Ausbruch und Selbstreflexion
¿Sophie steckt irgendwie in ihrem High-Performer-Leben fest und beschließt während eines Praktikums, für das sie sich so gar nicht begeistern kann, eine ziemlich aberwitzige Sache: Sie kauft ein Haus im Nirgendwo im Osten der Republik - ohne es vorher gesehen zu haben. Und dann zieht sie hin. Ohne es irgendjemandem zu erzählen. Während Sophie die Bruchbude, die sie gekauft hat, nach und nach sehr rudimentär renoviert, ist sie hin- und hergerissen zwischen der Idee des kompletten Ausstiegs und der Frage, ob dieser Traum ihre Realität werden kann.¿ Ich fand diesen Roman richtig gut erzählt. Besonders Sophies Wechselbad der Gefühle wirkt sehr authentisch: die Verzweiflung angesichts des tatsächlichen Bauzustands, die kleinen und manchmal ziemlich kümmerlichen Renovierungsfortschritte, die Einsamkeit und die Angst vor der Nacht im Nirgendwo - aber eben auch der Stolz auf das erste selbst angebaute Gemüse, das Glücksgefühl beim Baden im eigenen Teich und dieses befreiende Gefühl, plötzlich selbst über das eigene Leben zu bestimmen. All das bringt die Autorin sehr lebensnah und ohne große Gesten auf den Punkt.¿ An einer Stelle war ich trotzdem etwas ungeduldig mit Sophie: Ich hätte mir gewünscht, dass sie sich früher öffnet und weniger Ausreden erfindet bzw. lügt. Andererseits passt auch das zu ihrer Situation: Sie muss offenbar erst einmal selbst herausfinden, was sie eigentlich will, bevor sie anderen gegenüber dazu stehen kann.¿FormularendeBesonders interessant fand ich die Frage nach dem "Was muss aus mir werden?" Wie sehr beeinflussen die Erwartungen anderer unsere Entscheidungen? Und wie viel von dem, was wir im Leben anstreben, wollen wir tatsächlich selbst?Ein schöner Roman über den Mut, auszubrechen, Dinge auszuprobieren und sich dabei selbst ein Stück näherzukommen - ohne Drama und ohne bedeutungsschwere Abhandlungen. ¿¿