Sister Sister ist ein Buch, bei dem der Inhalt nicht zum Klappentext passen will. Es ist schade, dass dadurch bei einem so eindrücklichen Buch die Erwartungen nicht erfüllt werden! Für alle Interessierten gibt der englische Klappentext (We could be rats) ein bisschen mehr her!
Aber worum geht es wirklich?
Es geht einerseits darum, welche Ereignisse einzeln oder auch in ihrer Gesamtheit zu einem Suizid führen können und andererseits auch um Sigrids Schwester Margit: eine junge Frau, eine Studentin, die sich plötzlich mit der schwierigen Beziehung zu ihrer Schwester, aber auch mit der Kindheit in ihrer Familie auseinandersetzen muss. Sie ist ein Mädchen, das ihr ganzes Leben lang gelernt hat gefällig zu sein, nie das Falsche zu sagen. Sigrit hingegen ist anders, lauter, weniger angepasst.
Das Buch beginnt als Abschiedsbrief von Sigrid (bzw. als Tagebuch, das sich aus vielen Versuchen eines Abschiedsbriefs zusammensetzt) und wechselt später in die Perspektive ihrer Schwester Margit. Dabei werden viele Themen angesprochen wie das emotional instabile Elternhaus, Queerness, Missbrauch, die Distanz zwischen den Schwestern, Drogensucht, Homophobie, rechte Ignoranz, Verlust, Schulabbruch, Einsamkeit und Therapie.
Was ich schwierig finde?
Das man anhand des Klappentexts ein anderes Buch erwarten würde. Der Klappentext ist hier weniger eine Inhaltsangabe, als vielmehr eine Inhaltsinterpretation.
Neutral:
Die Abschiedsbriefe sind auf eine Weise geschrieben, die sich immer wieder selbst verbessert- solange, bis man nicht mehr weiß, was man glauben darf.
Stark!
Emily Austin schafft es ein Buch mit einer düsteren Grundstimmung zu schaffen. Das Bild von Sigrid das nach und nach aufgebaut wird ist extrem stark und vielfältig und lässt doch noch Raum für Fragen (die später beantwortet werden). Bei der Fülle der Themen ist natürlich klar, dass das Buch auf keines der Themen in der Tiefe eingeht. Aber gleichzeitig passt das zum Gesamtthema: Das nicht ein einzelner Faktor zum Suizid führt...
Als stärkste Themen werden die Freundschaft mit Greta behandelt und die Nicht-Beziehung zu Ihrer Schwester und die Entwicklung von beide bis ins Erwachsenen-Alter. Und gleichzeitig hat es mich jedes Mal berührt, wenn Sigrid wieder überlegt hat, was sie denn noch schreiben könnte um es für die Familie leichter zu machen.
Fazit:
Das Buch ist eindrücklich und lässt sich sehr gut lesen! Und doch ist es sicher nicht für jeden geeignet - aber für viele! Und doch sollte man nicht mit falschen Erwartungen an dieses tiefgründige Buch gehen.