Messy, bissig, schmerzhaft ehrlich: Hot Mess zeigt, wie leicht man sich selbst verliert ¿ und wie schwer es ist, sich wiederzufinden.
"Hot Mess" von Sophie White ist genau das, was der Titel verspricht - ein emotionales Durcheinander aus Freundschaft, Identitätskrisen und dem Versuch, sich selbst nicht komplett zu verlieren.Was das Buch besonders stark macht, ist die Mischung aus bitterer Realität, Tragik und einem Humor, der teilweise so bissig ist, dass er fast schon weh tut - und genau deshalb so gut funktioniert.Im Zentrum stehen mehrere Frauen, die alle auf ihre eigene Weise vor einem Scherbenhaufen stehen. Besonders Joanne sticht für mich dabei heraus: frisch in der Mutterrolle, konfrontiert mit einem Leben, das plötzlich nicht mehr spontan, leicht oder "partyfähig" ist. Gerade dieser Bruch mit dem alten Selbst fühlt sich extrem authentisch an - vor allem, wenn man selbst erlebt, wie sehr sich Lebensrealitäten im Umfeld auseinanderentwickeln. Vielleicht fühlt sich Joanne für mich aber so nachvollziehbar an, weil ich vor kurzem Mutter geworden bin und sie das Buch hinweg stets nachvollziehen konnte.Claire hingegen ist schwieriger zu greifen. Ihr ständiges Gedankenkreisen ist nachvollziehbar, fast schon schmerzhaft real - aber ihr Verhalten gegenüber ihren Freundinnen wirkt lange frustrierend. Dieses Hinterherlaufen, trotz Ghosting und emotionaler Kälte, zeigt jedoch genau das, was das Buch so gut einfängt: wie sehr wir manchmal an Menschen festhalten, die uns längst losgelassen haben.Und dann ist da noch Aifric - Teil der "Bitch Bubble", die ihrem Namen alle Ehre macht. Besonders stark (und unangenehm realistisch) ist hier das Spiel mit emotionalen Brotkrumen: gerade genug Aufmerksamkeit, um Hoffnung zu schüren, aber nie genug für echte Verbindung. Eine Dynamik, die Claire in endlose Selbstanalysen treibt - und mich gleichermaßen wütend und betroffen zurücklässt. Wie kann man das der eigenen besten Freundin seit Kindheitstagen antun?Lexi bringt dagegen eine ruhigere, greifbarere Emotionalität ins Buch, während Figuren wie Jonathan klar als unsympathisch gezeichnet sind - im Kontrast zu überraschend liebenswerten Charakteren wie Bert (ja, sogar mit seinen nicht abgewaschenen Pfannen).Der Schreibstil ist zugänglich und lässt sich schnell lesen, wird aber immer wieder von Momenten durchbrochen, die schwer auszuhalten sind. Szenen wie der Junggesell:innenabschied oder der legendäre "Sauron"-Moment bei dem Mutter-Kind-Treffen zeigen, wie gut Sophie White Humor und Schmerz miteinander verwebt. Joanne fungiert dabei fast als Comic Relief - und bringt genau die Leichtigkeit rein, die man zwischendurch braucht.Besonders gelungen ist der Aufbau: Lange wirkt die Geschichte wie eine lose Sammlung von Perspektiven - bis sich gegen Ende die Puzzleteile plötzlich zusammenfügen. Und genau da entfaltet das Buch seine volle Wucht.Thematisch kreist alles um Fragen wie:<br data-start="2846" data-end="2849">Wer bin ich ohne meine Freund:innen? Und wer bin ich mit ihnen?<br data-start="2912" data-end="2915">Es geht um Selbstfindung, FOMO, psychische Belastungen, das Aufgehen in Rollen - und die Oberflächlichkeit sozialer Dynamiken.Am Ende bleibt ein Gefühl irgendwo zwischen Hoffnung und Nachdenklichkeit. Ein Happy End, das nicht kitschig ist, sondern verdient wirkt.- 4/5 Sterne