint die Gabe zu besitzen, schweren Themen Leichtigkeit einzuhauchen. Eine feine Prise Humor würzt das Ganze ohne ihm den Ernst zu nehmen. Wenn über den Aggregatzustand der Toten oder deren Überreste gesprochen wird, so wirkt das nie sensationsheischend oder gar lächerlich. Die Würde der Verstorbenen wird jederzeit gewahrt. Ich habe mich sofort in die Sprache der Autorin verliebt. sie ist leicht, verständlich, poetisch und viele Sätze streicheln einen quasi durch das Papier.Ich empfehle das Buch allen, die einen Zugang zur japanischen Kultur über das Leben und den Tod haben möchten, die die feinen, sanften Bücher lieben, die es schaffen, schweren Themen die Bürde des Unaussprechlichen zu nehmen.