Upper Westside in Manhatten, 116th Street, Harlem im Jahr 1940.Lutie Johnson und ihr Sohn Bubb leben nach einigen Irrwegen in dieser Straße. Als junge alleinerziehende farbige Frau ist es 1940 bei Leibe nicht einfach das Leben zu bestreiten. Es herrscht Gewalt, Sexismus, Armut und Rassismus. In diesen gesellschaftlichen toxischen Cocktail versucht Lutie ihrem Sohn ein besseres Leben zu ermöglichen. Ihr Lohn deckt gerade so die Lebenskosten und die Miete für die Bruchbude im obersten Stock eines mittelgroßen Mehrparteienhaus. "The Street" war Ann Petry's Debüt-Roman und wurde 1946 veröffentlicht. Dieses Buch verkaufte sich 1,5 Millionen mal und wurde mehrfach ausgezeichnet. Ann hatten im Vergleich zu Lutie ein privilegiertes Leben. Als sie selbst in New York lebte, sah sie in welchen Verhältnisse Farbige in New York leben müssen. Das bewog sie darüber zu schreiben.Jetzt könnte die Frage aufkommen, hat dieses Buch potenzial? Meine kurze Antwort ist, ja.Ann hatte eine brillante Beobachtungsgabe und Einfühlungsvermögen. Ihre Romanfiguren haben eine Lebendigkeit bekommen die mir beim Lesen eine Gänsehaut bescherte. Auch das Umfeld beschrieb sie mitreißend realistisch. Ich musste immer kapitel weise lesen. Warum? Ich hatte das Gefühl ich öffne einen Theatervorhang und stecke meinen Kopf durch um alles zu beobachten. Ob sie den Kohlenkeller beschrieb wo der Super einheizte oder sie abermals verzweifelt über ihre Finanzen nachdachte. Ich war gefühlt der Schatten hinter der jeweiligen Szenerie.Der Hass der zwischen Weiße und Schwarze wird heiß serviert. Sei es die schwarze Köchin die von der weißen Dienstgeberin als läufige Hündin tituliert wird. Es wird immer brühwarm propagiert, wenn du hart genug arbeitest und Geld hast, dann hast du weniger Sorgen.Doch das Ende dieses Romans ist holprig bis unstimmig. Bis dahin kann ich dem Buch echt viel abgewinnen, aber das Ende hat mich ratlos hinterlassen. Trotz allem, ein lesenswertes Buch.