Reicht glücklich sein zum Leben
Sigrid wächst in einer US amerikanischen Kleinstadt in schwierigen Verhältnissen auf. Die Eltern bringen ihr und der Schwester Margit wenig Liebe entgegen und sind hauptsächlich mit sich selber und ihren endlosen Streitereien beschäftigt, die seitens des Vaters auch schon mal in Gewalt enden. Sigrid ist kein einfaches Kind, sie hat viel Fantasie und lebt oft in einer eigenen Welt. Ihre Schwester Margit gilt hingegen als schlauer und lebenstüchtiger, sie ist angepasster und weniger rebellisch. Während Sigrid versucht, ihren eigen Weg und ihr Glück zu finden, lebt sie sich mit der Familie und vor allem auch mit Margit auseinander. Der Roman ist in drei Teile gegliedert. Der erste Teil besteht aus 21 Entwürfen für einen Abschiedsbrief, denn Sigrid hat beschlossen, sich umzubringen. Hier werden viele von Sigrids Problemen deutlich, es liest sich zum Teil aber auch sehr makaber. Der zweite Teil ist betitelt mit Wahrheit und ist aus Margits Sicht geschrieben, während der dritte Teil wieder aus Sigrids Sicht von ihrem Leben nach dem Suizidversuch handelt. Ich konnte leider keinen richtigen Zugang zu beiden Schwestern finden, vor allem Sigrid blieb mir im Laufe der Lektüre immer eher unsympathisch. Dabei stelle ich es mir schon extrem schwierig vor in einer konservativen Kleinstadt in der es schon ein Makel ist, Vegetarierin zu sein, geschweige denn lesbisch. Auch in der Familie ist kein Verständnis zu erwarten, rassistische Sprüche sind an der Tagesordnung. Sigrids Beteuerung glücklich zu sein haben mich verwirrt, warum plant sie dann ihren Suizid? Es wirkt fast, als würde sie dieses Thema nicht so ganz ernst nehmen, sie stellt den Tod als etwas belangloses dar. Vor allem hadert sie mit zahlreichen Entscheidungen in ihrem Leben, ist unzufrieden mit sich, ihrer Familie und Freunden.. Sie macht auf mich alles andere als einen glücklichen Eindruck und die Rationalität, mit der sie ihre Abschiedsbriefe entwirft, wirkt schon ein wenig befremdlich. Im Laufe des Romans stellt sich heraus, dass sie häufig lügt und man weiß deshalb nie so ganz genau, ob die gerade erzählte Episode wirklich wahr ist. Auch Drogen sind ein Thema, dann der Verlust der engen Freundschaft zu einer sehr engen Freundin aus Jugendtagen, die ihr viel Halt gegeben hat. Sigrid möchte um jeden Preis glücklich sein, aber es will ihr nicht wirklich gelingen. Der Suizid selber bleibt außen vor, beschrieben wird die Zeit vorher und nachher.Auch Margit bleibt mir fremd. Interessant finde ich, dass die als klug und organisiert geltende Frau zum Teil die gleichen Probleme und Komplexe wie ihre Schwester hat. Aber ihr Umgang mit dem Suizid der Schwester ist für mich eher seltsam, auch wenn die beiden Schwestern darüber wieder in näheren Kontakt kommen. Ich hatte mir nach dem Klappentext einen größeren Fokus auf die Beziehung der beiden Schwestern erwartet. Der Schreibstil ist wenig flüssig, das liegt auch an den drei unterschiedlichen Teilen. Insgesamt lässt dieses Buch mich etwas verstört zurück, vielleicht habe ich es aber auch nicht ganz verstanden.