Bryony hat eine lockere Affäre mit Ed, die sie ganz okay findet, aber mehr auch nicht. Da sie eigentlich gerne Single ist, denkt sie über eine Trennung nach. Doch bevor sie Schluss machen kann, erhält sie eine schockierende Nachricht: Ed ist tot!
Als sie unter dem Vorwand, gleich morgens eine Besprechung zu haben, ihre Sachen zusammensuchte und er ihr mit Hundeblick und stolzer Miene an der Tür nachsah, war sie sich sicher: kein Ed mehr. Kein Warten mehr darauf, dass die lauwarme Suppe heiß wurde. Sie würde sich wie eine Erwachsene verhalten und den Mut aufbringen, die Sache zu beenden obwohl ihr das mit ihrem Perfektionismus und ihrem Ehrgeiz schwerfiel.
Die Sache wurde erheblich vereinfacht, als sie am nächsten Tag einen Anruf erhielt und erfuhr, dass Ed gestorben war.
Hinzu kommt, dass er seiner Familie offenbar erzählt hatte, Bryony wäre seine große Liebe und zukünftige Ehefrau. Bryony bringt es nicht übers Herz, dieses Missverständnis gegenüber der trauernden Familie aufzuklären. Also geht sie aus Pflichtgefühl zur Beerdigung und steckt plötzlich mitten im Chaos von Eds liebenswerter, aber exzentrischer Familie. Und da kommt sie gar nicht so einfach wieder raus: Eine Gedenkfeier folgt der anderen, noch ein Familientreffen Bryony weiß keinen Ausweg aus der Lage.
Ich soll zeigen, wie gut ich ihn kenne! Kannte. Wenn ich keine persönlichen Details einbringe, wirkt das verdächtig.
Du tust so, als wären diese Leute vom MI6 und würden wegen einer vorgetäuschten Beziehung gegen dich ermitteln.
Ich mache mir nur Sorgen, sie könnten daran zweifeln, dass ich ihn wahnsinnig geliebt habe.
[]
Ich werde dir eine heikle Frage stellen, sagte er. Warum?
Warum was?
Warum musst du sie glauben lassen, dass du ihn wahnsinnig geliebt hast?
Bryony sah ihn verwirrt an. Weil er tot ist, Marco. Er ist tot, sie sind unglücklich, und ihr einziger Trost ist, dass er von einer tollen Frau geliebt wurde, als er gestorben ist, nämlich von mir.
Na gut, tolle Frau. [] Ist es möglich, dass sie noch woanders Trost finden? Glaubst du nicht, dass diese nette Familie sich vielleicht auf dreißig Jahre voller glücklicher Erinnerungen an ihren geliebten Sohn, Bruder und Freund konzentrieren kann, anstatt darauf, dass er ein paar Monate lang mit irgendeiner Frau rumgevögelt hat, die sie nicht kannten?
Doch durch die Begegnung mit den unterschiedlichen Familienmitgliedern muss Bryony sich auch ihren eigenen Problemen, ihrer Hypochondrie und ihren Ängsten stellen.
Die skurrile Grundidee des Romans hat mir sehr gut gefallen, auch der Schreibstil von Lauren Bravo gefällt mir mit einem guten Mix aus Feingefühl und britischem Humor. Die Charaktere haben mir allesamt gut gefallen.
Leider empfand ich die Handlung im Mittelteil als etwas zu langgezogen, auch das Ende konnte mich nicht richtig abholen.
Lauren Bravo hat mit Von Nahem betrachtet ist alles gar nicht so schlimm eine tragikomische Geschichte geschrieben, die mich nicht komplett überzeugt, aber weitgehend gut unterhalten hat. Ich vergebe final 3,5 von 5 Sternen.
Vielen Dank an den pola Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar!