"Mein Mut wächst mit jedem Versuch, mich einzuschüchtern."
Dieses großartige Zitat einer aufgeweckten und mutigen Frau, einer der größten Autorinnen aller Zeiten, inspiriert mich immer wieder aufs Neue. Die Autorin Catherine Bell nimmt uns mit in das Leben von Jane Austen, der wir die wunderbaren Romane wie "Verstand und Gefühl", "Stolz und Vorurteil", "Emma", "Überredung", "Northanger Abbey" und "Mansfield Park" verdanken. Etliche Lesestunden habe ich mit diesen wundervollen Romanen verbracht und ebenso viele Stunden zum Schauen der genial gelungenen Filme.
Jane Austen wurde 1775 in Steventon/England geboren und hatte eine Schwester Cassandra, mit der sie sich sehr verbunden fühlte, sowie sechs Brüder, was in der Biografie manchmal nicht so deutlich geschildert wurde. Zu ihrem Vater pflegte sie ebenfalls eine innige Beziehung, er ermutigte sie auch stets ihrer Berufung des Schreibens nachzugehen, zu ihrer Mutter eher distanziert, denn sie pflegte sich doch sehr um ihre Bedürfnisse zu drehen.
Wie auch in ihren Romanen oft genug beschrieben, waren die Eltern von Töchtern sehr bestrebt ihre Mädchen gut und standesgemäß zu verheiraten, damit sie auch abgesichert sind. Für nicht so gut betuchte Menschen, wie zum Beispiel den Austens, der Vater war Pfarrer, durchaus eine Herausforderung. In die Geschichte starten wir 1795 und erleben mit der aufgeweckten Jane, ihrer scharfen Beobachtungsgabe und ihrer Lebenslust, die jedoch oft von gesellschaftlichen Normen eingegrenzt wurde, einen der unzähligen Bälle, die auch etwas von einem Heiratsmarkt auf sich hatten. Für Jane keine Option, tanzen und flirten ja, doch ihre wahre Leidenschaft galt dem Schreiben, dem sie tage- und nächtelang frönte, regelmäßig tintenverschmierte Finger hatte und sehr genau wusste, was sie von einem Mann wollte und was nicht.
Catherin Bell lässt immer wieder Passagen von Janes Romanen einfließen und passt sich dem Schreibstil von ihr an. Da wir ja schon wissen, dass es Jane nicht vergönnt war zu heiraten und Kinder zu bekommen, der Leser hofft ja immer beim Romanlesen, war zu erwarten, dass es mit den beiden Männern, die sie kennenlernt, nichts wird aus den verschiedensten Gründen. Nichts genaues weiß man nicht, da die Familie Austen streng über den Nachlass von Jane waltete, doch Catherine Bell nimmt uns auf eine feine und ruhige Art mit in die romantischen Hoffnungen und Verwicklungen von Jane Austen. Wie zu erwarten verlief alles ruhig und mehr oder weniger unaufgeregt, genau wie in ihren Büchern beschrieben.
Genau das Schreiben, die Geschichten, das Brüten über das richtige Wort, die Entstehung der Protagonisten...alles das hat Catherine Bell sehr ausführlich beschrieben, wie schwierig es für eine Frau der damaligen Zeit war auf eigenen Beinen zu stehen und selbstständig zu sein. Jane verfolgt ihren Traum Romane zu schreiben ihr ganzes Leben lang, viele Rückschläge muss sie einstecken, Krankheit, Verlust und etliche Umzüge machen das Schreiben nicht gerade leichter. Ihre Entwicklung zu lesen, von der aufgeweckten jungen Frau, die ihre Familie mit ihren Geschichten unterhält zu einer gefeierten Autorin, die das gesellschaftliche Leben treffend, wahr und mit diesem feinen ironischen Humor beschreibt, hat mir einfach gut gefallen.
Ich habe das Buch sehr gerne gelesen, weil ich Jane Austen einfach mag und es mich interessiert hat, dennoch hat es einige Längen und auch Zeitsprünge, die den Lesefluss manchmal etwas erschweren, dennoch lohnt sich die Geschichte, denn Jane konnte ihre Texte nicht einfach in einen Laptop fließen lassen, sie schrieb alles mit der Hand, schnitt oftmals die Wörter aus dem Text, die nicht passten und ersetzte sie mehrfach, sie entwickelte Frauenfiguren, die bis heute die Menschen beeinflussen und das hat Catherine Bell sehr gut eingefangen.