Schöne Liebesgeschichte, die sich um das "Entlieben" dreht
Normalerweise lese ich keine Liebesromane - das hat keinen richtigen Grund, außer dass ich mich sonst eher in einem anderen Genre (Fantasy oder Sachbücher) befinde. Doch der Titel des Buches hat mich aufmerksam gemacht, und der Klappentext aus persönlicher Motivation heraus inspiriert mir dieses Buch zu kaufen - und ich habe es keine Sekunde bereut. Inhalt:Die Lehrerin Amy ist bereits seit Jahren mit ihrem Partner Josh zusammen und verlobt. Gemeinsam haben sie studiert, sich in das Berufsleben begeben und sind erwachsen geworden. Sie haben die gleichen Vorstellungen vom Leben - eigentlich. Denn so richtig nahe sind sie ihrem Ziel aus London wegzuziehen und ein Häuschen auf dem Land zu kaufen, noch nicht. Ebenso wenig ihrer Traumhochzeit, für die sie noch sparen. Irgendwo auf dem Weg dorthin haben sich die beiden ein wenig entfremdet, und auch ihre Liebe im Bett ist nur noch ein Geist ihrer Beziehung. Amy und Josh befinden sich in einem "Wartebereich" ihres Lebens - bis die zukünftige Schwiegermutter von Amy zu ihrem Entsetzen beschließt, dass Josh und Amy in sechs Wochen heiraten werden. Und damit nimmt die Geschichte ihren Lauf. Meinung:Mir hat das Buch wirklich gefallen, und auch dazu bewegt, mich mal näher in dem Genre der New Adult Geschichten zu bewegen. Ich mochte das Thema sehr und die Art und Weise, wie die Autorin die Geschichte durch Amys Augen erzählt hat. Es gibt zwei tickende Uhren in dem Buch: einmal die sechs Wochen, in denen die Hochzeit auf die Beine gestellt werden muss, weil von den Schwiegereltern bereits die Location gebucht und bezahlt wurde. Und dann die Anzahl der Nächte, in der Amy und Josh keinen Sex mehr miteinander hatten, denn Amy führt eine Strichliste darüber, ohne zu wissen wie sie das Thema bei Josh ansprechen soll. Passend dazu freundet sie sich mit der Schneiderin ihres Kleides an, Lacy, eine unkonventionelle Schönheit, die Amys Problem direkt durchschaut. Das Highlight des Buches ist zusätzlich zu dem gut umgesetzten Thema der schöne Cast der Figuren - es gab keine Rolle, die ich nicht auf die ein oder andere Weise mochte; selbst die, die ich nicht leiden konnte, waren genau zu dem Zweck geschrieben und daher gut umgesetzte Figuren. Amy als Protagonistin habe ich auch sehr gerne begleitet - ihre Stimme hat mich direkt im ersten Kapitel bekommen und das hat bis zum Ende auch nicht nachgelassen. Die Misskommunikation zwischen Josh und Amy ist auch nicht kitschig oder unglaubwürdig, sondern sehr real und unangenehm für beide Seiten. Die Dynamik und die Beziehung zwischen ihnen funktioniert wirklich gut, und ich habe die Entwicklung der beiden gerne verfolgt. Insgesamt habe ich wirklich gerne Zeit mit dem Buch verbracht - die Charaktere sind glaubhaft und humorvoll, wenn auch an manchen Stellen etwas überzeichnet, aber das macht sie auf eigene Weise liebenswert (oder hassenswert). Einen Stern Abzug gibt es aber trotzdem, da es durchaus Stellen oder Charaktere gab, bei denen doch weniger mehr gewesen wäre. Meine Hauptkritik aber besteht in dem Ende, deshalb ab hier jetzt eine kleine SPOILERWARNUNG: für das Niveau und auch den feministischen Ansatz, den das Buch mit sich bringt - eine weitere große Stärke dieses Buches! - hat es leider aber ein Ende, das ich mir anders gewünscht hätte. Zwar ist es nur ein Detail und nicht die große Frage, ob Amy und Josh jetzt heiraten oder nicht; vielmehr schade fand ich es, dass Amy sich von ihrem feministischen Projekt mit ihrer Schule abgewandt hat und sich stattdessen für die neue Stelle an einer Jungenschule entschieden hat. Dass Amy ihre alte Lehrerinnenstelle verlassen hat, ist verständlich, aber ich finde es wirklich schade, dass nach dem Perioden-Projekt nicht mehr in die Mädchenarbeit investiert wurde und dass Amy sich stattdessen quasi dem Gegenteil gewidmet hat, nämlich einer Jungenschule, obwohl sie doch während ihres Projektes so darin aufgeblüht ist junge Schülerinnen in den Naturwissenschaften zu stärken und zu fördern. Vielleicht ist das Meckern auf hohem Niveau, aber da das Buch meiner Meinung nach für einen zeitgenössischen Roman ein gutes Niveau hat, hätte ich mich über ein entsprechendes Ende gefreut. Fazit:"This isn't happiness" von Mary Newnham hat mich dazu gebracht mehr Bücher aus diesem Genre zu meiner Leseliste hinzuzufügen. Ich hatte wirklich Freude an diesem Buch, habe mich oft in Amy wiederfinden können und musste mehr als einmal laut auflachen. Das Buch lebt von lebendigen Figuren und ihrem Humor, und von der zumeist gelungenen Mischung aus Authentizität und Dramatik. Ich kann es wirklich herzlichst empfehlen, besonders für Frauen, die moderne, feministische Geschichten mögen. Ich auf jeden Fall kann trotz meiner Kritik an dem Ende sagen, dass ich diesen Roman gerne als gelungen bezeichne.